Revue de Presse: Burdastyle Juli 2011

Titel BurdastyleAuch im Juli präsentiert sich die Burda-Ausgabe sehr strandlike sommerlich. Das Titelmodell sieht sehr nach etwas aus, was keinen wirklichen Schnitt braucht. Ich hoffe mal, das ist nicht wieder ein Heft mit langweiligen Einfachschnitten. Gelegentlich ist das ja okay, aber sonst gibt es dafür doch die Burda Easy, oder?

Das Editorial enthält keine weisen Worte, sondern preist nur die aktuelle Leserreise an. Okay, Sündfrankreich ist per se anziehend… aber dann kann man sich die Worte auch sparen, denn das kommt doch weiter hinten im Heft auch noch mal, oder?

Aber jetzt erst mal die basteligen Kreativtrends. Bast. Als Pompon, als Stickerei oder umwickelt. So was haben wir als Kinder doch mal gemacht… Die Schmetterlinge auf Organza sind nicht neu, aber sie gefallen mir wenigstens. Und weiße Streifen auf einem schwarz-weiß gestreiften Kleid mit dem Pinsel bunt malen… das…. ist… jetzt… aber….. nicht euer Ernst??? (Okay, ich ziehe die Frage zurück…)

Die „Warenkunde“ befasst sich diesmal mit Strickgarnen, mit Sommergarnen um genau zu sein. (Da Burda immer klar am Trendbarometer entlang segelt können wir das also als Bestätigung für den gefühlten Stricktrend sehen.) Mit echter Warenkunde hat es dafür um so weniger zu tun, denn es werden ohne jegliche Systematik einige Garne vorgestellt, wobei mal das Material mal die Herstellungsart im Vordergrund stehen. Wir wissen ja alle, daß man mehr oder weniger alle Materialien auf verschiedene Weisen spinnen kann… Mais und Milchgarne kennt der Maschenkunst Kunde natürlich auch schon länger. Das Seide-Edelstahl Garn hingegen kenne ich bislang nur aus dem Internet. Mit dem liebäugel ich nämlich auch schon länger…

Jetzt aber die erste Modestrecke, die „Lust auf Meer“ machen soll und wohl eher die Nixe mit Glitzer Faible anspricht. Und gleich an der ersten Fledermausjacke klebt schon wieder das „leicht“ Symbol. Was den Schnitt betrifft sicher, aber Paillettentüll als anfängertauglich zu deklarieren zeugt nicht gerade von ausgeprägtem Realitätssinn. Offensichtlich geht es formlos weiter: Ein Sack als Overall, ein anderer als Top…. Dafür ist bei der Jerseyhose der Schritt wieder halbwegs dahin gerutscht, wo er bei einer Hose sein sollte. Dafür weiß man jetzt wieder nicht, ob es noch eine Sarouelhose ist oder schon eine „gewöhnliche“ Jerseyhose. Niedlich ist dann der Tulpenrock in Kurzgröße. Und das Netzshirt gibt wieder vollen 80er Alarm. Auch das übrigens „leicht“, weil nichts ist einfacher als sehr groben Netzstoff zu vernähen und mit Schrägband einzufassen… Mit Top 105 kommt dann doch noch ein bißchen Schnitt ins Heft. Auch wenn man den ober das ganze Vorderteil fallenden Wasserfall auf dem Photo wieder nicht erkennt. Gut gefällt mir auch das Kleid 103B aus Wirktüll. Ganz schlicht. Und auch hier kann man wieder drüber streiten, ob die Materialwahl das Modell nicht von „leicht“ auf mindestens zwei Stufen höher katapultiert. Ah ja, dann noch das Titelmodell. Eher ein Cape statt einem Kleid, aber auch hier… Paillettentüll mit Wirktüll verstürzt… das ist wirkliche eine der leichtesten Übungen des Nählebens….

Passend die Schminkwerbung in Blau und Türkis. *blätter*

Kleid BurdastyleUm so mitreißender der Bericht über Ece Ege und ihre Label Dice Kayek. (Ich würde wirklich gerne mal nach Istanbul fahren, da scheint designmäßig wirklich einiges los zu sein!) Ich mag solche architekturale Kleidung, vor allem für „Anlasskleidung“. In meiner Größe dann eher nicht mehr, aber generell… auffällig ohne vulgär zu sein, perfekte Kombination. (Und erinnert ein wenig an japanisches Origami und die Pattern Magic Bücher.)

Als „Resteverwerter“ gibt es so ein sabberlatzartiges Ding, was wohl Halsschmuck sein soll. Durch amerikanische Blogs geistern solche Sachen schon etwas länger, aber da könnte ich gut drauf verzichten.

Das nächste Modethema ist dann wieder ein Klassiker, nämlich „einfach schwarz“. Kann man nichts mit falsch machen (außer wenn man älter als 23 ist und einem schwarz nicht gut steht), ist aber auch nicht mehr wirklich aufregend. Mal sehen, ob bei den Schnitten einer dabei ist… Na gut, Kleid 110 in Kurzgröße ist nicht schlecht. Bluse 121 erkennt man auf der technischen Zeichnung kaum wieder, auf der ist nämlich nicht zu erkennen, daß das Teil bis kurz über dem Nabel verschlusslos ist… Dann ein Blazer, ein Etuikleid… halt, der Blazer hat eine Besonderheit, Jersey und Batist werden als eine Stofflage verarbeitet. Das kann einen interessanten Effekt geben, aber Strukturen sind meist auf Photos nicht so gut zu erkennen. Nur eine nicht gut passende Armkugel. Fazit: schwarz halt.

Dann Sommerkosmetik. Sonnenmilch? Ach nein, Produkte, die Frische versprechen. Was auch immer das bedeuten soll, aber wohl mal ein neues Kosmetikthema. Ach nein, doch nicht. Nur das übliche, anders verpackt.

Die anschließende Modestrecke steht unter dem Motto „Zeit für Gefühle“ und soll nostalgisch sein. Zugegeben, der Kurzkimono aus Spitze sieht recht attraktiv aus. Kleid 126 in Kurzgröße hingegen wie eine fehgepackter Bonbon. Ein als „leicht“ markiertes Modell, daß Jersey und Kreppsatin kombiniert. Also wirklich einfach zu nähen. Auf der nächstenSeite kann man sich dann aussuchen, o sich das „leicht“ auf die Marlenehose in Langgröße bezieht (kommt auch in regelmäßigen Abständen wieder, oder?) oder auf das mit Rüschen übersähte Shirt. Das überlegte Rüschendesign ist zu bewundern, man muß sich sicher viel Mühe geben, um die Anmutung eines Babylätzchens aus dem 18 Jahrhundert hinzubekommen. Warum man das als erwachsene Frau haben wollen sollte erschließt sich mir jedoch gerade nicht.

Bluse BurdastyleOb Bluse 113B mit den unversäuberten Kanten aus Chiffon lange gut aussieht wage ich zu bezweifeln, aber die Designidee, die Kombination von Satin und Chiffon und die sehr lässige Schleife auf der Schulter gefällt mir gut.

Bei Kleid 130 sieht die technische Zeichnung noch ganz nett aus, aber aus grüner Spitze genäht wirkt es selbst am Model einfach nur alt. Nicht romatisch oder vintage, einfach nur… alt. Ich will aber nicht ausschließen, daß es am Stoff liegt.  Dann ein Hosenanzug mit Marlenehose und doppelreihiger Jacke. Tausenmal gesehen, aber vielleicht noch nicht in Langgröße. Sondergrößen müssen ja generell dankbar sein für das was sie finden. Dazwischen schiebt sich dann ein Kropfband aus Spitze als „kreativ accessoire“ *gähn*. Und Kleid 123 sieh auf der Zeichnung noch ganz gut aus, genäht hingegen… hautfarben und transparent hat ein wenig den Nachteil, daß man die Spitze dann ar nicht mehr sieht und was dann von Design übrig bleibt ist fad. Dann gibt es noch eine Spitzenclutch zum Basteln und ein Sackkleid aus Leinen. Komplett formlos. Danke.

Die „kreativ accessoires“ ziehen sich dann noch etwas weiter. War wohl noch Spitze da. Mit Perlen als Haarband, als Träger… ganz nett vielleicht noch die Idee der „zerknitterten“ Spitze. (Erst in Zuckerwasser legen und dann mit Klarlack übersprühen.)

Das „Best of Styling“ befasst sich diesen Monat mit dem Spitzenkimono. Okay, ich gebe zu, der paßt sich wirklich vielen Stilen an. Warum das jetzt krampfhaft mit verschiedenen Städten überschrieben wird, die der Stil angeblich wiedergeben soll? Naja… anders kann die Redaktion wohl nicht.

„The Tourist“ ist das Thema der nächsten Modestrecke. Irgendwie fürchte ich, das werden noch mehr langweilige Säcke bei den Schnitten… (Ich weiß, daß man auf Reisen praktische Sachen haben will, aber sie können doch trotzdem nett sein, oder?) Die Shirts… oh ja… viel Sack. Die Hose 102A mit dem hohen Jerseybund ist vielleicht nich mal so schlecht, wenn man die Figur dafür hat. Aber wirklcih aufregend… nein. Minikleid, Wickelshirt, Rock… gut, die sind wenigstens figurbetont. mein Begeisterungsfaktor hält sich dennoch in Grenzen. Ah, man darf wenigstens einen Blazer mitnehmen auf die Reise. Das ist in der Tat ein guter Tip, denn damit sieht man auch zu simplen Sachen gleich „angezogener“ aus, wenn man mal nett essen gehen will oder so. Kleid 118 ist fleißig drapiert, sieht aber leider nicht aus. Shirt, Mini-Overall… ne, da kann mich grade ausgesprochen nichts begeistern.

Die Accessoires dazu auch nicht, keine Überraschung.

In der „Nähschule“ wird dann die Hose mit dem Jerseybund erklärt, inklusive der Hüftpassentaschen. Batist mit Bündchenware und viele Zeichnungen, damit kann man tatsächlich mal was anfangen, als weniger erfahrene(r) Näher(in).

Die Buchwerbung ist diesmal für Nähen mit Caht Kidston. Äh… ich meine das.. äh… naja, Patchwork ist es nicht, Home-Dec auch nicht… also.. äh.. das Scheißerl-Projekt des Monats? (Für alle nicht Bayern und Franken: Ein „Scheißerl“ ist nicht unbedingt negativ, es ist nur was, was man nicht unbedingt braucht und sonst nicht weiter spezifiziert.) Also in dem Fall ist es eine Einkaufstasche, die man auf doppelte Länge aufklappen kann. Das ist nicht mal völlig nutzlos und das Buch aus dem die Anleitung ist habe ich glaube ich auch schon mal verschenkt. Es ist also nicht schlecht, wenn man eben diesen Stil mag und für „Kram“ Anleitungen braucht. (Und die Idee, einzelne Anleitungen aus Bücher abzudrucken ist bei Lichte betrachtet auch nicht schlecht, denn das hilft sicher bei der Kaufentscheidung für oder gegen ein Buch.)

Dann aber zur Kinderkleidung, diesmal sind nur Mädchen vertreten und diese dürfen sich in niedlicher Kleidung als Prinzessin fühlen (Gr. 92 – 134). Der Trend zu nostalgischer Anmutung scheint zu bleiben. Andererseits… feine Blümchenstoffe und etwas Spitze, dazu weite, kindgerechte Schnitte… was soll auch anderes dabei rauskommen?

Zur Party passen dann auch die „kreativ-accessoires“, nämlich Leckereien (von Macaron bis Cupcake) ohne Kalorien. Aus Filz, aus Fimo oder aufgemalt… also die Kerzenständerkuchen für die Kinderparty sind ja noch niedliche, aber bevor ich Cupcakes häkle würde ich sie doch lieber backen… und etwas weniger rosa…

Die Webshopverweise werden wieder überblättert…

Schultüten basteln. Gut gar nicht mein Thema, aber wer’s braucht… Wobei die Anleitung so reduziert ist, daß man einiges an Bastelerfahrung braucht (wie man das Ding etwa stabil zusammenklebt wird nicht verraten) und wer die Erfahrung hat, der braucht das bißchen an Anleitung wohl auch nicht mehr… Bleiben die Designideen und zwei gefüllte Seiten…

Dann dürfen wir für Kinder nähen… oder so. Oder eine Nähmaschine gewinnen. Oder so. Oder für die Bambi Stiftung (die auch irgendwie zum Burda Konzern gehört oder so) Werbung machen. Oder so.

Bei der „Leserreise“ kann man sich noch weniger entscheiden, denn da steht gleichzeitig „Anzeige“ drüber. Ich vermute also, daß Burda nicht selber der Veranstalter ist, aber seinen Namen dafür hergibt. (Oder sich dafür zahlen lässt… wer weiß das schon so genau?) Reizen würde mich das allerdings schon, zumal die Gegend dort sehr nett ist. 🙂

Kleid BurdastyleAh, endlich die Plusmode. Auf den ersten Blick gleich mehrere positive Überraschungen nach diesem Heft:

Keine formlosen Säcke, sondern Teilungsnähte und Abnäher.

Das Model ist als „plus“ zu identifizieren.

Und Kleid 134 gefällt mir sehr gut. (Da ich schon Stoff für mein benötigtes Hochzeitsgastkleid im August gekauft habe werde ich meine Pläne nicht mehr ändern, aber das wäre auch ein Kandidat gewesen.) Die Anleitung sieht jedoch keinerlei Stäbchen oder Rigilene vor. Bei nur einem Träger sollte man da vielleicht noch mal drüber reflektieren…

Auch Kleid 135 gefällt mir, wobei ich, wenn ich technische Zeichnung und Photo vergleiche, nicht so ganz sicher bin, ob das wirklich wie auf dem Photo aussieht, sobald man sich bewegt. (Und wie fast immer wenn Satin und Co verwendet werden frage ich mich, ob Burda die eigenen Workshops zum Thema „Nahtkräusel“ und „durchdrückende Nahtzugaben“ berücksichtigt. Wobei… diesmal muß man schon genau hingucken, das war schon mal deutlich schlimmer. Etwas lässiger ist dann das Kimonokleid 136. Beim Neckholder 133 erkennt man die technische Zeichnung dann auf dem Photo kaum wieder. Wo sind denn die Drapierungen geblieben? Klamotten zu klein fürs Model oder falsch ausgeleuchtet? Kleid 132 wirbt mit einer Formbüste. Nur sieht die so aus, als würde sie dem Model nicht passen. Dann ist es auch nicht schön. (Ja liebe Burda-Macher, es gibt Körbchengrößen jenseits von B…). Aber so ein Kleid muß man eh sehr genau anpassen, von daher kann man diesen Schnitt auch als Ausgangspunkt nehmen. (Und bitte… geht doch ohne Nahtkräusel und durchdrückende Zugaben! Sieht auch gleich viel besser aus!)

Kleid BurdastyleSehr gut gefällt mir auch die 138 mit den Taillenfältchen. Aus Baumwolle wäre das doch auch ein schönes Sommerkleid.  Fazit: An der Plus-Strecke kann ich diesmal nicht viel motzen. Schöne Schnitte, unterschiedliche Formen, so daß auch für jede Figur was dabei ist und ein Model das der Realität doch schon deutlich näher kommt als was ich so gewohnt bin. Und mindestens zwei von den Kleidern würde ich jederzeit nähen, wenn ich die Zeit hätte. Also weiter so!

Die „news“ aus der Kreativen Welt… also die Sache mit dem 3D Shibori gefällt mir, aber kann es sein, daß diese Seite auch immer mehr eine Verkaufsveranstaltung wird?

Was bringt die Home-Deko? Aha, blau weiß. Auch so ein Sommerklassiker. Auch sonst, nichts Neues und nichts was ich haben müßte…

Der Atelierbesuch beschränkt sich diesmal auf Frankreich und befasst sich mit Pappmachee. Wobei die Werke schon irgendwie witzig sind, ich aber letztlich nicht wüßte, was ich damit machen sollte…

Und dann sind wir auch schon wieder durch. Der gebatikte Damast als Stoff des Monats ist auch noch mal reizvoll.

Aber so als Fazit: Selten ein so langweiliges Heft gesehen. Nur die Plus-Mode entschädigt ein wenig für den Rest.

Ein Gedanke zu „Revue de Presse: Burdastyle Juli 2011

  1. Aah, ich muss sagen – nachdem ich die Hälfte deines Eintrages gelesen habe, Marion, in diesem Heft war gar nichts drin, das mir gefiel. (da war ja das vorherige noch besser) Aber ich nähe auch keine Kleidung, ich schau sie mir nur an.
    Einen Tupenrock habe ich vor vielen Jahren einmal probiert. Er sah an mir, selbst in Größe 42, die ich schon lange nicht mehr trage, nicht smart aus. 😉

    Liebe Grüße!

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