Handwerker in Indien (Teil 3)

Indian crafters (part 3)

WeberDa ich so begeistert war, gibt es noch ein paar Bilder… Als ich die Banarasi Seide gekauft habe, konnte ich auch einen Blick auf die Weber werfen. Hier entsteht ein relativ einfaches Stück, denn sie arbeiten nur zu zweit. Wenn ein Stück gewebt ist, wird es mit einem Tuch abgedeckt, damit es nicht versehentlich schmutzig wird.

Since I was so thrilled about all those crafters here are some more pictures. When I purchased the Banarasi silk I could also visit their weavers. This must be a relatively simple piece because only two men were working on it. After some length is finished it is covered with the white fabric to protect it from getting dirty.

WebstuhlDer Webstuhl ist quasi „modern“, denn er hat Lochkarten. Für mich sieht das aber alles sehr kompiziert aus und die Arbeit geht nur in kleinen Schritten voran. Und das liegt nicht nur daran, daß der Seidenfaden so dünn ist.

The loom is nearly „modern“ it works with punch cards. It still looks complicated to me. And the work is done by hand and very slow. That is not only due to the fine silk threads that are used.

Ein Vorteil, wenn man direkt in der Fabrik einkauft und auch die Produktionsstätten besichtigen darf ist, daß man auch einen kleinen Eindruck davon bekommt, wie die Handwerker behandelt werden. Auch haben wir an diesem Ort keine Kinder arbeiten sehen. (Was keine Garantie ist, daß dort keine arbeiten. Aber immerhin nicht während wir dort waren.)

One advantage if you buy directly at a factory is that you can get at least a little impression how the crafters are treated. (If you are allowed to visit. Which is normally the case.) And we did see no child laborers there. Again no guarantee that they have none. But not while we visited.

SchleiferDa Jaipur ein Edelsteinzentrum ist, kann man dort auch Steinschleifern bei der Arbeit zusehen.

Jaipur is a center of gemstones , so you can see those crafters also working.

In dem Bereich werden definitiv Kinder eingesetzt (in das Viertel „verirren“ sich vermutlich nicht so viel Touristen), da haben wir aber unsere Kamera mal lieber nicht drauf gehalten….Da wo wir gerne photographieren durften gab es aber keine Kinder an der Schleifmaschine. (Und zur Ehrenrettung: Die mit Kindern waren in der Minderzahl, die meisten Handwerker waren Erwachsene!)

In that field we saw a lot of children working. (I think there are not many tourist who come to the working quarter.) We decided it safer not to take pictures of those places…. But we were allowed to take pictures at other places and there were no children working. (And to make that clear: The places that had children working were a minority, most places had only adult workers!)

Kordeln flechtenEin weiteres Faszinosum für mich ist immer wieder, wie wenig Aufwand es braucht, um schöne Dinge herstellen zu können. Ein Metallhaken, ein Quadratmeter Platz auf dem Bürgersteig und schon entstehen schöne Zierkordeln. (Welchem Zweck sie genau dienen dürft ihr mich aber nicht fragen….)

Another fascinating thing is how few you need to create beautiful things. A metal hook, one square meter on the pavement and beautiful twine/braid (?) is created. (Please don’t ask me what they are used for. I don’t know….)

PostermalerUnd wenn bei uns ein Geschäft eine neue Werbung an die Wand bringen will, dann braucht es einen Grafiker, ein Computerprogramm und eine Druckmaschine. Und jemanden, der das dann auch noch an die Wand klebt.

In Indien genügt ein Mann mit etwas Farbe und einem feinen Pinsel… Wenig Technik kann sehr effizient sein.

If here a business wants to advertise they need a specialist for graphic design, a computer program and a printing machine. And someone who will glue it to the wall.

In India you only need one man with some paint and a fine paint brush… Low tech can be so efficient.

Textile Mitbringsel aus Indien, Teil 3

Textile Stuff from India, part 3

Khadi StoffHm, also beim Einkaufen kam mir das viel weniger vor, als jetzt wo ich es poste…. *hüstel*

Somehow it did not look that much, when I was shopping for it. But now I’m posting about it… must have multiplied somehow..

Zwei weitere schöne Khadi Stoffe sind in meinem Koffer gelandet. (Die Kahdi Bewegung entstand als Protest gegen die Kolonialmächte und propagierte, man solle nur indische Produkte verwenden, die jeder Haushalt selber herstellen konnte. Ganz so entschieden wird es nicht praktiziert, aber es handelt sich um handgesponnene und hangewobene Materialien, die so der Dorfbevölkerung eines zusätzliche Einnahmequelle verschaffen. Meist sind es Baumwollgewebe, die auch etwas gröber und rauher sind, als maschinell gewebte.) Mir gefällt speziell diese etwas „griffigere“ Struktur zusammen mit dem Webmuster.

Next are two Khadi fabrics. (Khadi Movement started as a protest against the colonial forces. The idea was using only India made material and produce everything in India, so every household could make it’s own clothes and didn’t have to buy imported goods. It isn’t done so strictly, but it is hand spun and hand woven material and provides some additional income for farmers. Material is often cotton and the fabric is coarser than machine woven one.) And this coarser structure is exactly what I like about it, together with the woven pattern.

Und weil ich ja weiß, wie ich mit Nähen hinterher komme, habe ich einen davon bei meiner Freundin in die Waschmaschine geworfen und gleich zu einer Kurta verarbeiten lassen. 🙂 Was mich weniger als 2 EUR kostete. (Und das war schon bei einer gutsituierten Designerin in Bangalore, nicht der Dorfschneider.) Faszinierend finde ich auch die Tüte, in der ich meine Tunika bekam: Aus einer alten Zeitung sorgsam gefaltet und geklammert. So einfach kann Recycling sein.

And since I know how not fast I am sewing I threw one of the fabrics in my friends washing machine and had her tailor making me a kurta. 🙂 Which did cost me less than 2 EUR. (And that was already a well to do designer in Bangalore, not a tailor at some remote village.) And I was fascinated by the bag I got my tunic in. Folded and stapled from an old newspaper. Recycling can be so easy.

Baranasi SilkUnd jetzt kommt die echte Handwerkskunst… Banarasi Silk. Seide aus Varanasi. An Jacquard Webstühlen von Hand gewoben in ganz feinen Mustern. Die Vergrößerung rechts im Bild versucht es einzufangen, aber die Kamera hatte Probleme, das scharf zu stellen.

And now for the real artful craft… Banarasi Silk. Silk from Varanasi. Hand Woven on Jacquard looms with the finest pattern. I tried to catch it in the zoomed part on the right, but my camera had problems to focus on it.

Typischerweise werden Metallicfäden mit der Seide kombiniert, aber es gibt sie auch Ton in Ton changierend, wie diese beiden Schals. (Wobei einer davon ein Geschenk wird… so gierig bin ich dann auch nicht.

Typically metallic thread is combined with silk to make the pattern, but they also make the weaves in hues that make the shawl look as if it could change color. (One of those is not for me but a gift, I am not that greedy…)

Banarasi SariNatürlich mußte auch einer der Saris mit. (Diesmal zeigt die Vergrößerung auch mehr von der feinen Arbeit.) Prächtig dekoriert ist nur der Pallu, der Rest ist dezenter. Was man auf dem Bild auch nicht sieht, ist die changierende Grundfarbe. Kette und Schuß sind in verschiedenen Farben und je nach Blickrichtung ist der Sari eher rot oder eindeutig lila.

Of course I could not leave without one of the sarees. (Here the zoom show more of the detailed pattern.) Heavily decorated is only the pallu, the rest is only slightly patterned. What the picture can not show is the ability to change to color of the basic fabric. Warp and weft have different colors and depending on how you look on it it is quite red or more purple.

Je stärker gemustert ein Teil ist, desto teurer wird es, denn es steckt mehr Arbeit drin. Wir haben auch große Tagesdecken gesehen, die durchgehend so dicht gemustert sind und in vielen Farben, daran arbeiten dann vier Männer über drei Monate. Da ich die Fabrik besichtigen konnte habe ich auch gesehen, daß immer wenigstens zwei Männer an einem Webstuhl arbeiten, um diese Muster zu gestalten.

Banarasi sareeHere the rule is the more heavily patterned the more expensive it gets because there is really a lot of work put into it. We were also shown a huge bedspread which had a dense all over pattern in many colors. That means for men are working on it for three month. We were allowed to visit the production site also, so I could see that there are at least two men working on one loom to create those pattern.

Und zum Abschluß noch ein untypisches Muster. Hier ist das Material etwas fester und steifer (ebenfalls untypisch für Banarasi Silk) und ich konnte mir spontan ein Kostüm oder ein Etuikleid daraus vorstellen, das mit den unterschiedlichen Mustern spielt. Ganz oben erkennt man auch einen einfarbigen Teil, das ist das „blouse piece“, aus dem man das Oberteil zum Sari nähen würde.  Mal sehen, ob und wann ich dazu komme, das zu verarbeiten. 🙂

To finish an atypical saree pattern. Here also the structure a less soft and a bit stiffer (also atypical for Banarasi silk) and I could imagine spontaneously a skirt-jacket combination or a simple sheath dress from it, playing with the different pattern. On top you can see a bit of a plain weave in red, that is the „blouse piece“ where you would have your tailor to make the top from. Well, let’s when I will find the time to make something of it. 🙂