Revue de Presse: Burdastyle August 2009

Auch wenn es so aussieht, ich habe keine neue Zeitschrift entdeckt, Burda Modemagazin heißt jetzt Burdastyle. Was aber letztlich recht egal ist, denn in Deutschland zumindest nennt sie ohnehin jeder nur Burda. Vor meiner Abfahrt aus Paris hatte ich das Heft am Bahnhof schon am Kiosk gesehen, in Deutschland hätte ich es fast nicht wiedererkannt, denn die französische Ausgabe steht unter dem Motto “Pariser Chic”, die Deutsche bietet “Very Britsh”. *g*

(Short summary in English: New titel, few changes. This time quite a lot of awful stuff together with boring things. But on the other hand both plus size dresses make me wanting to sew them and if I had the time I would give the men’s jacket a try also.)

Also, neuer Titel und stadt eines mehr oder weniger sinnigen Editorial Texts gibt es eine Bilderschau, nämlich die mehr oder weniger neue Redaktion in München und der Rest des Teams. Alle in weiß, vermutlich um den Gerücht entgegen zu treten, daß die “Kreativen” selber immer nur in schwarz rumliefen. Wobei weiß natürlich auch nicht phantasievoller ist….

Aber ich will ja eh Mode sehen, nicht so sehr Redakteure (also schon mal nett, die Gesichter hinter dem Heft zu sehen, aber interessanter ist natürlich der Rest des Heftes) und da geht es mit Fransen los. Fransen zum Basteln vor allem. Nun gut, das mag ich schon an Sofas nicht. Und ob die Fransenstulpen an Stiefeln halten, wenn man sich bewegt, da hätte ich doch so einige Zweifel.

Wenn ich mir die weiteren Kreativbasteleien angucke, wird der Herbst wieder opulent. Schmucksteine und Glasknöpfe, Dekoration aus Kordeln und Posamenten… Na mal sehen, ob ich das haben muß.

Ebenfalls bunt aber doch sachlicher gehen die Vorschläge für das Nähzimmer weiter. Nichts aufregend Neues. (Und wenn man die Wand mit Magnetfarbe streicht, dann sollte man aufpassen, mit Kredit- oder sonstigen Karten nicht in die Nähe zu kommen.)

Dei Warenkunde befaßt sich mit Bändern, wie üblich herzlich unsystematisch und daher auch nur von geringem Lerneffekt. Aber dafür mit einem dekorativen Photo.

Anschließend wird kräftiges Schnitte und Anleitungsredycling betrieben, unter dem Motto der Resteverwertung kann man von der Schlafbrille angefangen bis zum Schlüsselband etliche alte Bekannte oder auch Banalitäten besichtigen. (Die Sachen die m.E. als Gratisdownload einer Webseite okay wären.) Nur die Sache mit der selbergebastelten Sandale hat was. Wenn man der Anleitung folgt muß das Ergebnis allerdings anders aussehen als das Bild. Und wozu man überhaupt eine alte Sandale als Grundlage braucht, wenn man außer den Riemchen alles weg wirft erschließt sich mir auch nicht. Die Riemchen sollte man dann doch auch noch selber hinbekommen.

Aber dann kommt endlich Mode, “neue Formen” und “Schnitte wie konstruiert” (äh… und sonst macht Burda die Schnittbogen freihand und ohne Lineal?… das würde allerdings so manches erklären) fürs Büro. Also der Mantel in A-Linie schon mal nicht, weit, formlos und auch noch weite Ärmel am Saum, das ist unproportioniert.

Bluse BurdastyleBluse 109 läuft als “Schluppenbluse”, eine Kategorie die ich schauderhaft finde. Aber in der Variante könnte man sie glatt durchgehen lassen. Abgesehen davon, das Schlupfblusen an sich eine Geschmacklosigkeit sind…

Für Kurzgrößen gibt es eine puristische Jacke. Ich würde sagen die x-te Abwandlung des “Bikerjacke aus Wollstoff” Themas, aber schon ganz niedlich.

Kleid Burdafashion August 2009Kleid 124 A mit den wenigen Nähten und dem mittigen Brustabnäher gefällt mir auch gut. (Nicht so sehr für meine Figur, aber generell, da gehören wohl eher flach gebaute Frauen hinein.) Nur an Bauhaus, wie der Text suggeriert, erinnert es mich wenig, dann doch eher an die 60er, ein bißchen Courrèges, ein bißchen Raumschiff Orion.

Hose 123 nennt sie Karottenhose, sieht aber beinahe wie eine Sarouelhose aus. Glücklicherweise ist die in Langgröße im Heft, da muß ich mir schon mal keine Gedanken machen. (Wobei mir auffällt.. warum eigentlich nur lang und dünn? Bei den Kurzgrößen macht es ja Sinn, mit kleinen Größen anzufangen, aber muß lang bei Gr 44 (=88) aufhören? Lange Frauen brauchen doch ein paar Kilo mehr, damit sie die gleichen Proportionen haben wie “normalkurze”, da wäre doch wenigstens eine 46/92 noch angemessen, oder?)

Shirt 114 sieht als Schemazeichnung auch ganz nett aus, aber das Photo schreit “falscher Stoff!” Bei feinen Fältchen ist zu steif und fest nicht die sinnvolle Wahl. Die Bluse mit seltsamen Ärmeln und einem sabberlatzähnlichen Volant zusammen mit einer formlosen Weste mit Schultern, die nicht wissen ob sie noch Schultern oder schon Ärmel sind laufen unter “Fluchtpunkt”. “Flucht” ist da schon mal ein gutes Stichwort… *schauder* *Beautyteil gleich mit überblätter*

Die “Surf-Favoriten” muß ich natürlich mal durchgucken. www.hobby-kosmetik.de macht einen fundierten Eindruck, die Nagelpflege würde ich doch gerne mal ausprobieren. Auf www.wawerko.de werde ich sicher auch immer mal wieder vorbei gucken. Etliche Anleitungen auf diesem Heimwerkerportal sind war banal, aber bei Themen wie “Garten”, von denen ich herzlich wenig Ahnung habe scheint mir doch einges nützlich. Nicht so interresant wie Make, aber manches auch weniger ausgeflippt. Beim Rest fragt man sich hingegen, was die Redakteure sonst in ihrer Linkliste haben, wenn das die “Favoriten” sind. “Server nicht erreichbar”, ein “Cultportal” mit reichlich wenig Inhalt, “aktuelle” Meldungen die Monate alt sind… bleibt die Frage, ob die Firmen für die Aufnahme ins Heft zahlen oder ob die Auswahl der Links in den letzten 30 Minuten vor Redaktionsschluss erfolgte? Oder die Linkbeschreibungen einfach etwas hochgegriffen sind?

“Grenzenlose Freiheit” steht wohl für so eine Art Biker Mode. Jeansbluse mit Rüschen, na gut, ein Parka… nö. Wobei die technische Skizze schlimmer aussieht aus das getragene Modell. Wer also größer als 1,75m ist und weniger als 50kg wiegt könnte damit gut bedient sein.

Herrensakko Burdastyle August 2009Das Herrensakko ist auf dem Photo ja gänzlich von der Kawasaki verdeckt. Nur die technische Zeichnung zeigt ein interessantes Taschendetail.

Rock 122 könnte nett sein, aber auch hier kann man nur die technische Zeichnung erkennen. Caban Jacke… na gut, spannend ist anders. Marlene-Hose auf dem Motorrad ist bestommt ein interessantes Fahrgefühl, besonders mit den Plateau-Schuhen… Praktisch dagegen der Schnitt in Kurzgröße, die Röhrenhose scheint ein klassischer Five-Pocket-Style zu sein, also ein Basisschnitt, den man eigentlich immer brauchen kann.

Anschließend gibt es die passenden Accessoires im “Biker-Chic”. Wie viele Biker wohl Gesichtspeeling benutzen…? *g*

“Kreative Welt” zeigt so ein bißchen dies und das. Das Schaf, das es als Bastelpaket gibt ist ja wirklich süß!

Anschließend ist das “aus 1 mach 4” Thema die weiße Bluse. Pseudogeschichtlicher Überblick und dann vier Blusen mit unterschiedlichem Styling. Die Blusen sind nicht weiter bemerkenswart, aber für das Bürooutfit schlägt Burda die Kombination mit einer 970 EUR Handtasche, einem 500 EUR Trench und 400 EUR Schuhen vor. 500 EUR für ein klassischen Teil wie einen Trench da könnte man ja fast noch drüber reden… aber tausend Euro für eine Handtasche? Wenn die Redaktionsgehälter bei Burda das hergeben, dann schule ich um! Allerdings sollte man dazu dann nicht Ohrringe für 7.95 EUR kombinieren und die Brille von Filemann ist dann doch in dem Zusammenhang auch eher peinlich….

Mit “Pariser Chic” geht es weiter. Wie meist im Heft kennt man die meisten Schnitte schon von vorhergehenden Seiten. Der Sabberlatzvolant sieht an Bluse 117 dank des Stoffes ein bißchen weniger krude aus. Die Kurzgrößenjacke sieht genauso nett aus wie vorher, der A-Line Mantel genauso schrecklich. Oder noch mehr, denn der dickere Stoff mit dem großen Muster läßt ihn noch plumper wirken. Und Cape 112 vom Titel wird eher im Bibliothekarinen-Stil präsentiert. Nett, aber Cape-Varianten gab es in den letzten Jahren schon mehrere. Und diese hier ist arg brav und blaß. Dann doch lieber die schlichte Eleganz von Kleid 128. Und Kleid 124 noch mal aus Spitze, auch eine sehr schöne Variante. Ach und noch mal den Sabberlatz, nur diesmal wieder mit Ärmeln und in zartem rosa. nun ja… *schüttel*

Da ist die Bastelstunde der nächsten Seiten beinahe erholsam. Eine Kette aus Satinband und Perlen zu kombinieren mag originell sein, ob sie getragen gut aussieht bleibt zweifelhaft, denn die Perlen fallen schwer, das Satinband hingegen knittert etwas unmotiviert herum. Zumindest sieht es auf dem Bild so aus. Verwunderlich ist es nicht, denn da fehlt einfach das Eigengewicht und eine lange Kette abzugeben. Die mit Spitze beklebten Schuhe sehen natürlich nett aus, aber ob das als Innensohle so bequem ist?

Bei der “Nähschule” geht es um Kanten an feinen Stoffen, Rollsaum von Hand oder feine Säume mit der Maschine werden erklärt. Beide Varianten an zarten Stoffen schöner als mit der Overlock, also keine Angst vor feinen oder transparenten Stoffen!

Jetzt kommt der auf dem Titel versprochene britische Stil, Trench mit Rüsche? Na ich weiß nicht… irgendwie… oder doch nicht? Die Idee mag originell sein, aber muß man es deswegen haben? Pannesamt als Gummizugröcklein… und ein Cape im Trench-Stil. Letzteres war beim ersten Mal toll, allmählich langweilt es. Die Strickjacke hat ein nettes Muster, aber die Paßform ist nicht zu erkennen. “Hüftkurz” sagt der Text, das Bild sieht eher oversized und formlos aus…. Kleid 113 ist ein Samtkleid, leider auch ein Sackkleid mit Gummizug in der Taille… *bäh* Schade um den Stoff. Dann ein Rock mit sozusagen “Trench” Vorderseite. Auch so ein bißchen… *hm*… muß man?

Die Accessoires sind daschon besser. Die karierten Gummistiefel haben was, und die Eulenbrosche erst! (Aber ich würde sie ja dann doch nie tragen, weil ich morgens nie Zeit habe, auch noch nach so was zu kramen….) Auch Kosmetika werden dem England-Thema untergeordnet. Nun ja.

Ah ja, auch die Bastelseiten sollen was damit zu tun haben, Geschirr zerschlagen und neu arrangieren. Tabletts mit Mosaiks aus Porzellansscherben zu bekleben ist auch so ein “kochen wir regelmäßig wieder hoch” Thema. Die Kerzenhalter und Lampenfüße aus alten Porzellanteilen geklebt sind etwas neuer, aber auch einfach grauenhaft. Und Tassen als Windlichthalter haben definitiv den Nachteil, daß Licht dann auch nicht mehr viel übrig ist. Form looses function ist hier wohl mal wieder das Motto…

Bißchen britisch ist auch die Kindermode. Der bolerokurze Blazer 129 rechnet offensichtlich nicht damit, daß Kinder zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Schule gehen, das ist nur was für die Rückbank des Autos. Über den Knopfverschluß an der Jungshose freut sich zumindest in der ersten Klasse vor allem die Lehrerin, die das Kiddo dann aufs Klo begleiten darf. 😮

Kinderkleid BurdaÄhnlich praktisch Kleid 141, daß ich zwar ganz reizend finde, aber Knöpfe im Rücken… da sollte kein Sport auf dem Stundenplan stehen… Ob ein Minirock in der Grundschule jetzt sein muß weiß ich nicht und Jungs in Cord-Shorts habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Abgesehen von alten Photos, um genau zu sein.

Jetzt aber die Plusmode. Da ich mir kürzlich mein Lieblingskleid aus der Juniburda genäht habe (ja, Bericht kommt noch…) und die Paßform gar nicht so übel war, schaue ich die Seiten natürlich wieder mit neuem Interesse an. Die Schuhe schon mal nicht… Der Kasak 136 sieht zwar in der technischen Zeichnung irgendwie interessant aus, aber ob das angezogen irgendwelche Vorteile bringt… ? Das Photo überzeugt mich schon mal nicht.

Kleid Burdafashion August 2009Das leicht bouleförmige Kleid 137 hingegen wäre vielleicht doch mal wieder einen Versuch wert. Der Mantel mit den Volant hingegen… modisch sicher, aber kann man den auch zu machen? Morgens am Bahnhof oder an der Straßenbahn ist es doch immer so kalt…

Kleid Burdafashion August 2009Auch Kleid 138… auf der technischen Zeichnung sieht es ja eher sackartig aus, aber am Körper (und aus dem richtigen Stoff, da bin ich sicher) fällt es offensichtlich schön. Bei breiten Hüften ist die Form perfekt und die Frontdrapierung schafft schon von oben weg Platz für das Bäuchlein. *hüstel* Nur der Ausschnitt sieht auf dem Photo viel tiefer aus, als auf der Zeichnung… Und ein bißchen länger müßte es für mich sein, aber es gibt ja auch Plus-Frauen mit schlanken Beinen.

Die Hose mit den Bügelfalten hingegen… langweilig. Aber na gut, wer einen Grundschnitt braucht… hat wohl auch seine Berechtigung.

Die Handarbeitstechnik des Monats ist diesmal Sticken. En paar Basisstiche mit großen Photos, ausreichend um das auch mal zu probieren. Bevor dann der Quilt des Monats kommt (Das scheint eine feste Sparte zu werden.) werden wir erst mal mit Eigenwerbung für die Burdafashion-seite beglückt.

Und danach ein Portrait von Aenne Burda, ah ja, die wäre 100 geworden. Anschließend darf auch Herr Lagerfeld ein paar Worte über sie sprechen, nichtssagend, aber wohl formuliert. Und als Schmankerl gibt es einen Originalschnitt von 1951 zum Download, das ist doch mal ene gute Idee,echte alte Schnitte sind ja nicht immer problemlos zu finden.

Die Reise/Shoppingtripp führt nach Kopenhagen. Einiges klingt gefährlich interessant (anderes bekomme ich in Köln auch, was die Gefahr für den Geldbeutel nicht mindert), aber Dänemark steht nicht so auf meinem Reiseplan. Zu kalt und Regen und Kälte haben wir diesen Sommer selber…

Die Horoskope werden wieder ignoriert, dann noch der Hinweis auf die Burdastyle-Seite (und das, wo uns das Overlay auf Burdafashion eh damit nervt, daß die Seiten irgendwie eine werden, warum also dann getrennte HinweiseimHeft?) und… *huch* eine lange verschwundene Rubrik, Leserbilder. Gut, diesmal keine Leserbilder sondern wohl mehr auf der Straße aufgenommen zum Thema Hippiekleid. Da davon keines nach einem Burda-Schnitt genäht ist, gibt es von Burda dazu einen Gratis-Download… (gratis? lese ich das richtig… na da muß ich nachher gleich mal gucken gehen…) und zum Abschluss eine als “Stoff des Monats” verkleidete Werbung für Liberty-Stoffe. Daß es den Stoff aber exclusiv (was ja, wenn mich meine Lateinkenntnisse nicht täuschen, “ausschließlich” bedeutet) bei Liberty in Großbritannien gibt ist ein Gerücht. Da weiß ich auch Bezugsquellen in der Eurozone. Billiger sind die allerdings nicht.

Das war’s dann schon. Neben etlichem Grauen gab es diesmal auch zumindest in meinem Größenbereich zwei schöne Kleidschnitte.. ich solle einfach wieder mehr Kleider tragen.. und nähen…

2 Gedanken zu „Revue de Presse: Burdastyle August 2009

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