Gefaltete Karojacke, die Entstehung

Folded checkered jacket and how it was made

Schnitt Jacke Butterick5927Ich erwähnte es schon, die Jacke war dann doch etwas weniger „mal eben schnell“ als geplant, daher zeige ich hier, wie ich sie genäht habe.

I think I already mentionned it, the jacket was not as quick as planned, so I’ll show you what I did.

Der Ausgangspunkt für meinen Schnitt was Butterick B5927. Ich habe die Vorderteile von Version B genommen, habe die Schößchenteile aber angeklebt, so daß ich ein durchgehendes Schnitteil hatte. Die leichte Formung, die es hatte, habe ich dabei vernachlässigt. Und ich habe das Teil an der vorderen Mitte enden lassen, weil ich einen Reißverschluss verwendet habe und keine Knöpfe. Das Rückenteil ist im Orignal mit Mittelnaht, ich habe aber im Bruch zugeschnitten und auch hier die Taillenformung aufgegeben. Dafür habe ich im Vorderteil eine FBA gemacht und so einen Brustabnäher erhalten. Die Ärmellänge habe ich ausgemessen und auf meine Wunschläge gekürzt.

The starting point for my pattern was Butterick B5937. I used view A, but added the lower front piece directly to the upper front piece so I had only one front piece. I lost a bit of shaping that way. And I made the front part only to the middle, like view C, because I made a zipper instead of buttons. The back has a shaped seam in the middle which I skipped. I cut my back on he fold, again loosing a part of the shaping. On the other hand I made an FBA and added a breast dart that way. For the sleeves I tried the pattern on my arms and shortenend it to the lengths I wanted.

genähte FaltenDanach habe ich schmale Falten (=Biesen) genäht. Ich hatte vorher verschiedene Faltenbreiten und -abstände getestet. Die Variante, die mir am besten gefiel war letztlich nicht möglich, weil ich dafür noch mehr Stoff gebraucht hätte. Ich habe die Falten jeweils ein Kästchen breit genäht und die Abstände variiert. Da ich den Stoff quer geteilt habe sieht man, wie viel Stoff diese erst wenigen Falten „gefressen“ haben.

Then I started sewing tucks (pintucks). I had tested different widths of tucks and different spacings. My preferred version was not possible, because that would have required even more material. So I finally decided for „one check“ as depth of the tucks and varied the spacing. The picture shows only a fractions of the tucks needed for one front and you can see how much fabric that „eats up“. 

Falten flach nähenAnschließend werden die Falten wieder flach genäht und zwar zuerst auf Taillenhöhe.

After that the folds are layed and sewn flat. I started on the waistline.

Anschließend werden die Falten abwechselnd in die eine und in die andere Richtung gelegt und immer wieder durch Quersteppen festgenäht. Auch hier hatte ich verschiedene Abstände vorher getestet.

Muster DetailThen the tucks are layed flat with alternating directions on the fabric and sewn that way. Again I had determined the spacing of my topstitching on samples.

Durch diese Stepperei bekommt man nicht nur einen interessanten optischen Effekt, sondern auch einen Stoff der etwas stabiler und auch wärmer wird, als der ursprüngliche eher leichte Baumwollstoff. So wird aus einem Blusenstoff ein leichter Jackenstoff. Ich habe die einzelnen Schritte absichtlich nicht gebügelt, dadurch wird der entstehende Stoff sogar ein wenig elastisch.

The result is a fabric that does not only look interesting, but that also changes it’s quality. It becomes stronger and warmer without a lining. So I could transform a blouse fabric to something suitable for a light jacket. I did not press or iron after the different sewing steps, so the resulting material has even a bit elasticity.

Vorderteil
Ich habe den Stoff zuerst gesteppt und dann zugeschnitten. Wobei ich auf Höhe des Brustabnähers die Quersteppungen erst mal weggelassen habe. Die Quersteppungen machen den Stoff ja fester und steifer, das wollte ich beim Abnäher nicht unbedingt haben.

I first topstitched the fabric and cut the pattern then. Only where the breast dart would be I left out the widthwise stitches. Those make the fabric a little stiffer and firmer which was not exactly what I wanted within the dart…

AbnäherDann habe ich die Form des Abnähers mit einer Naht markiert, habe die restlichen Quernähte jeweils bis einige Stiche in den Abnäher hinein genäht und danach den Abnäher geschlossen.

Then I staystitched the shape of the dart, made my topstitching on the rest of the fabric only until I was some stitches inside the darf and closed the dart afterwards.

Die Vorgehensweise für den Rücken war ähnlich: Erst ein rechteckiges Stück Stoff nähen, dabei habe ich von der Mitte aus angefangen. Danach zuschneiden. Und dann habe ich noch zwischen die Falten in der hinteren Mitte kleine Abnäher gesetzt, um zumindest ein bißchen Taillierung hinein zu bekommen.

For the back I worked similarily: I started sewing the folds in the middle and worked then the tucks towards the sides on a rectangular piece of fabric. Then I cut my pattern and after that I added some thin darts between the middle folds to create a bit of waist shaping.

Im Grunde genommen alles ganz einfach, kostet nur etwas Zeit. Und Nähgarn, ich habe knapp 1000m AlterfilS120 verbraucht…

Basically it’s very easy, it takes only some time. And sewing thread. I’ve used nearly 1000m of Alterfil S120…

 

Batistbluse: Haarbiesen

Biesen sind genähte Falten. Man nimmt ein Stück Stoff, faltet es, näht in einem gewissen Abstand zur Faltkante… und hat eine Biese. Die kann man dann nach Wunsch auch noch wieder flach auf dem Stoff feststeppen oder nicht.

Biesen können breit oder schmal sein, meist sind sie schmal (0,5cm – 1cm breit, würde ich schätzen), ein klassisches Beispiel wäre die Brustpartie eines Frackhemdes.

Dich gesetzt haben sie den Vorteil, daß feine Stoffe blickdichter und stabiler werden, ohne steif zu werden (wie mit einer Einlage), außerdem sind sie dekorativ. Früher, als Kleidung noch lange halten mußte, waren Biesen auch beliebt, um Kinderkleider mitwachsen zu lassen, da man sie auftrennen und so mehr Weite oder Länge (je nach Position der Biesen) gewinnen kann.

Zwillingsnadel und BiesenfußGanz feine Biesen nennt man auch Haarbiesen, sie sind nur wenige Millimeter breit. Die kann man nun entweder wie oben beschrieben nähen, oder man macht sich die Sache einfach und benutzt den Biesenfuß. Wie das Bild zeigt, arbeitet man hier mit der Zwillingsnadel.

Die Breite der Zwillingsnadel muß zur dicke des Stoffes und zur Rillenbreite des Biesenfußes passen: Je feiner der Stoff, desto geringer der Nadelabstand und desto mehr Rillen kann der Fuß haben. Bei meinem Stoff wäre jetzt auch ein Biesenfuß mit sieben oder neun Rillen geeignet gewesen, aber da ich den 5er Fuß nun mal habe, wird es der.

Außerdem wollte ich die Biesen ohnehin nicht so extrem nahe beieinander haben.

(Haarbiesen sind meist rein dekorativ, ich habe aber auch schon an einem Abendkleid diese feinen Biesen längs bis zur Taille ins Oberteil genäht. Das ergab keine sichtbaren Falten, aber knapp 3cm mehr Luft, um den Bauch trotz des schmalen Kleides etwas zu kaschieren.)

Als Nadel habe ich eine 80er Zwillingsnadel (gäbe es die eigentlich auch in feiner??) mit einem Nadelabstand von 2mm. Je kleiner der Nadelabstand, desto feiner hinterher die Biese. Was aber eben nur bei feinen Stoffen geht, bei einem dicken Stoff gäbe es noch keinen Bieseneffekt, sondern nur zwei parallele Stepplinien.

Da ich auf meinem Stoff ja nicht nur Struktur, sondern auch Farbe haben wollte, verwende ich Maschinenstickgarn, Mettler Polysheen, weil es da den richtigen Farbton gab. Feines Nähgarn ist aber eine ebenso gute Möglichkeit.

Die Biese entsteht, indem der Unterfaden den Stoff zusammenzieht. Daraus folgt, daß man ein bißchen mit der Fadenspannung spielen muß.

Ich habe mir also erst mal ein Stück Stoff und mein Garn genommen (ich hatte noch was von der gleichen Sorte der selben Marke, das durfte zum Testen herhalten) und habe Testbiesen genäht. Die Unterfadenspannung kann man bei der Bernina zum Glück einfach verstellen, indem man den Faden durch ein weiteres Öhr an der Spulenkapsel stellt. Die Oberfadenspannung landet am Ende knapp auf fünf. (Also etwas fester als normal.)

Ist die Spannung zu locker, entsteht keine Biese, ist sie zu fest, gibt es einen Kräuseleffekt gratis obendrein.

Biesenabstand durch BiesenfußAuf den Teststücken habe ich dann auch gleich rumprobiert, in welchem Abstand ich meine Biesen haben will. Am einfachsten ist es, wenn man die Rillen des Biesenfußes benutzt. Entweder in jede Rille eine Biese oder nur in jede zweite… Wie man mag.

Eigentlich würde ich den Stoff lieber nur ganz grob in passende Stücke schneiden und erst nach dem Verzieren zuschneiden. Da der Stoff aber knapp ist, scheidet diese Option aus. Bei den Vorderteilen lasse ich zur vorderen Mitte hin eine breite Zugabe (wie viel Stoff das Muster schluckt, mißt man am besten auch am Teststoff), das Rückenteil schneide ich erst mal nur als ausreichend breites Rechteck zu.

Biesenabstand mit WattierlinealAußer den Rillen benutze ich für die Abstände natürlich auch die Kante des Nähfußes und das Wattierlineal, das auch in den Biesenfuß eingesetzt werden kann.

Für das letzte Bild habe ich den Nähfuß noch mal auf die fertig genähten Biesen aufgesetzt und man erkennt, wie ich die verschiednen Führungsmöglichkeiten genutzt habe, um möglichst wenig Linien vorzeichnen zu müssen. Denn das ginge in dem Fall nur von der rechten Seite und stellt immer das Problem, wie man die Markierung am Ende rückstandsfrei wieder wegbekommt.

Haarbiesen bügelt man eigentlich gar nicht, weil sie nicht flach gebügelt werden, sondern als kleine Wülste stehen bleiben. Genau bis zur Kante hin bügeln ist sehr mühsam. grmpf

(Außerdem… ich glaube, auf der langen Strecke zieht es den Stoff doch etwas zusammen, was auf meinem kurzen Probestück nicht zu erkennen war. Aber für noch einen Versuch reicht das Stickgarn eh nicht… also bleibts, wird gebügelt und mit dem Rest werde ich leben.)