Revue de Presse: Threads June/July 2012 (161)

Und schon wieder ein Heft im Briefkasten… Ich sollte mir echt mal aufschreiben, wann die kommen und rauszufinden, ob die Verteilung über das Jahr tatsächlich so ungleichmäßig ist oder ob das nur mein Gefühl ist… Diesmal scheinen jedenfalls Streifen eines der Themen zu sein. Wobei das mit dem „Wie man seine Schneiderpuppe für verschiedene Figuren verwenden kann“ noch interessanter klingt.

Die Autoren der Ausgabe stellen sich diesmal der Frage, was ihre Stoffwahl beim Einkauf beeinflusst. Da ich versuche, nur noch projektbezogen zu kaufen ist es natürlich klar: Was zum Projekt paßt. Aber wie man an den Einkäufen aus Indien sieht ist das auch ein Vorsatz… spezielle Sachen, die ich nicht an jeder Ecke bekomme, die nehme ich dann auch schon mal so mit. Aber auch da muß ich mir spontan eine Verwendung vorstellen können bzw. es muß so in mein Farbspektrum passen.

Das Editorial stimmt nicht nur auf Streifen und feine Stoffe als Thema ein, sondern diesmal stehen Brautkleider im Fokus der Ausgabe an verschiedenen Stellen. Das ist für Threads tatsächlich neu.

Dann die Leserbriefe, nichts neues. Auch nicht in der Werbung für die eigene Webseite. Denn die Aufforderung, doch ein „Insider“ zu werden, der gegen Bezahlung Zugang zu besonderen Inhalten bekommt, die kam schon per Mail an alle Newsletter-Empfänger. Fragt sich, ob der schon vorhandene Inhalt dann nur noch gegen Bezahlung zugänglich wird, oder ob das für neue Inhalte gilt. Wobei ich da keine so große Sehnsucht habe, ich habe ja schon das Heft, ich muß das nicht noch mal online abrufen können.

Die diversene „Nähzutaten“ sind diesmal nicht wahnsinnig spannend. Angefangen dabei, daß die vorgestellten Maschinen nicht unbedingt in Deutschland erhältlich sind oder nicht neu. Und ein spezielles Produkt zum Vorwaschen von Stoffen habe ich auch noch nicht vermißt. Die Buchvorstellung hat da schon eher Chancen… aber bei dem Preis möchte ich es doch lieber vor Ort sehen können und nicht nur zwei Bilder als Vorschau.

Der „best tip“ ist diesmal interessant, abgesehen davon, daß es das verwendete Produkt hier nicht gibt und ich mir ehrlich gesagt auch nicht sicher bin, ob das bei längeren Säumen auch funktioniert, oder ob man da mehr damit beschäftigt ist, das Hilfskonstrukt zusammen zu halten. (Wobei… bei waschbaren Stoffen könnte man das mit wasserlöslichem Vlies vielleicht ähnlich machen…?)

Das Spielkind in mir will beim nächsten Artikel sofort Leder kaufen, um es kaputt zu machen… Das ist spannend, wie man Muster und Struktur reinkratzen, schleifen oder ätzen kann. Braucht aber auch viel Mut, denn reversibel sind die Prozesse natürlich nicht. Und Leder meistens nicht so ganz billig.

Im Interview ist diesmal Kay Unger. Die kenne ich ja nur daher, saß es Schnitte mit ihren Designs bei Vogue gibt. Da sind sie mir aber schon oft positiv aufgefallen, weil es meist Varianten des Etuikleids sind. Und auf die stehe ich ja bekanntermaßen. Und kann der Designerin hier nicht wiedersprechen, wenn sie sagt, daß ein Etuikleid (zumindest fast) allen Körperformen schmeichelt.

Das „How did they sew that?“ zeigt diesmal ein eher technisches Detail. Eine Art „Minikrinoline“ in einem leichten Tüllrock. Eine Idee, die aber eher für ein Kostüm oder eventuell auch ein Brautkleid oder eine auffälige Abendrobe geeignet ist. Für den Alltag wohl eher nicht so.

Wie im Editorial angekündigt geht es bei „pattern review“ um Brautkleider. Das Thema interessiert mich nun nicht wirklich, aber das Vogue Modell ginge sicher auch als Abendkleid. (Und daß ein Brautkleid im Stil von „Schwester der Braut Pippa Middleton“ dabei ist versteht sich natürlich von selbst…)

Ausführlich geht es mit dem Titelthema „Streifen“ weiter. Eine kleine Musterkunde (symmetrisch, nicht symmetrisch und versteckte Streifen) leitet ein und danach gibt es einige gut illustrierte Beispiele, wie man mit Streifen im Design spielen kann. Auch Techniken, wie man sie exakt vernäht fehlen nicht. Bis hinzu einem sehr auffälligen all over Design aus Streifenstoff. Besonders letzteres ist natürlich Geschmackssache und gute Designs mit Streifen sind nicht ohne Einsatz von Gehirnschmalz und etwas Mühe beim Nähen zu haben, aber wer sich ranwagen will bekommt hier das Handwerkszeug.

Wie man aus geraden Stoffstreifen zu einem schräg geschnittenen Rock kommt verrät der nächste Artikel. Irgendwo in meinem Hinterhirn beginnt da was zu dämmern, die Idee ist vermutlich nicht neu, wer aber gerne Mustermix mag findet hier eine Anleitung für eine sehr smarte und gleichzeitig einfach anzufertigende Variante.

Ziel der „Nähreise“ des Monats ist London. Eine sechsseitige bebilderte Adressensammlung… da fährt man wohl besser mit leerem Koffer und dicker Geldbörse…

Jetzt wird es wirklich spannend… wie kann man eine Schneiderpuppe für verschiedene Figuren verwenden? Kenneth D. King verrät es. Man erarbeite sich eine gepolsterte Hülle mit Reißveschluß. Es sieht nach wirklich einer Menge Arbeit aus und man braucht sowohl eine willigen und halbwegs kundigen Helfer als auch ein gutes Gefühl für Proportionen beim aufpolstern… aber damit sollte man doch auch einen günstigen Schaufenstertorso aufpolstern können, oder? Und das wäre dann zumindest finanziell die Mühe wert. Die Anleitung ist jedenfalls wie üblich bei Threads gut bebildert und anschaulich. Dem Nacharbeiten steht nichts im Wege. (Für mich nur Schade, daß sein „Beispielmodel“ keine breiten Hüften hat, da hätte mich interessiert, wie man die sinnvoll aufpolstert. Schulterpolster wie bei den Brüsten geht ja eher nicht.

Genauso detailiert aber für mich weniger neu ist die Anleitung, wie man einen Ärmelschlitz mit Beleg näht. Was mir hier gut gefällt ist, daß sowohl helle Stofe genommen wurden also auch unterschiedliche Muster für Ärmel und Beleg, so daß man immer gut erkennen kann, was gerade bearbeitet wird.

Auch interessant ist der Artikel zu den verschiedenen Bändern die man zur Naht- oder Saumstabilisierung verwenden kann. Da wünsche ich mir allerdings dann oft wieder beiliegende Griffproben, damit man besser gucken kann, was es auf dem deutschen Markt vergleichbares gibt. Die Nähgewohnheiten sind ja in verschiedenen Ländern unterschiedlich, deswegen sind unterschiedliche Produkte erhältlich. Und unterschiedliche Firmen sowieso.

Sehr interessant ist natürlich der Artikel über das Nähen von sehr feinen Stoffen. Eine Lage Nessel auf den Zuschneidetisch zu legen klingt auf alle Fälle interessant. Wenn ich mal so weit bin, daß ich einen Zuschneidetisch habe… Was ich nach wie vor nicht erklären kann ist der Unterschied zwischen den Stoffarten „Batiste“ und „Lawn“. Batist kenne ich natürlich, aber was der Unterschied zu „lawn“ ist wird nicht klar und ich frage mich, ob es da ein deutsches Wort gibt?

Auch der nächste Artikel liegt auf meiner Linie, es geht nämlich ums Stopfen. Gut die Vorüberlegungen dazu, ob es sich rentiert und auch die Vorschläge für verschiedene durchaus typische Fälle sind gut. Es ist sogar was dabei, was ich noch nicht ausprobiert habe…

Dreidimensional wird es bei den „embroidery essentials“. Auch das ist eigentlich was, das man auch ohne Stickmaschine machen kann, nur etwas aufwändiger. Oder wenn man Kunstfaser nimmt und die Formen gleich mit Hitze schneidet und dabei versiegelt, dann vielleicht sogar weniger aufwendig…

Unter „A Stitch in Time“  gibt es wieder ein buntes Themensammelsurium. Einen Schnitt von 1912 test zu nähen würde mich ja zweifeilsohne reizen. Aber nach einem Blick auf meinen Terminkalender der nächsten Wochen siegt der Realitätssinn. (Damit das Thema Hochzeit nicht zu kurz kommt gibt es eine Erklärung zu den unterschiedlichen Begriffen für die Länge der Schleppe und wie sich die jeweils definieren. Gibt es da im deutschen auch so klare Begrife dafür?)

Vermutlich passend zum Thema „Hochzeit“ zeigt der Blick in den Kleiderschrank der Leserinnen eher festliche Modelle. Diesmal nett, aber auch recht „amerikanisch“. Nicht so meines.

Bei den Fragen an die Experten gibt es diesmal eine Technik, wie man in gebogene Nähte bei feinen Stoffen eine Kappnaht näht. Die will ich auf alle Fälle mal ausprobieren. Ich hoffe, ich merke es mir, bis ich es wieder brauche…

Dann nähern wir uns auch schon stark dem Ende… eine recht rührende „Mutter der Braut“ Geschichte und noch das 1920er Brautkleid in der Nahaufnahme. Ich würde das nicht tragen wollen, aber interessant ist das Design schon!

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