Socken stopfen mit der Nähmaschine, Teil 1

Wenn ich mir ansehe, welche Suchanfragen Menschen zu meiner Seite führen, dann fällt mir auf, daß Kleidung zu ändern und zu reparieren doch gar nicht so selten vorkommt. Und ich dachte immer, ich wäre die einzige, die noch stopft. :o)

Zubehör zum Socken stopfen

Wobei ich Socken schon mal deutlich lieber stopfe, seit ich dahinter gekommen bin, daß das auch mit der Nähmaschine geht und nicht nur von Hand.

Warum sollte man eigentlich Socken stopfen, wo es doch für wenige Euro einen Zehnerpack vom Wühltisch gibt? Nun… wenn es schnell gehen soll, dann geht Stopfen doch deutlich schneller als waschen und trocknen. Weiterhin gibt es Lieblingssocken, die so lange wie irgend möglich am Leben erhalten werden müssen. Oder Kinder, denen man vor dem nächsten Wachstumsschub vielleicht nicht mehr mit einem Packen Socken bestücken möchte, die nächste Woche zu klein sind. Oder… oder… oder. Gründe gibt es viele. Bei mir fing es an mit der Unzufriedenheit über die Billigsocken, die oft drückende Nähte hatten oder einfach so schnell kaputt gingen, daß sie mir gar nicht mehr so billig vor kamen. Ich wollte also auf bessere Qualität umsteigen, konnte mir aber nicht auf einen Schlag zehn Paar gute Socken leisten. – – Denn was im Großpack gekauft wurde geht auch im Großpack kaputt. Also habe ich durch Stopfen der alten billigen den Zeitrum zur Neuanschaffung entsprechend gedehnt. Dann kam dazu, daß man so ganz gut die Handhabung fürs frei geführte Sticken lernt. Ohne daß es schlimm wäre, wenn mal ein Stich daneben geht. Denn an der Socke sieht es keiner. 😉 Als mein Herzblatt dann mal Schuhe hatte, die Löcher in neue und teuere Socken rissen (ohne daß es uns gelang, den „Übeltäter“ zu identifizieren) war das dann auch jeweils rasch behoben.)

Was braucht man also?

Einen kleinen Stickring aus Kunststoff mit Metallfeder. Meiner hat einen Innendurchmesser von 6cm. Das ist klein genug um in eine Socke zu passen und groß genug, um noch darin arbeiten zu können.

(Löcher die größer sind als der Ring werden definitiv nicht mehr gestopft… )

Dann noch einen Stopffuß oder Stickfuß für die Nähmaschine (einfach mal ins Anleitungsbuch gucken, was da empfohlen wird) und eine Maschinennadel mit abgerundeter Spitze. Ich nehme gerne SuperStretch von Organ, meist die 75er.

Loch in der Socke

Meine Beispielsocke auf den Bildern hat einen Zustand erreicht, wo ich sie normalerweise nicht mehr stopfen würde, aber da sie nicht schwarz (wie die meisten anderen), sondern grau ist und somit auf den Bildern auch etwas zu erkennen sein wird, bekommt sie noch mal eine Gnadenfrist, bevor sie zur Putz- und Poliersocke wird. :o)

Das Loch befindet sich in der Zehenregion.

Der Kunststoffring wird in die Socke geschoben und dann die Socke etwas darüber gespannt. Das Loch (innerhalb der punktierten Linie) sollte in der Mitte des Rings sein.

Das Spannen ist deswegen wichtig, weil Socken ja normalerweise gestrickt und somit elastisch sind. Nach dem Stopfen ist die Stopfstelle das nicht mehr. Es kommt also mehr „Zug“ auf das restliche Gewebe, das dadurch schneller verschleißen kann. Dem kann man durch das Spannen des Stoffes ein wenig entgegenwirken. Die Stopfstelle wird dann im „zusammengezogenen“ Zustand der Socke (also ohne Fuß drin) eventuell eine kleine Beule formen. Aber sobald der Fuß die Socke dehnt, liegt sie glatt.

Socken in Stickrahmen einspannen

Die eine Hand hält also die Socke gespannt, die andere schiebt von oben (also von der rechten Seite der Socke her) die Metallklammer hinein, die den Stoff dann festklemmt.

Wenn das nicht gleich mühelos klappt, weil sich der Kunststoffring beim spannen etwas verzieht oder man vor lauter Eifer die Metallklammer durch den Ring schiebt, statt in die Klemmnut… keine Panik. Reine Übungssache. 😉

Loch in Socke eingespannt

Wenn man die Socke wendet und sich die linke Seite anschaut, dann sieht das so aus. (Der Finger darunter zeigt das Loch.)

Socken stopfen

Jetzt wird es noch mal fitzelig.

Zum Stopfen darf ja nur eine Lage Socke unter die Maschine, sonst würden wir die Socke zunähen. Also darf unter dem Loch keine Stofflage mehr sein.

Deswegen stülpe ich die Socke auf die linke Seite und schiebe sie dann aber so unter die Nadel, daß an dem Stickrahmen die rechte Sockenseite oben liegt, also zur Nadel hinzeigt. Die linke Sockenseite am Stickrahmen (die das obere Bild zeigt) liegt auf der Stichplatte.

An der Ferse geht es wesentlich einfacher, an der Spitze einer Socke ist es schwieriger.

Aber es geht.

Dann muß das ganze unter den Nähfuß. Dabei halten die Finger der linken Hand die ungestülpte Socke weg vom Nähfeld, die rechte Hand bleibt, um den Stickrahmen zu führen.

Das gibt erst mal fürchterliche Krämpfe in den Fingern, aber nach einigen Socken hat man den Dreh raus. Versprochen! (Sogar ich… )

In einem alten Nähbuch habe ich mal einen speziellen „Sockenrahmen“ gesehen, der tatsächlich eine Vorrichtung mitbrachte, die restliche Socke beiseite zu drücken. Leider scheint das das nicht mehr zu geben. 🙁

6 Gedanken zu „Socken stopfen mit der Nähmaschine, Teil 1

  1. Vielen Dank. Die Anleitung ist super habe bis jetzt immer die Socken getragen bis die Löcher zu groß geworden sind. Endlich habe ich es geschafft meinen ganzen Lieblingssocken ( ich hatte reichlich Übungsmatrial, da ich mich von Ihnen nicht trennen konnte) eine weitere Gnadenfrist zu verschaffen. War wirklich nicht so schwer, ab der achten Socke ging es wie von selbst.

  2. gut erklärt aber habe ich es überlesen oder ist nicht geschrieben wie man das jetzt zunäht? also mit welchem stich? zickzack? und wie entlang? also erst runherum oder kreuz und quer?

  3. Schön erklärt!
    Ich habe in Geschäften in meiner Nähe und im Internet nach so einem Stickring geschaut, jedoch nichts annährend passendes gefunden.
    Hast du evtl. einen Link oder anderen nahmen um sowas zu finden?

    Marco

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