Raffrollo kürzen – Teil 2

Mehrlänge abmessenJetzt brauche ich viel Platz, ich lasse den Raffrollo nämlich auf seine volle Länge (in dem Fall 210 cm) heraus und lege ihn gestreckt auf den Boden.

Nachdem ich die neue Länge mal abgemessen und mit einer Stecknadel markiert habe (Kleiner Tip: Da die meisten Maßbänder nur 150cm lang sind, stecke ich bei 150 cm eine Stecknadel. Muß ich später noch mal nachmessen, muß ich nur ab dieser Markierung neu messen, was deutlich einfacher und schneller geht.)

Damit die „Beschwerungsleiste“ wieder befestigt werden kann brauche ich einen neuen Stofftunnel. In meinem Fall bietet es sich an, die schon vorhandene Stofffalte zu nutzen. Ich die Breite des ursprünglichen Tunnels (in dem Fall 4,2cm), lege dann den Stoff an der Querfalte zusammen (auf dem Bild liegt die rechte Stoffseite oben) und messe 4,2cm mit dem Handmaß ab. Da kommen Stecknadeln rein. (Man kann es auch heften, es geht aber bei dem relativ steifen Stoff ebensogut ohne.)

neuen Tunnel faltenJetzt habe ich also einen 4,2cm breit abgesteckten „Kniff“. Und den klappe ich einfach nach oben.

Die „scharfe“ Bügelkante die der Stoff da schon hatte liegt also sichbar auf der rechten Stoffseite. Ich hoffe, man kann es in dem „Querschnitt“ auf

dem Bild erkennen: links auf dem Bild ist Richtung oben am Rollo, rechts ist Richtung unten. Die rechte Stoffseite zeigt nach oben, die linke liegt auf dem Bügelbrett. Nach rechts auf dem Bild erkennt man, wie sich ein „Säckchen“ auf der Rückseite des Rollos formt. Der spätere Tunnel für die Holzleiste.

knappkantig absteppenDann muß ich nur noch von der rechten Stoffseite aus die Falte knappkantig feststeppen.

Für diesen Schritt kann man auch das Rollo getrost wieder „hochziehen“, also klein machen. Das ist einfacher zu handhaben als 2 Meter Stoffbahn links von der Nadel.

Wer einen Kantensteppfuß hat, kann sich die Arbeit noch mal erleichtern, einfach die Falte an der Führung entlang laufen lassen und die Nadelposition um eine oder zwei Stellen nach rechts versetzen. Anschließend einmal drüberbügeln, damit der Tunnel so flach wie möglich ist.

Jetzt wird es richtig ernst. Bis hierher war alles korrigierbar, aber nun muß die Schere zum Einsatz kommen. Ich messe endgültig die fertige Länge. (Nach dem Nähen des Tunnels, denn falls ich da etwas schlampig messe oder arbeite, dann wirkt sich das nicht negativ auf die Gesamtlänge aus.) Plus 2 cm für den Saum. Die Linie zeichne ich im rechten Winkel zur Seitenkante mit Hilfe eines großen Geodreiecks an, überprüfe durch gegen Winkelmessung an der anderen Seitenkante, ob es wirklich gerade ist.

Da ich dabei merke, daß die Seitennähte nicht ganz gerade sind, korrigiere ich den Rest nach Augemaß. Ein 50cm langes Lineal ist bei den 50 cm breiten Vorhängen hilfreich. Dann anzeichnen und abschneiden.

Saum umbügelnBeim Umbügeln des Saumes ist das Handmaß wieder eine große Hilfe. Den Stoff mit der rechten Seite aufs Bügelbrett legen und die Kante so nach oben umklappen, daß sie genau auf die 2 cm-Markierung des Handmaßes trifft. Dann festhalten, das Handmaß entfernen (das ist wichtig, denn das Handmaß ist aus Kunststoff und nicht hitzefest…) und vorsichtig punktuell bügeln. (Vorsichtig, um die Finger nicht mit zu bügeln, denen bekommt das nicht gut. g)

Das Handmaß eine Handbreit entfernt wieder anlegen, Stoffkante 2cm breit umlegen, bügeln,… etc. Am Ende einmal über den ganzen Saum bügeln.

Wer nicht gerne mit dem Bügeleisen in der Nähe der eigenen Finger rumhantiert, der kann natürlich auch zuerst einen 2cm breiten Saum feststecken und dann bügeln. Da muß man allerdings darauf achten, daß man keine Abdrücke der Nadelköpfe einbügelt. Und natürlich nur Glaskopf oder Stahlkopfstecknadeln verwenden!

Ich fange nicht direkt an der Seitennaht an, sondern ein Stück zur Mitte hin und arbeite mich dann von dort aus zu den beiden Seiten hin. Denn durch die Stofflagen der Säume der seitlichen Rollokanten legen sich diese etwas anders als die einfache Stofflage des übrigen Stoffes und es ist einfacher, die Kanten als letztes dem restlichen Saum anzupassen als umgekehrt.

Saum umbügelnDann wird der Saum ein zweites Mal eingeschlagen, so daß die Schnittkante zwischen den Stofflagen liegt und nicht ausfransen kann.

Auch da kann man sich mit den Fingern Stück für Stück vorarbeiten und gleich mit dem Bügeleisen fixieren.

Saum absteppenUnd dann ist es schon fast geschafft. Der Saum wird von der linken Seite her gesteppt (also auf einen farblich passenden Unterfaden achten, denn der liegt hinterher sichtbar auf der rechten Seite des Raffrollos), wobei der Kantenfuß wieder gute Dienste leistet.

Anschließend die anfänglich entfernte Holzleiste wieder in den neuen Tunnel stecken, fertig! Ein Schnitt, zwei Nähte, ganz einfach eben. 🙂

Raffrollo kürzen – Teil 1

Eigentlich hasse ich ändern. Auftrennen, neu nähen, ausmessen…. und am Ende hätte man es in der gleichen Zeit auch ganz neu nähen können.

Andererseits… es gab bei Leroy Merlin ein fast zu unserem Fenster passendes Raffrollo. Die Breite stimmte, die Farbe stimmte, nur die Länge stimmte nicht. Und der Wellenrand am unteren Ende störte. Mit so was hab“ ich“s nicht so. (Das gleiche Modell gab es auch ohne den Wellenrand, aber nicht in diesem frischen Apfelgrün.) Der Preis stimmte auch, sehr sogar.

RaffrolloUnd Raffrollo nähen… macht ebenfalls jede Menge Arbeit, inklusive Holzstangen passend sägen. (Ich hab schon mal so was genäht, daher weiß ich das so genau.) Also habe ich mich diesmal für das Ändern entschieden.

Und es war eine gute Entscheidung, denn sie Sache war mit einem Schnitt und zwei Nähten erledigt. Schnell, einfach und auch von wenig erfahrenen Näherinnen zu bewältigen. Ich habe mich entschlossen, die Raffrollos von unten zu kürzen, da ich den Wellenrand ohnehin loswerden wollte, bot sich das an. Es geht natürlich auch von oben her, das ist etwas aufwendiger.

Raffrollo, MechanikHier die Rückseite des Rollos. Den oberen Teil der Mechanik mit der Führung für die Zugbänder habe ich in Ruhe gelassen. Wichtig ist der untere Teil.

RaffrolloIn einem Tunnel liegt eine schmale Holzleiste, die als Gewicht dient, damit das Rollo sich auch schön nach unten schließt. Die muß zwar später wieder rein, aber als erstes ziehe ich sie raus. Ich habe Glück, denn die Tunnels sind an den Seiten offen, so daß ich nichts auftrennen muß.

RaffrolloAnschließend muß ich etwas „trennen“, nämlich die Knoten, mit denen das Rolloseil an der untersten Öse befestigt ist.

Bevor sich der Rollo ganz ausfädeln kann knote ich das Seil in der jeweils darüberliegenden Öse wieder an. Kürzen des Seiles spare ich mir, denn länger als das Raffrollo am ende ist, kann die Schnur auch nicht nachgeben.

Danach kann ich den „ausgeknoteten“ Teil der Gardine aufklappen. In meinem Fall war der Rollo nur um gut 30cm zu kürzen, da genügte es eine „Faltung“ abzuschneiden. Will man mehr kürzen, muß man ggf. mehrere „Faltungen“ lösen und das Seil weiter oben wieder anknüpfen.

Knoten am RolloWer (wie ich) wenig Ahnung von Seemansknoten oder anderen stabilen Knüpftechniken hat ist übrigens gut beraten, die vorhandenen Knoten vor dem aufknüpfen genau zu betrachten, damit das wieder anknoten genauso stabil erfolgt.

Eine Standardtechnik scheint es allerdings nicht zu geben, denn die vier Knoten, die ich geöffnet habe, waren auf dreierlei verschiedene Arten gebunden. gg Grundkenntnisse in Makramee helfen auch beim neu verknoten. Und ich habe noch mit einem Tröpfchen Fray-Check gesichert….

Bevor ich jetzt mit Schneiden und nähen ernst mache, klappe ich mal probeweise das, was ich hinterher wegschneiden will ein, stecke es fest und ziehen den Rollo hoch. So kann ich kontrollieren, wie weit er im geöffneten Zustand herunterhängen wird. Nicht daß das Fenster hinterher kein Licht mehr bekommt… (Wenn der hochgezogene Vorhang durch das kürzen und Neuverknoten sehrviel länger wird, muß man überlegen, ihn doch von oben zu kürzen. Aber ich habe Glück, da ich ungefähr so viel kürze wie eine „Falte“ zwischen zwei Ösen tief ist, hängt der geöffnete Rolle am Ende ähnlich weit herunter wie ursprünglich. )