Revue de Presse: sewstylish, spring 2009

Als ich diese Ausgabe in der Mayerschen am Neumarkt entdecke konnte ich trotz des heftigen deutschen Preises (8,90 EUR) nicht widerstehen.

Einfache Frühjahrsmode wird versprochen und neu verschiedene Stile aus einem Schnitt. Dazu noch einige Anleitungen zu Basistechniken. Das Editorial bläst (wenig überraschend) in das gleiche Horn. Na gucken wir mal…

Die Autoren der Ausgabe kenne ich zum größten Teil nicht, nur „Crafty Chica“ Kathy Cano-Murillo ist mir ein Begriff. Zu der kurzen Vorstellung dürfen sich die Autoren zu der Frage äußern, welche Türen ihnen Nähen geöffnet hat.

Die Vorstellung von Nähzubehör nennt sie hier „cool tools“. Das Nadelkissen im Baumstumpf-Look ist zwar eine nette Idee, aber wie ich finde nicht sonderlich schön ausgeführt. Und das Wechseln der Rollschneiderklingen fand ich bislang nicht so mühsam und beschwerlich, daß ich da dringend Bedürfnis nach einer Vereinfachung gehabt hätte. Zumal man eh nur selten eine neue Klinge braucht.

Weiter geht es mit einer als Interview verkleideten Werbung für Stoffdesignerin Anna Maria Horner und ihr Buch. (Wobei sie zugegebenermaßen schöne bunte Drucke entwirft.)

Die Crafty Chica zeigt dann, wie man mit wenigen Schnitten und Nähten aus einem alen Herrenhemd ein Sonnentop macht. Nicht so mein Thema, aber ein prima Einstiegsprojekt für „Neunäherinnen“. Zumal die Kosten sich auch sehr in Grenzen halten.

Bilderreich geht es weiter, Metallic-Stoffe stehen im Focus und Modelle verschiedener Designer werden gezeigt. Als Anregung, denn es geht um die Frühjahrskollektionen.

So, endlich Technik, erst mal Ziersteppereien. Von Hand, mit der Maschine, Effekte durch veschiedene Fäden. Schön gezeigt und viel Anregung für Anfänger. Nur das Stichbild bei den Maschinennähten ist so gruselig, daß das für mich ein Grund wäre, keine Ziersteppungen zu machen, sondern schleunigst bei meinem Mechaniker vorbei zu gucken und die Maschine neu einstellen zu lassen. Danach geht es mit Grundwissen über Einlagen weiter. Im Gegensatz zu deutschen Anleitungen, bei denen Vlieseline mit den praktischen Nummern als Standard angegeben wird, kennen amerikanische Anleitungen und Geschäfte mehr Vielfalt. Das Grundwissen hilft aber auch in Deutschland weiter, wenn man mal einen anderen Stoff hat und daher auch die Anleitung selber wählen muß. Es wird jedenfalls alles schön erklärt.

Das vorgestellte Nähzubehör geht dann teilweise schon über das hinaus, was selbst manche erfahrene Näherin nicht zur Verfügung hat. Also sind die Tips definitiv hilfreich.

Ausführlich und wieder mit vielen Bildern wendet sich der nächste Artikel dem Reißverschluss zu. Vier verschiedene Arten werden vorgestellt, dabei dient für den sichtbar außen aufgenähten Reißverschluss wieder ein Couture-Modell als Vorbild. Wer sich genügend Ausgaben von diesem Heft kauft, braucht bald kein Nähbuch mehr…

Auch der nächste Artikel zeigt, daß die Zeitschrift sich eher an Anfänger richtet. Es geht um die Informationen, die man einer Schnittmustertüte entnehmen kann. Auch wie man mit den Anleitungen und dem Papierschnitt selber umgeht und welche Information sich hinter den manchmal kryptischen Abkürzungen verbergen wird erläutert. Als Vorbild dient ein Simplicity-Schnitt, der auch Grundlage der verschiedenen Schnittveränderungen sein wird. Mit diesem Schnitt (Kleid, Tunika, Hose, Jacke) und dem Heft kann man sich tatsächlich eine komplette abwechslungsreiche Frühjahrsgarderobe nähen. Eigentlich ein gutes und finanzfreundliches Konzept, ich kaufe pro Quartal einen Schnitt und eine Zeitschrift und bin komplett versorgt.

Am Kleidschnitt wird dann gleich mal erklärt, wie man das Brustteil an eine große oder kleine Brust anpaßt. Wichtiges Grundlagenwissen, wenn ihr mich fragt. Und besser als die Burda-Taktik, Anfängerschnitte einfach ohne Paßform zu gestalten… Die ausführlich erklärten Methoden sind vielleicht nicht die perfekte Konstruktion, aber sie sind gut durchzuführen und dürften in den meisten Fällen auch zum Erfolg führen.

Hintergrundwissen kommt auch nicht zu kurz, nämlich wie bei Simplicity so ein Schnitt ensteht, sozusagen von der Zeichnung zur fertigen Schnittüte. Das dürfte bei anderen Schnittherstellern aber genauso ablaufen.

Jetzt wendet sich das Heft dem Hosenschnitt aus oben genanntem Schnitt zu. drei verschiedene Shorts-Varianten werden daraus, ganz kurz mit Aufschlag, knielang gepludet und mit breiterem Taillenbund und Gürtel. Inspieriert auch hier wieder von Laufstegmodellen. Danach kann man das alles selber aus einer Grundform konstruieren.

Die Tunika wird dann einer Designveränderung unterzogen, dabei wird dann gleich erklärt, wie man Spitzenborten aufnähen. Das Konzept gefällt mir einfach, statt Anfängern zu sagen „das kannst du noch nicht, das ist schwer“, wird einfach erklärt, wie das geht. Gleiches gilt für das Einnähen eines eingehaltenen Ärmels, auch hier keine Hexerei, sondern drei verschiedene Techniken. (Und die, den Ärmel von Hand von außen einzunähen ist bei kniffligen Stoffen oder auch, wenn man erst nach Beschneiden der Nahtzugabe erst merkt, daß man die Ärmel verkehrt herum eingenäht hatte wahrlich nicht die schlechteste.)

Sein Material in Schuß halten ist auch ein wichtiges Thema, Warten und Ersetzen, je nach dem. Von der Bügeleisensohle bis zur Maschinennadel. Kann man eigentlich nicht oft genug sagen.

Unter „Tricks of the Trade“ geht es um Nahtzugaben. Und zwar um die Nahtzugaben, die (laut der Zeitschrift) in der Industrie verwendet werden: Unterschiedliche breite an verschiedenen Stellen. Als im Prinzip das, was jahrzehntelang in jedem Burdaheft stand. (Und was ich persönlich weniger praktisch finde, als die gleichbreite Nahtzugabe der amerikanischen Schnitthersteller. Aber wie da so ist… was man noch nicht kennt ist neu und toll. Beides ausprobieren und für sich entscheiden ist immer die beste Technik.)

Mit typischen Aufgaben für den Änderungsschneider geht es weiter, selber machen statt machen lassen ist das Motto. Hosen säumen, Jeans kürzen, Knopf annähen, Seitennähte anpassen sowie kleine Risse flicken. Basiswissen für jeden Haushalt sollte man meinen. Und viel Geld zu sparen, wenn man das selber machen kann.

Anspruchsvoller geht es in den „Designer Secrets“ zu. Ein Stoffgeschäft in Manhatten nutzt mir nicht so viel und wenn ich mir die Blder so ansehe, dann wäre das für meinen Geldbeutel wohl eh nicht gut. Anschließend wendet sich das Heft dem Thema Designerstücke zu. Aus dem Jackenschnitt des schon vorher verwendeten Simplicity Schnitts wird einmal eine… äh… Fransengardine? Nun gut, das mag Trendy sein, aber ich muß es nicht haben. Die lässige rosanen Variante ist schon besser und auch aus Crincle-Stoff mit großem Kragen sagt es mir zu. Der Schnitt wird für jedes Modell deutlich verändert, aber so erklärt, daß es auch ein Anfänger vornehmen kann. Schnittveränderung ist ja keine Hexerei und so gibt es drei wirklich komplett unterschiedliche Jacken aus einem Schnitt.

Nach den Schnitten geht es an die Stoffe, Stoffmuster kombinieren, auch hier wieder inspiriert von Laufstegmodellen. Erklärt werden ein paar allgemeine Regeln, die auch für mich noch ein paar Anhaltspunkte enthält. verschiedene Muster kombinieren ist nämlich nicht so meine Sache, deswegen bin ich da auch immer sehr zögerlich. Aber manchmal wäre es ja doch gut zu wissen wie es geht. Falls ich doch mal will…

Das nächste kreative Detail um das es geht sind Taschen. Auch hier wieder ganz verschiedne Möglichkeiten und gerade die aufgesetzten Taschen kann man ja eigentlich an jedes Kleidungsstück anbasteln und eben aus einem Schnitt ganz viele auch verschieden aussehende Kleidungsstücke basteln.

Wer nicht neu nähen will, der nimmt den nächsten Artikel (auch hier wieder sehr ausführlich mit vielen Bildern erklärt), eine Männerweste wird zum Miedergürtel (natürlich wieder mit Laufsteginspiration…)

Und zum Abschluss wird es noch mal anspruchsvoll: Nähte in transparenten Stoffen. Alles kein Zauberwerk wenn man weiß wie.

Ich finde auch dieses Heft wieder absolut gelungen, gerade für Anfänger oder alle, die sich bislang an angeblich „schwierige“ Sachen nicht herangewagt haben. Ich denke, ich werde es nicht behalten, für mich war nicht so viel neues drin, aber mein Bruder sollte damit Unterstützung finden…

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