Ein Spritzer Zitrone – die Anleitung

Vor inzwischen gut fünf Jahren hatte ich ja mal eine Topflappenhäkelphase und wollte danach auch Anleitungen zu einigen davon schreiben. Einer ging dabei aber irgendwie unter… kürzlich tauchten aber die Notizen wieder auf und da ich gerade sonst nicht viel Fertiges zu zeigen habe, kam ich mal dazu, die Anleitung zu schreiben.

Und zwar für diesen Topflappen.

Und hier ist die Anleitung:

Alles im Rahmen

Mit spontanen Geschenken und Lockdown ist das ja so eine Sache… Schnell kaufen geht nicht, „mal eben bestellen“ hat letztlich doch einen gewissen Vorlauf, also muß man mit dem arbeiten, was man so hat. (Ja, jetzt könnte man wieder kaufen gehen, aber als ich das Geschenk brauchte noch nicht.)

Nur die Stickdatei bei Urban Threads konnte ich spontan bestellen. Als ich die zufälllig sah, fiel mir nämlich gleich eine Person ein, zu der sie passt. Da nur wenige Farben vorkommen, kann man die zum einen relativ frei anpassen. Zum anderen hatte ich auch genug Stickgarn in der passenden Farbrichtung da. Mein Basisstoff ist hellblau, weil der da war. (Seide-Leinen mit etwas Struktur von einem Kleid.)

Einen quadratischen „Ribba“ Rahmen von IKEA hatte ich auch nicht. Da habe ich vor zwei Jahren oder so für ein anderes Geschenk mal ein paar gekauft, weil ich das auch im Laden noch nicht entscheiden konnte.

Jetzt mußte die Stickerei nur noch in den Rahmen. Das sieht netter aus, wenn man sie spannt, etwa über eine Styroporplatte oder Hplz mit irgendeiner Polsterung drüber. Baumärkte haben allerdings zu. Also mußte das Passepartout des Rahmens her halten. Das ist zum Glück eine halbwegs feste Pappe, nur hat sie ein großes Loch in der Mitte. Aber dafür kommt ja die Polsterung.

Also das gestickte Bild mit der Stickerei nach unten auf die Arbeitsfläche, darauf kommt ein Stück Volumenvlies, das genau die Größe des Passepartouts hat und das Passpartout zuoberst. Zur Befestigung ist eigentlich ein Tacker hilfreich. Aber da ich nur das Passepartout als Unterlagen hatte, wären die Tackernadeln bis zur sichtbaren Seite durchgegangen. Also habe ich mich auf eine alte Technik besonnen: Spannen durch Nähfäden.

Die Seiten umfalten, erst mal mit Stoffclipsen temporär befestigen und dann die jeweils gegenüber liegenden Seiten mit langen Spannstichen verbinden. Dabei so fest anziehen, dass die Spannung passt. (Auch hier: Meine Unterlage ist nicht extrem stabil, also nicht zu fest spannen. Vorteil der Technik von Hand: Man kann die Spannung sehr gut kontrollieren.)

Schönheitspreis gewinnt das nicht, aber das ist ja egal. Hauptsache hält.

Die Ecken werden dann als ungefähr Briefecken eingefaltet.

Mein Stoff ist relativ steif und dick, auch hier gilt, hauptsache hält, schön muß es nicht sein.

Als Nähgarn habe ich auch absichtlich ein etwas dickeres genommen, damit es die Spannung gut hält.

Und da mein Stoff schon relativ leicht ausfranst, habe ich absichtilich die Stiche relativ weit von der Schnittkante weg gesetzt. Ich hatte rundum 4cm Rand vorgesehen, das passte auch gut.

Kontrollblick von rechts…

Die Stickerei ist in der Mitte, wo sie hingehört.

Die Polsterung gibt dem Bild noch etwas Tiefe.

Was ich ganz gerne mag, WENN ich schon mal ein Stickbild rahme.

Was ja eigentlich beides nicht so mein Stil ist. Aber keine Regel ohne Ausnahme.

Und bei Geschenken geht es ja ohnehin nicht um mich.

Anschließend kommt die ganze Packung mit der schönen Seite nach unten in den Rahmen.

Bei den einfachen IKEA Rahmen ist die Rückwand ja nur mit so billigen Biegezungen aus Metall befestigt. Die muß man wirklich ganz aufbiegen und hoch stellen, damit das Päckchen gut in den Rahmen passt.

Dann die Rückwand auflegen, noch mal kontrollieren, ob der Aufhänger auch wirklich oben ist (oder wenn man einen Rahmen mit Aufsteller hat unten), denn ein seitlich oder auf dem Kopf stehendes Bild sieht nicht so gut aus. Und die Laschen vertragen nicht sooo viele Biegevorgänge.

Dann die Laschen wieder zurückbiegen.

Und schon ist ein schönes Stück Deko fürs Home Office (oder woanders) fertig. Ohne Einkaufen zu gehen und mit geringem Finanzeinsatz. (Die Kosten für den Kreditkarteneinsatz im Ausland beim Kauf des Stickmusters und das Porto für den Versand an den Empfänger waren das teuerste.)

Inzwischen ist es auch angekommen und der Beschenkte hat sich gefreut. 🙂

Pimp my Dinah Lady oder wo eine Abnäher ist, kann auch eine Tasche hin

Die „Mogelhose“ Dinah Lady von so!pattern hatte sich ja im Grunde bewährt und da ich zu meinem Astrokatzenshirt auch noch eine schmale Jeans wollte (und zwar schnell, nicht erst in weiteren vier Jahren) kam der Schnitt wieder zum Einsatz, diesmal aus einem einfachen Jeansstoff mit Elasthan in anthrazit.

Allerdings… einen „Fehler“ hat der Schnitt für mich, er hat keine Taschen. Und wenigstens ein Taschentuch oder so will man im Alltag doch mal kurz einstecken können. Also ich zumindest. Aufgesetzte Potaschen benutze ich bei anderen Hosen auch nicht, also muß eine Tasche eingearbeitet werden. Und da der Schnitt vorne ohnehin Querabnäher hat… liegt es doch nahe, da unauffällig eine Tasche einzuarbeiten.

Die Tasche muß etwas kürzer werden, als der Abnäher, ich habe das dann mal gemessen, festgestellt, im Vergleich zu meiner Handgröße reicht das. Wer größere Hände hat oder eine größer Tasche will, muß den Abnäher verlängern, zumindest um einen oder zwei Zentimeter sollte das ohne größer Passformprobleme auch gehen.

Die Nahtlinien für den Abnäher, habe ich mit Heftfaden durchgeschlagen So sieht man sie auf beiden Stoffseiten, es geht beim damit Arbeiten nicht ab und es bleiben hinterher auch keine Reste.

Die untere Nahtlinie wird gleichzeitig die Nahtlinie für den Taschenbeutel. Als minimale Nahtzugabe habe ich mir 5 mm überlegt. Damit ich am Ende der Tasche den Abnäher unauffällig fertig nähen kann, muß am Taschenende der Abnäherhinhalt noch mindestens zwei Mal die minimale Nahtzugabe sein, also der Abstand zwischen den beiden Nahtlinien des Abnäher in meinem Fall mindestens noch 1 cm. Das ist da, wo die Stecknadel steckt.

Die Schnittlinie für die Tasche habe ich auf der linken Stoffseite mit Kreidestift markiert.

Entlang der Linie wird eingeschnitten, nicht weiter, als bis zur Stecknadel.

Für den Taschenbeutel nehme ich einen einfachen Baumwoll-Webstoff, nicht zu dick. Das schwarz-weiße Pepitakaro von einer früheren Jacke passt gut. (Hoch, das war schon 2013? Naja, Jacke und Kleid werden im Sommer immer noch gerne getragen.)

Meine Taschenbeutel schneide ich 12 cm tief, was auch was mit dem Format des Stoffrestes zu tun hat. Aber die Hose ist sehr eng, also fast eher wie eine Jegging (zumindest an meiner Hüfte..) und da sehen zu tiefe Taschen eh nicht gut aus.

Großzügiger bin ich bei der Breite 4 cm mehr als der Einschnitt lang ist. Wir sehen später warum, das ist die Variante für Faule…

Taschenbeutel annähenDann werden die Taschenbeutel angenäht, an beiden Seiten des Einschnitts mit je 5mm Nahtzugaben.

Speziell unten ist es wichtig, genau die Nahtlinie des ursprüglichen Abnähers zu treffen, deswegen nähe ich von der linken Stoffseite.

Richtung Abnäherspitze steht der Stoff des Taschenbeutels nur einen Zentimeter gegenüber der Nahtlinie über. An der Seitennaht hingegen mehrere Zentimeter. Denn…. wenn ich den Anäher quasi schließe, wird der Stoff an der Stelle ja „schräg“, die beiden Lagen des Taschenbeutels liegen NICHT genau übereinander. Damit mir am Ende aber überall genug Stoff übrig bleibt, um die Taschen auch schließen zu können, lasse ich viel Überstand.

(Die korrekte Technik wäre natürlich, einen Taschenbeutel passend zur Schräge des Stoffs zu konstruieren… aber bei so kleinen Stücken und dieser Stoffart kann man den Fadenlauf erfahrungsgemäß auch ignorieren und genau das tue ich hier.)

Taschenbeutel bügelnDann werden die Taschbeutel in die passende Richtugn gebügelt.

Der vordere Taschenbeutel (das ist der, an der untern Nahtlinie des Abnähers) wird umgebügelt, die ehemalige Nahtlinie ist jetzt eine Bruchkante. Wir haben die Kante mit dem Taschenbeutel verstürzt.

Der hintere Taschenbeutel wird einfach nach unten gebügelt. Der Oberstoff wird so zum Teil des hinteren Taschenbeutels. Man sieht also das Muster des Taschenbeutels hinterher nicht, wenn man die Hose trägt.

Weil 5 mm wenig Nahtzugabe sind, zumal für einen so groben und gleichzeitig freudig fransenden Stoff wie den Jeans versäubere ich die Stoffkanten, obwohl man das bei verstürzten Kanten eigentlich nicht macht. Aber sicher ist sicher.

Zusätzlich wird die verstürzte Kante abgesteppt, das stabilisiert die Nahtzugabe ebenfalls, wirkt aber vor allem einem Ausleiern des Tascheneingriffs entgegen.

Abnäherspitze schließenDie Spitze des Abnähers wird  normal genäht.

Dabei fange ich gar nicht genau auf dem Ende der vorherigen Naht an, sondern etwa zwei Stichlängen daneben.

Aufpassen muß man, dass man die Taschenbeutel nicht mit festnäht.

Wirklich nur den Oberstoff, so wie man das auch sonst gemacht hätte.

Abnäher schließenDer Abnäher wird jetzt geschlossen.

Da es eine Tasche sein soll, wird er natürlich nicht zugenäht, sondern zugelegt.

Die verstürzte Kante wird genau auf die Markierung der oberen Abnähernaht gelegt.

Schön feststecken.

Und man sieht… eigentlich nichts, eine Linie. Wie einen Abnäher. Zumindest auf der rechten Stoffseite.

TaschenbeutelWeniger ordentlich die linke Seite der Hose. Aber das war ja so geplant.

Die beiden Taschenbeutel liegen nicht aufeinander, man erkennt aber gut, dass der großzügige seitliche Überstand an dem unteren Taschenbeutel (das ist der, der jetzt obendrauf liegt) auch nötig war.

Wir orientieren uns jetzt aber an dem „geraden“ vorderen Taschenbeutel, also dem Teil, mit dem Tascheneingriff verstürzt ist. Das ist der, der auf dem Bild nur an der Seite und oben vorguckt.

Taschenbeutel nähenDie beiden Taschenbeutel werden dann zusammengesteckt, dabei das vordere Hosenteil nicht mit stecken, nur die beiden Taschenbeutel.

Anschließend das Hosenteil von den Taschenbeuteln wegklappen und die Taschenbeutel an zwei Seiten zusammen nähen. Die Seite, die an der Seitennaht liegt, bleibt offen, die schließt sich dann beim Nähen der Seitennaht automatisch mit.

Mit der Nahtlinie orientiere ich mich am vorderen Taschenbeutel. Etwa 7mm Nahtzugabe reicht, versäubern schadet nicht.

Vorne am Abnäher muß man halbwegs exakt enden. Und auf keinen Fall den Abnäher mit annähen.

Taschenbeutel zurückschneidenNachdem die beiden Taschenbeutel auf das genähte Maß zurückgeschnitten sind, sieht es auch in der Hose ordentlich aus.

Danach die Tasche noch gut nach unten bügeln und an der Seite auf die Schnittlinie der seitlichen Hosennaht zurückschneiden.

Fast fertige TascheUnd so sieht es dann auf der rechten Hosenseite aus. Die Vorderhose ist fertig zur Weiterverarbeitung.

Die Markierungen und Stecknadeln bleiben noch drin, bis die Seitennaht geschlossen ist.

Wenn das alles raus ist… sieht es aus, wie ein Abnäher.

Und weil ich faul war, habe ich nur auf einer Seite eine Tasche genäht. Was ja problemlos geht, weil sie ganz unfauffällig ist.

 

Sauber von allen Seiten: Ärmel verstürzen, Teil 2

Jetzt muß nur noch der Futterärmel festgenäht werden. Das passiert von Hand. Erst Mal Kleid auf links drehen.

Futterärmel einsteckenDer Futterärmel wird auf der Nahtzugabe angesteckt. Zuerst an den verschiedenen Passmarken. Bei diesem Schnitt ist das oben die Schulternaht, unten gibt es vorne und hinten eine Paßmarke im unteren Bereich der Ärmelansatznaht und dann noch die Stellen, wo die Einhalteweite der Armkugel beginnt und endet.

Nahtzugabe eingeschlagen feststeckenEine Nahaufnahme für alle, die Angst vor Handnähten haben.

Die Nahtzugabe der Futters hatte ich vorher ja mit der Zackenschere noch etwas beschnitten. Dann wird die Nahtzugabe einfach auf die linke Stoffseite gefaltet. Und weil ich immer ein bisschen Bewegungsweite/-länge im Futter habe, schlage ich die Nahtzugabe etwas weniger breit um, als sie eigentlich sein sollte.

Die Nadel stecke ich an diesen wichtigen Markierungspunkten die Stecknadeln quer zur Naht. Und wie man auch sieht, ganz knapp innerhalb der Ansatznaht. Die Handstiche sollen ja hinterher nicht von außen sichtbar sein.

Kontrolle und restliche NZG einschlagenDann hänge ich das Kleid auf Links gedreht auf einen Kleiderbügel. (Schneiderpuppe ist natürlich noch besser, aber da hängt gerade noch eine Bluse drauf, bei der „nur noch“ die Träger angenäht werden müssen…)

Die restlichen Nahtzugaben werden auch umgelegt und bei Bedarf festgesteckt.

Wichtig ist es hier, zu kontrollieren ob der Stoff überall gut anliegt, aber nicht zieht. (Besonders nicht der Oberstoff.) Der obere Bereich hat ja etwas Mehrweite für die Armkugel, da darf als mehr Stoff sein, unter dem Arm und bis zur Markierung für die Einhalteweite soll der Stoff aber glatt liegen.

Tut er das nicht, schiebt man den Stoff so hin, das es passt. Falls die Passmarken dann doch woanders landen… ist das meist egal. Denn am Ende soll es vor allem glatt liegen, die Markierungen sind in erster Linie Anhaltspunkte. Die man bei Bedarf auch wieder verwirft. Manchmal ist es auch nötig, die Nahtzugabe des Futterärmels etwas einzuschneiden.

HandnähenDann wird von Hand genäht.

An der Ärmelseite sticht die Nadel im Bruch ein und aus.

An der Seite des Oberteils nähe ich ganz knapp neben der Ansatznaht auf der Nahtzugabe. Das hat auch den Vorteil, daß die Naht stabiler wird, weil man nicht nur durch den Futterstoff näht, sondern auch den Oberstoff. Und man muß nicht so sehr aufpassen, daß die Stiche nicht auf der rechten Seite des Kleides sichtbar sind.

Fältchen in der ArmkugelAn der Armkugel war ich faul und habe mir nicht die Mühe gemacht, den Stoff exakt einzuhalten.

Das war dann eher Fältchen legen nach Augenmaß. Für das Futter ist mir das locker schön genug.

Tja… und das war dann schon die ganze Kunst. Ordentlich gefüttertes Kleid.

Und die Schnittbesprechung für das Kleid gibt es demnächst… oder später…

 

Sauber von allen Seiten: Ärmel verstürzen, Teil 1

Neulich erzählte eine Freundin von einer Technik, die ihr im Nähkurs für Jackenärmel gezeigt worden war. Und ich meinte dann ganz spontan, daß ich das für Jackenärmel nicht so gerne mögen würde, weil man keine gute Schulterverarbeitung machen kann (meine Freundin hatte deswegen auch Vorbehalte), ich sie aber sehr gerne für Kleider verwenden würde, besonders bei kurzen Ärmeln, bei denen das Futter ohne Mehrlänge auskommt.

Da ich kurz danach ein gefüttertes Kleid genäht habe, habe ich ein paar Bilder gemacht und zeige das hier. Man braucht ein bisschen Handarbeit, hat aber sowohl eine saubere Verarbeitung von innen und außen als auch ein Futter, das nicht im Kleid herumrutscht, somit bequem sitzt, aber auch nicht am Ärmel nach außen wandert. Was bei sehr kurzen Ärmeln sonst schon mal passieren kann.

Ärmel und Futter am Saum aneinander nähenWie man sieht, ist es ein sehr kurzer Ärmel. Der Ärmel wird aus Oberstoff und Futter zugeschnitten und an der Saumkante werden die beiden Ärmel miteinander verstürzt.

Das heißt, Ärmel und Futterärmel werden an der Saumkante rechts auf rechts aufeinandergenäht, dann werden die Nahtzugaben auseinandergebügelt (dadurch legt sich am Ende die Bruchkante genau in der Naht schöner) und zurückgeschnitten. An der Futterseite auf etwa 3mm, an der Ärmelseite auf etwa 5mm. (Siehe rechter Ärmel im Bild, der die linke Stoffseite zeigt. Der linke Ärmel im Bild zeigt die rechte Stoffseite.) Bei sehr starken Rundungen oder Kunstfaserstoffen, die völlig unelastisch sind und sich auch nicht in Form Bügeln lassen muß man eventuell trotzdem die Nahtzugabe bis kurz for die Naht einschneiden, aber meist nicht.

Gerade bei gebogenen Ärmelsäumen bekommt man so eine besonders saubere Kante. Das gilt natürlich auch für alle anderen irgendwie geformten Säume. Also wer gerne einen Bogensaum, Zacken oder sonst was will… geht auch.

Ärmelnaht nähenAnschließen wird die Ärmelnaht genäht.

Man muß drauf achten, daß die spätere Bruchkante genau aufeinandertrifft. (Falls nicht… na um einen oder zwei Millimeter kann man den Oberstoff auch noch nach innnen schieben, dann fällt es nicht auf.)

Die Nahtzugaben werden nach Wunsch versäubert. Da mein Oberstoff nicht stark ausfranst und auch das Futter (wie meist bei mir Venezia, mein Lieblingsfutter) nicht extrem flutschig ist, die Nähte zudem hinterher völlig eingeschlossen sind… habe ich einfach nur mit der Zackenschere entlangschnitten.

Saum verstürzt und abgestepptJetzt wird das Verstürzen sozusagen vollendet.

Der Futterärmel wird in den Ärmel gelegt und der Saum schön flach gebügelt. (Wie gesagt, falls man vorher doch ein wenig unsauber gearbeitet hat… dann ist es jetzt an der Zeit, den Oberstoff im Zweifelsfall einen Millimeter nach innen zu bügeln. Das Futter soll auf keinen Fall rausgucken.)

Ich habe dann den Saum noch abgesteppt. Das hält einfach besser. Und wir haben ja ein Sommerkleid aus Baumwolle. (Wer so was bei Seide machen will und keine Steppnaht… man kann es mit Untersteppen versuchen, das ist natürlich etwas fickelig. Oder man muß von Hand von der Futterseite her arbeiten. Oder man verlässt sich drauf, daß das Futter drin bleibt.)

Armausschnitt vorbereitetDer Armausschnitt muß dann auch vorbereitet werden.

Bei meinem Kleid hatte ich Futter und Oberstoff für das Oberteil getrennt genäht und dann an der Ausschnittkante verstürzt und abgesteppt. (Die hintere Mitte ist noch offen, daher konnte ich das ohne Probleme verstürzen.)

Am Armausschnitt hefte ich Oberstoff und Futter zusammen. Der Stoff wird so gelegt, daß die Schnittkanten bündig sind. – Mein Oberteil hat etwas Mehrweite im Futter und die soll natürlich auch bleiben, nicht ins Armloch gestrichen werden. Die Passmarken von Futter und Oberteil sollten genau aufeinanderliegen. (Falls das nicht ganz funktionieren sollte… hinterher sind die Passmarken des Oberstoffs relevant.)

Dann hefte ich beide Lagen von Hand aufeinander, etwa zwei Zentimeter von der Schnittkante entfernt, also nicht auf der Nahtzugabe, sondern im Kleidungsstück.

Ärmel einnähenJetzt wird der Ärmel eingenäht.

Allerdings nur oder Ärmel aus Oberstoff, der Futterärmel bleibt frei hängend.

Am Oberteil hingegen nähe ich durch beiden Stofflagen.

Das hat, wie am Anfang schon angedeutet, den Vorteil, daß ich im Oberteilfutter durchaus etwas Mehrweite behalten kann, ohne dass die Gefahr besteht, daß sich mein Ärmelfutter hinterher nach außen arbeitet und beim Tragen sichtbar wird.

Nahtzugaben bearbeitenBevor ich den Futterärmel einnähe, muß ich natürlich erst mal die Nahtzugaben bearbeiten.

Das kann man machen, wie man das am liebsten macht.

Ich habe „klassisch“ gearbeitet. Unter dem Arm (also zwischen den beiden unteren Passmarken, so es welche gibt, sonst von der Passmarke vorne bis etwa auf gleicher Höhe am Rückenteil) mit etwa 2mm Abstand zur Einsatznaht eine zweite Naht auf der Nahtzugaben genäht und die Nahtzugaben auf etwa 4mm – 5mm zurückgeschnitten. Die restliche Nahtzugabe wird auf etwa einen Zentimeter zurückgeschnitten, in meinem Fall mit der Zackenschere.

Die Nahtzugabe des Futters habe ich etwas mit der Zackenschere abgeschnitten.

Und natürlich die Ärmelnaht ordentlich bügeln und die Naht des Oberteils in den Ärmel hineinbügeln.

Danach kommt noch eine Runde Handarbeit, das zeige ich demnächst. 🙂

Verschluß und Saum, die Details zum Seidenkleid

Die Details vom „Karos machen schlank“ Kleid hatte ich ja noch versprochen. Inzwischen habe ich da auch noch ein paar Bilder gemacht.

Ich mache ja bei Kleidern oberhalb vom Reißverschluss immer noch ein Häkchen und eine Öse, damit es ganz bis oben schließt und da auch gut hält.

Verschluss mit DruckknopfDiesmal habe ich mich für einen Druckknopf entschieden. (Ich weiß nicht mehr, wo ich das gesehen habe, möglicherweise in einem alten Nähbuch oder einer alten Anleitung.)

ReißverschlussDas bot sich hier besonders an, weil ich den Ausschnitt ja mit einem Schrägstreifen besetzt habe. Diesen Streifen habe ich an einer Seite einfach etwas länger gemacht, habe dann den Ausschnitt nur bis zum Reißverschlussband abgesteppt und habe so eine kleine Lasche bekommen.

Von Hand einen kleinen Druckknopf aufgenäht… und schon ist der Ausschnitte auch oberhalb des Reißverschlusses genau auf Stoß geschlossen.

Und zumindest bei diesem Stoff ist es bequemer zu tragen und auch einfacher zu schließen, als meine bisherige Haken und Ösen-Lösung. Die Technik kommt sicher noch öfter zum Einsatz, zumindest wenn ich den Halsausschnitt auf diese Weise verarbeite.

SaumverarbeitungDa ich meine Saumzugabe nach außen geklappt hatte, mußte ich dann noch mal drüber nachdenken, wie ich das mit den Nahtzugaben des Kleides mache. Die sieht man dann natürlich.

Da ich die Seitennnähte mit französischen Nähten gemacht hatte, fand ich die schön genug, um sie auch außen zu zeigen.

Falls sich rausstellt, daß ich damit irgendwo hängen bleibe, kann ich die offene Seite auch noch absteppen, dann sieht es wie eine Kappnaht aus.

Schwieriger war die rückwärtige Mittelnaht. Die Nahtzugaben wollte ich mit einer Hongkong Versäuberung einfassen, mußte dazu aber eine andere Seide nehmen, die farblich natürlich nicht so gut passte. Außerdem sind die Nahtzugaben in der rückwärtigen Mitte etwas breiter.

Verarbeitung der Nahtzugabe bei nach außen gewendetem SaumIch habe dann die Naht ganz normal rechts auf rechts geschlossen, aber nur bis etwa 1,5cm oberhalb der späteren Saumlinie. Da mein Stoff schon sehr fransig ist, habe ich auf das Ende der Naht einen Tropfen Fray Check gegeben.

Als der trocken war, habe ich die Nahtzugabe senkrecht bis genau an diesen Punkt eingeschnitten und den Rest der Naht links auf links geschlossen. Also so, daß die Nahtzugaben auf der Saumzugabe und den 1,5cm drüber auf der rechten Seite waren,

Die Nahtzugaben der Saumzugabe habe ich mit der Zackenschere normal zurück geschnitten. Die Nahtzugabe im Kleid habe ich etwas schräg geschnitten und dann wie geplant mit dem Schrägstreifen aus Seide eingefasst. Zum Ende hin, habe ich dann einfach den Stoff etwas umgefaltet und beim zweiten Steppen der Einfassung mitgenäht. Mit etwas mehr Zeit, hätte ich das vermutlich von Hand umstochen, aber Zeit war grade nicht.

Man sieht auch, daß schon nach einmaligem tragen der Stoff da etwas ausfranst. Da schadet dann auch ein Tropfen Fray Check nicht. Allerdings bliebe es auch erst mal ohne sichtbare Folgen, wenn es an der Naht ein kleines Loch gäbe.

Sauzugaben nach außen gewendetDenn von der Außenseite des Kleides ist ja die Saumzugabe darüber gefaltet. 😉

Da sieht man also nichts.

Außer einem ordentlichen Farbstreifen. 🙂

Mir selber gefällt auch diese Lösung gut. Die Saumzugabe nach außen zu wenden ist ja bei Stoffen mit mehr als einer „schönen“ Seite oft eine attraktive Alternative. Ich denke da nur viel zu selten dran.

Kleinkariert, die Häkelanleitung

HäkeltopflappenAuch diesen Topflappen habe ich 2016 schon mal gezeigt.

Und nur knapp zwei Jahre später bin ich dazu gekommen, die Anleitung aufzuschreiben.

Zwei Farben, feste Maschen und Luftmaschen… zum Dowmload.

(Again sorry for my non German speaking readers… the crochet pattern is only in German, Due to the different terminologies in English and my incapability to manage them.

Rührei auf Toast, eine Häkelanleitung

HäkeltopflappenDen Topflappen hattee ich ja Ende Mail 2016 schon gezeigt, aber jetzt bin ich endlich mal dazu gekommen, die Anleitung dafür aufzuschreiben.

Und hier ist die Anleitung zum Download: Rührei auf Toast.

Kann man natürlich auch in anderen Farben häkeln. Der Topflappen selber bewährt sich immer noch in meiner Küche.

(This time sorry for my non German speaking readers. It’s a pattern for a crocheted pot holder which will not be available in English. I am too confused with BE and AE crochet terms to write a patten in a consistent terminology.)

 

Durchreibschutz an Hosen ohne Bügeleinlage

Protecting pants against wear without using interfacing

Ich habe bei Hosen ja immer ein Problem: Zwischen den Beinen scheuern sie sich bei mir schnell durch. Zu einem Zeitpunkt, wo der Rest der Hose noch top aussieht. Deswegen habe ich auch mehr Erfahrung mit Stopfen und Flicken von diesem Bereich, als mir lieb ist… und ich versuche, diesen Moment etwas herauszuzögern. Meine bewährte Technik besteht darin, auf den Zwickelbereich der Hinterhose G785 aufzubügeln. Das ist weich genug, um für keine seltsam steifen Stellen zu sorgen und hält die Fasern doch eine Weile zusammen. Die Technik hat allerdings auch Nachteile: Scheuerfest ist G785 nicht, besonders in ungefütterten Hosen hält das nicht lange und fühlt sich auch nicht so toll
auf der Haut an. Aber gut… man kann nicht alles haben.

There is one problem I am having with all kind of pants, slacks, trousers: Between the legs the fabric wears through in no time. At a moment when the rest of the garment still looks great. So I have more experience with repairing and darning that part of pants than I’d like to have… and I try to make this moment come as late as possible. My standard technique is ironing a piece of G785 on the back pants at the most endangered position. It’s soft enough not to create strange stiff shapes yet keeps the fibers together for a while. though there are disadvantages: G785 is not very resistant against rubbing so especially in unlined pants it does not last long. And doesn’t feel to great on the skin. But… well… to live means to make compromises.

Ein weiterer Nachteil kam aber kürzlich zum Tragen: Zum Aufbügeln braucht man Dampf. Meine Bügelstation heizt zwar noch, sowohl Eisen als auch Brett, nur der Kessel hat es hinter sich. Da dampft nichts mehr. Und mein Stoff ist ein Viscose-Polyestergemisch mit Elasthan, das hält erfahrungsgemäß besonders kurz.

Yet another disadvantage appeared recently: You need a steam iron to apply it. My ironing station does still heat nicely the iron, but no longer the steam unit. Steam over. And my fabric is a viscose-poly-elasthane blend, a combination that normally lasts only for a very short time.

Deswegen mußte ich mir was anderes einfallen lassen und das zeige ich heute.

Though I had to come up with something else, what I will show you today.

Futterstoff auf HosenzwickelZunächst habe ich aus einem Rest Futterstoff (Venezia) einen breiten Streifen im Schrägfadenlauf zugeschnitten. Ich brauchte wenigstens 25cm länge, als Breite habe ich einfach 15cm genommen. So breit ist mein Patchworklineal.  Der Streifen wird auf die linke Seite der Hinterhose genäht, Ungefähr da, wo ich sonst bei Reparaturen den neuen Stoff ansetze.

First I’ve picket some remnants of lining fabric (Venezia) and cut a wide stripe on the true bias. I needed it at least 25cm long and cut it 15 cm wide. That’s the width of my omnigrid ruler. The piece of fabric is sewn to the left side of the back pants. Guessing the line where I usually have to cut the fabric for repairing the pants.

Futterstreifen über Hosenzwickel geklapptDann wird die Naht flachgebügelt und der Futterstreifen über den Zwickelteil der Hose geklappt. Links im Bild die linke Stoffseite, rechts die rechte Stoffseite. (Bild anklicken bringt eine größere Version…)

Now pressing the seam flat and then fold the lining fabric over to the gusset part of the pants. Left picture is the left side of fabric, right picture the right side. (Click on the pic to get the bigger version…)

Futterstoff unsichtbar angenähtDamit sich die Stofflagen nicht so sehr gegeneinander verschieben (was die Reibung nur vergrößert) habe ich in 5cm Abstand zur Naht den Futterstoff noch mal unsichtbar aufstaffiert. Das ist etwas mühsam, weil man bei jedem Stich gucken muß, ob die Nadel wirklich nicht zu sehen ist, aber es sind nur wenige Stiche, also zu verkraften.

To prevent the two layers of fabric from shifting (which is just another form of rubbing) I’ve sewn a line of handstitches, invisible from the right side. That’s a bit tedious because I had to check for each stitch that the needle did not show on the right side before pulling the needle through. But it were only a few stitches, so it was doable.

An der Spitze habe ich den Futterstoff dann einfach mit einigen Stichen auf der Nathzugabe festgeheftet (Die bleiben dann auch drin.) und danach den überschüssigen Futterstoff abgeschnitten. Auf der rechten Seite sieht man nur die Steppnaht, die bei der getragenen Hose aber zwischen den Beinen verschwindet.

I also basted the corner of the gusset part to the lining fabric. On the seam allowance, so I won’t have to take out the stitches later. And the I cut of the rest of the lining fabric. On the right side only one line of stitching is visible, but not when worn, because that part is between the legs.

Die Hose wird dann ganz normal fertig genäht. Wie gut es hält werden die nächsten Monate zeigen.

Then the pants get sewn normally. If the technique  is a success I’ll know in a few months.

Nahtzugabe zurückschneiden bei superfransigen Stoffen

Cutting back seam allowances in super fraying fabrics

Das wird jetzt der letzte Artikel über meine Jacke im Biker Stil. Danach gibt es dann nur noch Bilder der fertigen Jacke… Lange genug hat es gedauert…

That will be the last post about my biker-style vest other than finished item pics. Took long enough.

Nahtzugabe an der EckeMein Problem mit dem Stoff war ja, daß er unglaublich leicht ausfranst. Was macht man also mit den Nahtzugaben? Knapp zurückschneiden ist ja keine so gute Idee. An allen geraden Nähten ist das kein Problem, die kann man gerne breit lassen, aber was tut man an Rundungen und Ecken? Nun… ganz einfach… man läßt den Stoff das tun, was er am besten kann: ausfransen. Ich habe nur meinen Unterlegstoff zurückgeschnitten, den Oberstoff habe ich hingegen nur bis zur Naht hin ausgefranst. Dadurch ist genug Material dran, um sich nicht aufzulösen. Aber es knubbelt trotzdem nicht, weil die einzelnen Fasern sich gut flach legen.

My problem with the main fabric was, that it frays incredibly easily. So what to do with all those seam allowances? Grading is not good idea. For straight seams no problem, seam allowances can be as large es one likes. But what to do with curves and edges? The answer is easy…. I let the fabric do what it does best… I let it fray. I cut back the underlining fabric, but for the main fabric I just picked the fibers out of the weave. So there is enough material left not to fall apart. But the loose fibers can be ironed flat and the seam allowance will be nice and flat.

Rundung eingeklipstAn den Rundungen wird der Stoff meines Beleges normal senkrecht zur Naht eingeschnitten.

For curves I clip the seam allowance of the facing part, prependicular to the seam line.

Unterlegstoff einklipsen
Die Nahtzugabe des Oberstoffs bleibt wie sie ist, der Stoff ist locker genug gewebt, so daß sich die Fasern in die Rundung legen. Für den rosa Unterlegstoff gilt das jedoch nicht. Der wird also eingeschnitten. Dabei zeigt sich der Vorteil der Handversäuberung: Ich kann zwischen den Versäuberungstichen einschneiden und so bleibt die Versäuberung unangetastet.

The seam allowances of the main fabric are left as they are. The fabric is very loosly woven, so the fibers can move by themselves to adapt to curves. But the pink underlining fabric is very firm and needs some treatment. So I cut the underlining. And only the underlining. Here another advantage of the hand overcast fabric edges. I can cut between the stitches and the stitches remain untouched.

Damit ist die Jacke dann auch endlich fertig… Und bei Gelegenheit gibt es dann endlich Photos der fertigen Jacke.

Now the vest is finally finished… and I will try to show pics of the finished vest soon.