Revue de Presse: Burdastyle Juli 2017

Titel Burdastyle(Diesen Monat komme ich ganz offensichtlich zu so was von nichts in Bezug auf Handarbeiten… aber da ich mir die August-Ausgabe auch erst in zehn Tagen oder so holen kann, kommt die Juli-Ausgabe jetzt doch noch.)

Die Farbgebung der Juliausgabe ergibt einen Flashback in die 80er oder so… so leuchtendes pink gab es jedenfalls damals auch. Plus etwas 50er Retro mit dem blau…. Mehr als die Farbe erkennt man vom Titelmodell dank Pose jedoch nicht.

Laut Editorial solle das Heft vor allem Sonne in den Kleiderschrank holen (wobei ich die Sonne IM Schrank jetzt nicht so praktisch fände… 😛 ). Das mit der „schnellen“ Nählust lässt für mich allerdings nicht Gutes ahnen. Irgendwie sprechen mich solche Modelle ja selten an – wobei es schon manchmal praktisch wäre, ich gebe es zu.

Der Trend des „zwei Stoffbahnenoberteils“ ist jetzt jedenfalls bei Burda auch angekommen. (Anderswo schon mehr als ausführlich als Kleid oder Overall verwurstet. Zwei Stoffbahen, die man unterschiedliche wickelt und knotet ergeben dann ein Oberteil. Bei Burda nähen wir zwei (rote) Stoffbahnen an ein schwarzes Bikinihöschen. Das ist zum Glück nicht so schwierig, denn bei der Anleitung kommen die kleinen Bilder an ihre Grenzen. Wer tatsächlich keine Ahnung hat, erkennt auch nicht viel. Und wie das fertig aussieht, zeigen sie uns sicherheitshalber auch nur als Zeichnung. Der zweite „trend“ ist dann ein auffällig bunter Träger für die Handtasche. Den Bildern nach wohl bevorzugt ein breiter träger, an einem winzigen Handtäschchen. Okay, nichts für mich, da würde wohl nicht mal mein Portemonnaie rein passen… Ansonsten wäre es eigentlich eine gar nicht so schlechte Idee.

„Surfer Girl“ führt dann als erste Modestrecke direkt an den Strand. Neckholderkleid mit Zipfelsaum vermutlich nett, aber das Model steht mal lieber halb hinter einer Theke. Das Das Modell in Langgröße eine Bomberjacke sein soll kann man vor allem dem Text und der Technischen Zeichnung entnehmen. Denn der in Falten gelegte Halsausschnitt legt das nicht nahe, der Rest verschwindet hinter einem Retro-Surfboard. Minikleid 101 hat angeblich eine „amerikanische Schulter“. Nun ja, ich würde sagen, es ist ein etwas höher gezogener Armausschnitt. Und One-Shoulder Top 112 glänzt mit einem schönen Stoffmuster. Sonst erkennt man ja nicht viel. Vom unbedeckten Arm des Models ist irgendwie mehr zu sehen, als vom Modell. Ein Baumwollrock mit Falten… ebeso innovativ wie die Shorts 103. Ja, vermutlich braucht man das jede Saison wieder für den Urlaub… trotzdem etwas langweilig. Und Häkeltop 132 macht es nicht besser. Auf ravelry schon deutlich schöneres nach diesem Prinzip gesehen. Kurzer Overall mit Rüschen an den Beinen… ne, nicht mal ins Bett. Und für Kurzgröße, wie passend, ein kurzes Top. Wie das sitzt bleibt uns allerdings verborgen, denn das Model hält irgendwas über seinen Kopf, so daß die Arme und Schultern oben sind. Auch der jährliche Kaftan darf nicht fehlen. *Gähn* gehäkelt wird dann ein bunt geringelter Topf, äh Hut. Und natürlich eine Hose mit Tunnelzug, dieses Jahr mit einer Art Saumbündchen. Also wie eine Jogginghose, nur aus Webstoff. Der ausgesprochen geschmacklose Pulli mit den drei Fransenreihen bleibt uns dann zum Glück als Schnitt erspart. Das ist zwar das interessanteste Modell der Strecke, aber auch das häßlichste.

„Detailverliebt“ sind dann noch mal zwei Seiten, die uns auf die modisch relevanten Details der Strecke hinweisen. eigentlich keine so schlechte Idee, aber die Umsetzung ist doch zumindest teilweise belanglos.

Das „accessoire“ der Saison ist der Bikini. Bandeau Bikini, um genau zu sein. Das kann ich in der Tag dann auch lässig überblättern, in meiner Größe muß das echt nicht sein. 😮

Beauty zeigt Sonnenschutz… okay, da wäre ich ja ohne Burda im Leben noch nie drauf gekommen…

Die „Nähschule“ widmet sich dem Overall 102A mit Rüschen am Bein. Vier Seiten und 17 Einzelschritte, damit sollte es auch ein modisch begeisterter Anfänger hinbekommen.

„News“ ist dan die üblich lustlose Präsentation mehr oder weniger neuer Produkte. Stoffe zum Ausmalen sind wohl gerade in, das wurde auf der h&h auch präsentiert. Textilmalstifte dazu sind noch noch halbwegs sinnvoll (obgleich ja wirklich nicht neu), aber was Einfädelhilfen oder Stoffklebeband da zu suchen haben? Also… außer Werbung, die vergeblich versucht, nicht wie eine auszusehen.

„Klare Linie“ die nächste Modestrecke. Schwarz und weiß. Ein Klassiker also. Mal sehen, ob das interessante Schnitte bringt. Modell 114 mit den gekreuzten Neckholderträgern ist schon mal nett. Bluse 199 mit den Volantärmeln ist dann extremim Trend. Wenn gleich der Schnitt nicht spannend ist.
Kleid Burdastyle
Kleid 116A ist dann aber so, wie ich mir das unter dem Titel vorstelle. Klare Linie, schlicht, aber durch den Wickelüberwurf und die zwei Farben interessant und mit Hinguckereffekt.

In Langgröße dann Bomberjacke, die bis auf den Reißverschluss mehr nach Bluse aussieht. Vom Modell sieht man mal wieder nicht viel, aber der Stoff ist schön. Hose 106B sieht hingegen nicht nach „Smokingstreifen“ aus, wie der Text nahelegt, sondern nach Sporthose. nun ja. Bei Bluse 115A frage ich mich, warum die Quernaht. Zumindest wenn das mit breitem Gürtel präsentiert wird, sieht man da eh nichts davon. Aber auch hier ist der teilweise transparente Stoff schön.
Rock Burdastyle
Noch schöner Rock 113. Das Colorblocking, die dezente Öffnung mit dem Wickeleffekt… echt klasse!

In Kurzgröße dann ein Schößchenshirt. Kann man wieder vor allem den Stoff bewundern. Noch Mal BLuse 115, jetzt B. Ganz in wei0 mit der betonten Öffnung sieht es eher nach Folklorebluse aus. Vorallem, da der Stoff wohl etwas mehr Stand hat.

An den „legestyles“ darf sich diesmal die „Modeleitung“ von Burda versuchen und die mag, so steht es da, Mustermix. Habe ich nichts dagegen. Im Fokus die schwarz-weiße Bluse mit den Volantärmeln aus der letzten Modestrecke. Hm, also die erste Variante mit dem Pepitarock sieht aus wie gewollt, nicht wie gekonnt. Das schwarz ist anders und dann passt es eben nicht. Und die Pastelltöne dazu… Retro in den Farben einer 50er Küche für Business? Vielleicht.. oder nicht. Auch das Abendoutfit mit dem breiten Miedergürtel wirkt disproportioniert. Die Idee an sich ist nicht schlecht, aber die Umsetzung… eher nicht. Am besten passt noch das „Casual“ Outfit mit den kurzen Jeans. Da sieht man dann zwar vom vorgestellten Top fast nichts, aber die Zusammenstellung passt. Also bis auf die Schuhe… die gehen gar nicht. Aber in keiner Kombination.

„Los geht’s“ verspricht dann das schnell genähte Highlight für den Koffer. Fängt natürlich mit dem unvermeidlichen Kaftan in großem Druck und vielen Farben an. Hier nur etwas überknielang. Auffällig ja, aber ist so was wirklich ein „Highlight“? Das Kleid mit Wickeleffekt 116B kommt auch mit dem lockeren Blumenmuster gut raus. One-Shoulder-Dress 111 hängt wirklich lustlos herum. Den weichen Jersey kann man vermutlich tatsächlich in zwei Stunden so hinbekommen. Aber genau so sieht es auch aus. T-Shirt Kleid 117 ist etwas besser. Von vorne auch lässig bis unförmig, aber immerhin gibt es den netten Wasserfallausschnitt im Rücken. Modell 118 dürfte das Volantshirt als Kleid sein. Die zwei verschiedenen Pinktöne bringen den Schnitt aber gut zur Geltung. Fiel auf dem Titelbild gar nicht so auf… Dann noch mal das Overallchen mit der Beinrüsche in… apartem Khaki. Das qualifiziert auch als Hingucker? Dann doch besser der bunte Stoff von Rock 108A, auch wenn da der Schnitt ebenfalls nicht so spannend ist. Aber einen weiten Sommerrock kann man im Urlaub doch immer gut brauchen. 😉

Dann wieder Beauty… Pfefferminze lese ich noch im vorbeiblättern.

„Großer Auftritt“ ist das Motto für die großen Größen. Das klingt schon mal gut. Und die Zeichnung zu Kleid 124 A mit Drapierungen und Wickeleffekt (laut Burda ein „Etuikleid“… naja, ist nicht jedes halbwegs grade geschnittene knielange Kleid ein Etuileid?) gefällt mir auch sehr gut. Nur wurde das Model mal wieder so drapiert, daß man vom Kleid nichts sieht. In Variante 124B dann stehend. Könnte tatsächlich gut aussehen, doch nun schluckt der Musterstoff die Schnittdetails. Das lange Kleid 121 hat einen modisch und schmeichelndes Volant am Ausschnitt. Trotzdem ist der Gesamteindruck ein bißchen mehr Nachthemd, als mir das lieb ist. 7/8 Hose mit schulterfreier Bluse. Aus entsprechenden Stoffen sogar alltagstauglich. Volanttunika 123 wäre dann wieder schöner im Stehen abgelichtet, denn im Lümmeln. Ah ja, als Modell 122 als Kleid dann im Stehen. Überschnittene Schultern und sehr weit. Eher was für die Pummelchen mit wenig Oberweite und schlanken Beinen würde ich sagen. Dann noch mal die Bluse mit den freien Schultern, hmtja… sicher nicht schlecht, aber so wirklich jubelt da bei mir nichts. In der Gesamtheit nicht schlecht, zumindest das Kleid mit den Drapierungen wäre wohl einen Nähversuch wert. Wenn ich mal wieder Zeit habe.

Weiter geht es mit „Ahoi“ zur Kinderkleidung. Top, Shorts und Strandkleid in Größe 98-122. Nichts aufregendes, aber schnell genäht für den Urlaub. Süß ist das Fischbeutelchen. Dann kommt noch eine Photoanleitung, die aber für einen Beutel aus einem runden Stoffstück, der gleichzeitig als Strandtuch dienen darf. Über den Umfang schweigt man sich aber lieber aus. Klar, ein rundes Strandtuch, auf dem man komplett liegen kann ist verflixt groß. Und das als Beutel zusammengefasst dürfte eher was ziemlich Unpraktisches ergeben. Aber Gebrauchswert wird ja eh überschätzt.

Und weil das heft nicht schon genug Werbung hat, noch mehr davon. Als „Aufruf“ getarnt, dürfenwir Outfits für Püppchen nähen, die es gratis gibt. So man genug Produkte von Nivea kauft.

Deutlich nützlicher ist da doch die Bildanleitung „wie geht eigentlich?“, die Schnittanpassung bei rundem Rücken zeigt.

Leider direkt gefolgt von der Schnapswerbung. Abgesehen davon, daß das „Rezept“ diesmal derart peinlich einfach ist… Leute, es reicht mal. Schon mal was von Reaktanz gehört? Durch das Bombardement damit ist jedenfalls ein mieses Image der Alkoholmarke bei den Näherinnen gesichert.

Da ist der restliche Rezeptteil doch appetitlicher… und passend zu diversen Heidelbeer-Sweets dürfen wir auch Untersetzter blau färben. Ich mache so was ja nicht, aber ich bewundere gelegentlich die Leute, die Zeit und Nerven haben, zu jeder Jahreszeit neu zu dekorieren.

Appetitlich angerichtet ist dann auch das „das brauche ich“ Näh- und Stickgarn. Der Informationsgehalt zu den einzelnen Garnsorten hält sich in extrem engen Grenzen (immerhin… man erfährt, daß es verschiedene gibt), aber die Aufmachung ist appetitlich.

Auch die diversen Bänder und Knöpfe sind als „Strandgut“ hübsch angerichtet. Welchem Zweck auch immer das jetzt dient.

Der Atelierbesuch führt diesmal zu einem Keramiker nach Australien. Das ist jetzt eher nicht so mein Geschmack, aber trotzdem schaue ich gerne mal über meinen (Geschmacks)Tellerrand.

„Green Fashion“ macht dann Werbung für ein Kölner Modelabel. Ich weiß sogar, wo deren Laden ist… nur meine Größe gibt es da natürlich nicht.

Zum Abschluss dürfen wir dann als „letzte gute Idee“ ein Haarband nähen. Das „Tragebeispiel“ (wenn man es so nennen kann) ist dann aber gut abschreckend.

Tja, das neue Burdaheft ist schon seit gestern auf dem Markt. :o) Ich hoffe, ihr habt trotzdem noch etwas Spaß beim Lesen dieser Besprechung.