Revue de Presse: Burdastyle Dezember 2009

Noch mal ein leuchtendes Heft… diesmal in petrol, eher ungewohnt für die Weihnachtsausgabe, aber mit silber und in kalten Tönen ein schöner Kontrast zur „warmen“ Novemberausgabe. (Der Titelmantel mit den puscheligen Armabschlüssen erinnert dann auch gleich an das Plus-Modell aus dem letzten Heft.)

Im Editorial wünscht sich Frau Bily eine ruhige Vorweihnachtszeit ohne Hektik und sie möchte alle Geschenke selber machen…. Dabei wissen wir doch alle, daß man entweder das eine oder das andere haben kann. *gg* (Es sei denn, sie hat im August als das Heft produziert wurde auch schon mal mit den Geschenken angefangen.)

Der erste „kreativ-trend“ ist schon mal warm, ein Halswärmer. Gut, ein etwas weiterer Halswärmer der von Burda jetzt „Loop-Schal“ getauft wird, aber es bleibt ein Halswärmer. Statt aus Fake Fur (der wenig dehnbar ist) würde ich ihn allerdings lieber stricken. Dann kann er auch den Hals warm halten, aus steifem Stoff steht er eher ab.

Um so kratziger ist der zweite Trend mit Pailetten. Hier gibt es statt einer Bildanleitung für die Modelle allgemeine Verarbeitungstips. Gut gefallen mir die etwas rockigen Verzierungen aus Reißverschlüssen. Das Collier aus Messing-Reißverschlussbändern dürfte allerdings relativ schwer sein und nicht optimal für Allergiker geeignet. Aber trotzdem… auch die Rosetten aus Reißverschlussbändern… echte Hingucker!

Der nächste Teil nennt sich zwar „leichter nähen“, aber was nicht vorkommt sind Nadel und Faden. Die braucht man auch nicht, um farbenfrohe Lederanhänger zu basteln. Zum Glück habe ich keine Ahnung, was ich mit solchen Anhängern tun sollte, denn ich habe auch keine Sammlung von Lederresten in ungefähr 30 verschiedenen Farben…

„Champagnerlaune“ soll die Mode vermitteln. Dazu gehört der Mantel vom Titel. Zumindest ein Hingucker, ob er mir gefällt weiß ich nicht so genau. Eine enge Lederhose in schwarz… *gähn* auch die nächste Seite zeigt viel Schwarz, vermutlich ist es „in“, aber genauso sicher auch langweiliger Einheitsbrei.

Jacke BurdaWobei Jacke 107, die mit ihren perlenbesetzten Epauletten an einen Matador erinnert, durchaus reizvoll aussieht. Zumindest in der technischen Zeichnung. Ob das in Kombination mit den Schalkragen getragen auch gut aussieht muß dann jeder selber herausfinden. Nach dem Nähen. Denn das Bild verrät einem vorher rein gar nichts davon. (Und die Abbildung auf der Puppe auf der Webseite hilft auch nicht sehr weiter, schwarze Details auf schwarz sind da einfach suboptimal.) Der Rock mit Gummizug dazu hingegen… ist doch irgendwie schade drum. Die Jacke hätte sorgfältigere Kombination verdient.

Wer Größe 34 trägt darf dann in einem formlosen nichts aus Seidenchiffon feiern, das obendrein eine Schulter frei läßt. Andererseits… möglichst wenig Nähte sind bei Chiffon natürlich auch ein Argument und der Chiffon fällt wenigstens schön. Bluse 108 hat Tellerärmeln. Wie man das macht war übrigens in der letzten Threads drin, für alle die keine Langgröße haben.

Und ein Bild weiter ist das gleiche Modell auf Kurzgröße geschrumpft, es ist immer wieder erstaunlich, was Burda so hinbekommt. Das Kleid dazu könnte nett sein. Zumindest der Schemazeichnung nach, denn was das wilde Muster auf dem Bild nicht schluckt verdecken die Haare.

Ah, der formlose Chiffonsack darf auch in Seide noch mal ran. Ohne weitere Unterkleidung. Wie nennt man den Stil doch gleich? Ach ja. billig. Vor allem wenn gekräuselte Säume den Klamottendiscounter-Look vervollständigen.

„Edle Extras“ sind nicht nur in pink mit schwarz, sie werden auch aus Fimo gefertigt. Das ist jetzt ein Material mit dem ich noch nie gearbeitet habe, aber der Farberlauf sieht gut aus. Aber 20 mal neu ausrollen? Blätterteigtaktik… Was das labbrige Stoffkuvert soll weiß ich nicht, denn als Handtasche dürfte es bereits unter der Last eines Lippenstifts verbiegen. Der Schal mit den Perlenfransen sieht durchaus edel aus, aber ich frage mich, ob das Satinstöffchen unter der Last der Perlenfransen nicht einklappt? Vliesofix hin oder her.

Am Make-Up blättere ich aber trotz der ansprechenden Bilder vorbei, als Kontrast zur Partymode geht es „ganz entspannt“ mit gemütlicher Homewear weiter. Wickeljacke ist sicher bequem, aber nicht spannend. Die sanften Natur- und Beigetone auch nicht. Dafür hat der Text stellenweise Gruselfaktor „Im Stehen strickend verlieren Sie sicher nie den Faden… Vor allem wenn die weite, nach unten gerade zulaufende Hose so herrlich schlank macht.“ So was ausgesprochen sinnfreies und, mit Verlaub, bescheuertes muß man erst mal hinbekommen. Zum einen ist Stricken im Stehen keinesfalls einfacher als im Sitzen und zum anderen hat die Form der Hose nun ganz sicher keinen Einfluss auf das Strickgeschick. (Dabei wäre die Hose nicht mal so übel…) Die weche Lodenjacke und der Rock mit dem kleinen Wickeldetail sind dann wohl nur dadurch zum „Cocooning“ Thema passend, daß man sie vor einer EdelKüche photographiert. Zumindest trage ich Zuhause selten Clutches mit mir herum. So groß ist die Wohnung dann doch nicht… Ach so, man darf mit den Sachen doch nach draußen, etwa einem Walkmantel im… Bademantelschnitt. Äh, ja. Gut. Dann nehme ich doch lieber den Bademantel nach dem Mantelschnitt, oder?

Definitiv nach draußen führt das Thema „Trend-Tramp“. Zunächst fragen wir uns, was das zu bedeuten haben mag. Jemand der von Trend zu Trend trampt? Oder ein Tramp, der modisch gekleidet ist? Letzteres ist auch eher unwahrscheinlich, denn „tramp“ bedeutet Landstreicher und die sind und waren noch nie für besonders modische Kleidung bekannt. (Und in 10cm hohen Ankle-Boots würde ich das auch gar nicht versuchen wollen.) Bleibt also nur der Stabreim im Titel und der Sinn bleibt draußen und streift jetzt vermutlich verzweifelt durch die Lande.. Na gut, ich versuche meinen Sinn auf die Klamotten zu richten. Karohemd, Streifenshirt… Basisteile. Die Bikerjacke aus Gabardine. Das ist natürlich ein interessanter Stilbruch. Oder war es mal vor vielen Jahren als das jemand zum ersten Mal machte…. Bemerkenswert ist also nur die Kapuzenjacke 134, die ist nämlich für… Herren. Sollte Burda jetzt auch einen Männerschnitt pro Ausgabe bringen? Das wäre begrüßenswert. Ach, Blasebalgtaschen auf Hosen sind auch wieder in Mode? Na vielleicht schaffe ich es diesmal, mir so was zu nähen, praktisch wäre es manchmal.

Accessoires gibt es dann auch zu der Outdoormode, zum Kaufen. Passend zum Stil, aber nicht bemerkenswert.

Die Nähschule erklärt das Nähen einer Blasebalgtasche. Gute Idee, denn das ist nicht ganz so einfach und steht auch nicht in jedem Nähbuch drin.

Ein Weihnachtssonderteil, sehr schön! Ist ja auch das einzige Mal im Jahr, daß ich wenigstens ansatzweise was dekoriere. (Kurzes Vorblättern ergibt jedoch: Leider ohne Plätzchenrezepte… da habe ich früher gerne welche ausprobiert.) Der Papierstern sieht edel aus, aber ich fürchte nichts für meine ungeschickten Gnubbelfinger. Es geht dann eber erst mal mit Kleidung weiter. Einen Pailettenrock muß ich definitiv nicht haben. Abgesehen davon, daß ich sicher ständig damit hängen bliebe. Dafür gibt es eine Weste und Hose für Jungs! Gr. 146 – 170, lange nicht mehr gesehen. Die Hose ist ja klassisch schlicht, aber ob die meisten Teenies in einer ebenso klassischen grauen Weste unterm Baum sitzen wollen? Außerdem sieht sie einfach zu groß aus und das macht sie opahaft. *örks* schon wieder eine Schluppenbluse… sind wir nicht bald durch damit?

Kleid BurdaKleid 128 finde ich hingegen herrliche Retro. Die Plissepartien im Rock sieht man nur in der Schemazeichnung, aber die Form gefällt mir. Allerdings ist mir im Dezember etwas zu kalt für kurze Puffärmelchen und die Wohnung auf 32°C hochheizen ist im Zeichen des Umweltschutzes sicher auch nicht opportun.

Auch die Mädchen werden in Gr. 146-170 bedacht. Jacke 145 sieht zwar schick aus (und recht „erwachsen“, aber gleichzeitig wieder zu groß. Soll das so sein oder haben sie sich am Modell in der Größe verkalkuliert? So ist die Proportion jedenfalls nicht schön. Und wer den armen Pannesamt zu solchen Säcken vernäht… das soll ein Kleid sein? Nein, das hätte mein Herz als Knid nicht höher schlagen lassen. (Allerdings dürfte der Schnitt prima geeignet sein, wenn die zehnjährige mal selber was nähen will…) Für den jungen Herrn gibt es dann noch ein Sakko. Das sieht zum Ausgleich dafür zu kurz aus…

Da ich auf der Suche nach einem Schnitt für einen Wollmantel bin, erregt Mantel 126 natürlich meine Aufmerksamkeit. Schön, aber nicht interessant. Der Mädchenmantel gefällt mir, aber er ist halt auch recht brav und „retro“, ob der dann jungen Damen gefällt?

Die nächste Seite verschlägt mir dann beinahe die Sprache. Was soll das sein? Eine Mädchentunika aus einem Lampenschirm? (Meine Eltern hatten in den 70ern schon mal so was mit diesen hängenden Plättchen.) Ach nein, Maxipailletten sollen das sein. Nur noch getoppt von der Oversized Weste aus silbernen Pailletten über einem dunkelblauen Samtsack… äh… -kleid. „ultimatives Festgewand“ nur dann wenn die Eltern sicher stellen wollen, das jeder potentielle Verehrer der Tochter noch auf Jahre hinaus abgeschreckt wird.

Bolero BurdaUm so entzückender hingegen Bolero 127! Die Marabu-Boa dürfte „handaufnähpflichtig“ sein aber das Ergebnis ist ein echtes Coutureteil! (Und würde ganz sicher einer jungen Dame auch gut stehen, wenn es nicht ers in Größe 36 anfinge. Andererseits kann man die Technik ja auf jeden einfachen Jackenschnitt anwenden.)

Im Zeichen von Weihnachten stehen diesmal auch die Links, allgemeine Weihnachtsseiten, Basteln oder modische Geschenke zum Kaufen findet man. Willkürlich wie üblich und sicher mehr zufällig aus dem Netz gefischt als sorgfältiger Recherche nach „besten“ Seiten folgend. (Ich kenne nämlich einige Weihnachtsseiten und kann daher sagen, daß in diesem Punkt die Auswahl sicher nicht die interessantesten oder diejenigen mit der meisten Informationsfülle trifft.

Aber jetzt zu den Dekoideen. Kerzen ohne Unterteller direkt auf Holzstufen stellen freut schon mal die Feuerwehr. Ob die Liedtexte auf den Tellern wirklich eßfest sind? Ausstechformen vom Backen als Deko ist auch wahnsinnig phantasievoll. Das mache ich schon seit 2005 mit meinem Küchenfenster. Wobei ich keine Glitzerperlen dazu hänge. Das kann ich ja mal noch überlegen… Und der seit Jahren unvermeidliche Ökostil in der Geschenkverpackung (Geschenke in beliebig verzierte braune Kompostsäcke stecken) feiert auch sein jährliches Comeback. Silberfische am Baum… na danke. Und Kerzen auf wackelige Zapfen zu kleben sieht sicher stimmungsvoll aus, garantiert aber Wachsflecken auf der Unterlage und stellt ebenfall eine gute Brandgrundlage dar. Wenn ich mich selber entscheide, so was gefährliches zu tun ist das eine Sache, aber muß man das dann auch noch empfehlen?

Tips zum Verpacken des Christbumschmuckes übers Jahr. Die sind nicht dumm, teilweise machen wir das auch eh schon so. (Und zerbrechliches wie Kugeln und Christbaumspitzen kommt in der Regel in passend gepolsterten Kartons und ist am besten aufgehoben, wenn man es genau da wieder rein tut.

Öh.. die „Warenkunde“ befasst sich diesmal mit Kerzen. Äh ja. Kernkompetenzen einer Moderedaktion? Da gäbe es doch noch jede Menge Mode- und Nähthemen zu behandeln. (Und wirklich „kundig“ ist man nach der Seite auch nicht, außer daß man weiß, welche Firma welche Kerzen verkauft…)

Nichts mit Nähen zu tun hat diesmal auch die „Wie geht eigentlich…“ Technik, aber Vergolden paßt auf alle Fälle zu Weihnachten und ist auch den Rest des Jahres eine nützliche Technik.

Bei den „news“ frage ich mich hingegen, was die von der Seite mit den Internetlinks unterscheider. Naa gut, immerhin zwei Ausstellungshinweise und ein Buchtip. Aber der Rest sind letztlich auch nur kommentierte Links.

Beim „Starstyle“ steht diesmal mit Vivienne Westwood eine Modemacherin im Mittelpunkt. Das Kleid ist jetzt nichts für meine Figur und ob es so wirklich tragbar ist, ist bei Westwood ja immer sehr geschmackssache, aber jedenfalls leicht nachzumachen. Was es da noch im Download geben soll erschließt sich mir jedoch nicht, steht doch alles schon dabei?

Die Plus-Schnitte befassen sich diesmal mit dem kleinen Schwarzen. Modell 138 hat einen interessanten kragen. Nur wäre es toll zu sehen, wie der aus Stoff aussieht und nicht nur gezeichnet. Das verdeckt das Photo jedoch geschickt. Im gegensatz zu den gruselig kräuselnden Nähten und dem durchgedrückten Saum. (Es kann ja sein, daß man Elastik-Duchesse nicht besser verarbeiten kann, aber dann wäre gerade bei eleganter Garderobe doch allen damit gedient, wenn man diese für vernünftige Stoffe konstruiert. Und Modell 139…. ein Nachthemd, ein Nachthemd! Säckchen mit Taillendurchzug… ist das nicht der Gipfel der Eleganz? Und bei Kleid 136 würde ich auch zu gerne sehen, wie tief der Schalkragen jetzt wirklich fällt und wie tief der Ausschnitt drunter geht. Aber… wir wissen es alle… genau dieses Detail… zeigt das Photo natürlich nicht.

Thema im „aus 1 mach 4“ ist das Cape. Mit schönen Beispielbildern vergangener Jahrzehnte.

Und die vier Varianten gefallen mir diesmal tatsächlich. Die klassisch-elegante 131, wobei ich da natürlich schon durch das dunkle rot angezogen fühle.

Boulecape BurdaAber das Boulecape 132 ist ein echter Knaller! Ich glaube, ich muß meine Einstellung gegenüber Boule doch allmählich mal grundlegend revidieren. Nach dem Boule-Kleid im Sommer…

Nur bei dem Ski-Cape kann ich mir nicht virstelen, daß es auf der Piste wirklich praktisch ist, vielleicht och besser auf den Après-Ski beschränken?

Ah ja, der Atelierbesuch kommt auch noch, diesmal bei Designerinnen für Strickmode. Nett, aber auch nicht so, daß man ohne nicht leben könnte.

Ein Patchwork Projekt gibt es auch noch. Ein Zugluftstopper, diesmal gepatched. Das hübscheste auf dem Bild ist die Katze…

Und ganz am Ende noch mal den „Stoff des Monats“, diesmal prächtiger Dekostoff vom JAB Anstoetz. Ansprechend auf einem Pferd drapiert, ob das bedeutet, daß er für Abschwitzdecken besonders geeignet ist…?

Tja, dieses Heft lä0t mich mal wieder sehr gespalten zurück, einige wenige Modelle finde ich wunderbar, den Rest dann aber gleich schrecklich. Und nichts von dem was mir gefällt würde an mir gut aussehen. Vielleicht noch das Cape, aber da ist wieder bei Größe 44 Schluß…

3 Gedanken zu „Revue de Presse: Burdastyle Dezember 2009

  1. Ich habe in der Burda-Vorschau NICHTS gesehen, was mich bewegt hätte das Heft zu kaufen. Und den Artikel über Frau Westwood darf ich doch auch mal in Deinem Heft lesen, gell? Dann hab ich nichts verpasst. „Seen that, done that“ und der Rest uninteressant.

  2. PS: An einem Cape gefällt mir die Weite, das legere. Immer unpraktisch ist dem Umstand, dass man außen nichts machen kann, z.B. keine Tasche über die Schulter hängen (rutscht) und die Arme nicht heben kann ohne alles mit nach oben zu ziehen. Wenn dann ein Cape nach unten hin noch schmaler wird, ist es ein Showteil. Bin gespannt ob Du Dir das machst 😉

  3. Na wie immer komme ich vermutlich nicht dazu, aber ich besitze schon ein Cape. Leider hat es keinen vernünftigen Verschluss, so daß vorne der Wind reinpfeift, aber Tasche ist kein Problem. Die kann man drunter tragen. *g*
    (Und natürlich ist das ein Showteil, nicht für Einkaufen bei Aldi. 😉

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