Verstrickt & Zugenäht – Die Frage der Woche 39/2006

Nähfreundin will wissen:

Ab welcher Größe fangen für dich Reste an; besser gefragt: Welche Stoffmenge hebst Du auf, um sie evtl. anderweitig verarbeiten zu können?

Tja…. kommt drauf an.

Ich habe große Reste, die kommen in die Stofftruhe zurück. Das sind in erster Linie Sachen, die noch die volle Breite haben und so.. hm… je nach Stoffart 40 oder 50cm lang sind.

Dann habe ich kleiner Reste, die kommen in eine andere Truhe. Zum Flicken, aber auch für Applikationen und so. Sagen wir… Handgroß sollten sie sein, also mindestens handbreit und lang wie meine Hand. Aber auch das kommt drauf an. Bei Motivstoffen reicht auch mal ein Motiv. Auch bei Wäschestoffen und Wäschespitze kann das ein kleines Stück sein.

Ganz schmale Reste, etwa abgeschnittene Webekanten, das ist Müll, das werfe ich weg.

Kongress(aus)beute

Gestern bin ich vom Kongress nach Hause gekommen. (In Aachen noch mal ausschlafen bevor ich mich ans Steuer setze ist mir immer lieber. Wobei das mit dem Ausschlafen… ) Und hatte heute endlich mal die Muße, meine „Beute“ zu sortieren.

Mitbringsel vom KongressEine Plastikkiste hatte ich mitgenommen, zum großen Teil für den Tauschtisch, die Unterlagen und Materialien für meinen eigenen Kurs hatte ich dabei (soweit sie nicht von ULME, Prym, Organ und ich glaube das Stickgarn hatte peterle mal eben schnell aus seinem eigenen Laden beigesteuert, kamen) und die eine oder andere Kleinigkeit, die aus anderen Gründen bei einer anderen Hobbyschneiderin landen sollte.

Als ich zurückfuhr, hatte die Kiste an Volumen abgenommen, der Schlafsack ging noch hinein, der vorher einzeln im Auto herumgeflogen war.

Trotzdem habe ich wieder viel mehr bekommen als ich gegeben habe.

Und beim Sortieren und Befingern meiner „Schätze“ bemerkte ich, daß meine „Ausbeute“ letztlich das reflektiert, was das Hobbyschneiderin-Forum für mich bedeutet.

Der rosa Nicki und die Ottobres kommen von kitoma. Ich möchte für eine Freundin, die ein Baby erwartet, einen Strampler nähen und dazu einen Rest verwenden. Dummerweise brauche ich aber zu dem Rest genug anderen Stoff und zwar in Rosa. Und genau dieses Rosa… habe ich dieses Jahr in den Läden nicht gefunden. Da Kitoma eine Tochter hat und auch schon mal rosa näht, habe ich sie nach einem Rest gefragt. Den brachte sie mir mit und gleich zwei Ottobres mit Schnitten dazu. Die Ottobres bekommt sie natürlich wieder, keine Frage. 😉

Eine meiner ersten Anlaufstellen auf dem Kongress (oder schon am Freitag beim Aufbau) war natürlich mal wieder Herr Ruppel von Organ-Nadeln. Ich jammerte, daß die Titansticknadeln nur einer größengemischten Box zu haben sind. Und siehe da… er zog ein Briefchen mit zehn feinen Titansticknadeln aus den unergründlichen Tiefen seines Koffers. Daß es auch Jerseysticknadeln mit Titanspitze gibt wußte ich vorher nicht. Nun gut, Kollateralschaden im Geldbeutel. :o) Das dürfte allerdings auf Jahre hinaus reichen, so viel verbrauche ich beim freien Sticken ja nicht. Zur 6mm breiten Zwillingsnadel konnte er mich dann doch nicht überreden, mir fiel gerade noch ein, daß die Stichplatte meiner Maschine keine so breite Öffnung hat.

Dank des Kurses, den ich selber gegeben habe, konnte ich mir die neuen BerninaMaschinen wenigstens mal angucken. Glücklicherweise konnte ich schon am Aufbautag der netten Dame (deren Namen ich leider nicht weiß) über die Schulter gucken und sie hat mir die für mich wichtigen Funktionen kurz erklärt. Also ob ich nicht geahnt hätte, daß ich zur Einweisungszeit am Samstag morgen noch beim großen Scherzkeks mit Transportaufgaben für den Stand betraut sein würde. Auch wenn ich selber nicht drauf nähen durfte, habe ich doch genug gesehen um meine bislang negative Meinung gegenüber Nähmaschinen mit Touch-screen zu relativieren. Man kann das doch auch relativ intelligent machen. Außerdem habe ich gelernt, daß ich bereits eine Fußverlägerung für meine Maschine besitze… gut zu wissen.

Neben dem positiven Feedback meiner Kursteilnehmerinnen (was mich immer am meisten freut) habe ich hoppla noch eine Sticknadel behalten. Die hatte ich in der Tasche, damit sie nicht verloren geht und deswegen bei der Rückgabe übersehen.

Den Tauschtisch habe ich selber eifrig mitbestückt. Schon beim Zusammenpacken habe ich mir bei jedem Stück oder jeder Packung überlegt, wie viel Freude wohl der Empfänger haben wird. (Die meisten Sachen waren auch schnell weg, da lag ich wohl nicht so falsch. Ob ich irgendwann mal etwas in der Galerie wieder sehe?) Und kaum hatte ich die Burdas abgelegt, kam Bärbel vom Nachbarblog herbei und sackte sie wieder ein. Da sie die Aktion vor lauter Stemplerei in den letzten Wochen nicht mitbekommen hatte, gab ich ihr gleich von meinen Wertmarken ab, so daß sie die Hefte wieder eintauschen und spenden konnte. 😀 Für mich selber habe ich den Cutter mitgenommen, so was wollte ich schon lange. Ein bunter Stoffrest mit Tieren sowie eine Tüte mit Fisch- und Clownknöpfen hatte hingegen „großer Scherzkeks“ drauftätowiert. (In den unsichtbaren Buchstaben, die nur Freunde lesen können… gg) Deswegen habe ich sie für Silvia ertauscht. Und dann hatte ich auf einmal keine Zeit mehr, noch mal nachzugucken… was mache ich jetzt mit den restlichen Marken? :o)

Blauweiß“chens Webseite hatte ich über das Forum ja schon länger kennengelernt. Und diverse Prägeideen schwirren schon seit drei Jahren in meinem Kopf herum. Doch bei Experimenten muß ich das Material einfach erst mal sehen, bevor ich mir was kaufen kann. Deswegen habe ich meinen „Kursleiterverdienst“ (das Material hatte ich ja schon letzten Monat gekauft und bezahlt… wie… Milchmädchenrechnung…? unschuldig guck) da angelegt. Zu den Modeln und der farblosen Farbe gab es gemeinerweise auch noch Kataloge mit anderen Modeln… und daß ich auf Rechnung überweisen darf hat die Kaufdisziplin nicht gerade befördert… 😀

Bei Burda kam mir die aktuelle Ausgabe gerade recht. (Wie gut, daß ich kein Abo habe, dann wäre das Heft bei mir daheim im Briefkasten versauert. Na gut, vor Sonntag Nacht kam ich auch nicht zum reingucken… ) Gratis obendrein gab es von Frau Tengler einen Tip, wie ich meinen Querfalten- Problem- Shirt- Schnitt ändern kann, um das Problem wegzubekommen. Ich hab“s notiert und beim nächsten Versuch an diesem Schnitt werde ich das ausprobieren. Außerdem löste sie mit wenigen Worten, das Rätsel, warum mir viele Sachen über der Brust zu eng sind, obwohl ich nur ein „B und ein bißchen was“ Körbchen trage. Hohl drüber, aha… Hör auf, so dreckig zu lachen, Ma-san mit dem flachen Hintern. 😛

Die Anleitungen von Junghans-Wolle war eine „Auftragsarbeit“ für meine liebe Mami. Die hat früher gerne dort Strickgarne bestellt, aber seit die Kataloge keine eingeklebten Wollfransen mehr haben, wurde das uninteressant. Denn sie ist bei Wolle in bezug auf die Farbe ähnlich pingelig wie ich bei Stoff. Und überhaupt ist Anfassen wichtig. Und nur wegen der Anleitung rentieren sich die Versandkosten nicht recht. Leider gab es nur noch Anleitungen von diesem Jahr, ein paar alte hätte sie auch gerne gehabt. Aber jetzt bekommt sie wieder einen Katalog. Die nette Dame von Junghans sagte mir nämlich, es gebe wieder Griff- und Fummelproben…

Bei der Firma Cremer KG brauchte ich ein wenig, aber dann fiel es mir ein: die schicken mir ja immer die Vogue und Butterickschnitte, die ich in Köln über die Läden bestelle. Denn in meiner Größe sind die ja nie vorrätig. Im Gegensatz zu Bärbel schaffte ich es ja, bei den Schnittmustern „eisern“ zu bleiben, aber den bedruckbaren Stoff mußte ich mir zulegen… Ich fürchte… das wird auch noch eine längere Beziehung. 😀 Euskirchen ist ja nicht so weit und man könnte auch vor Ort, sagte er…

Eigentlich wollte ich doch nur einen kurzen Kongressrückblick schreiben. Irgendwas ist mir wieder mal fürchterlich aus dem Ruder gelaufen 😛

Ganz überraschend und unerwartet war die Begegnung mit Herrn Seitz von Alterfil. Da Nähgarn kannte ich ja schon länger, weil peterle und der große Scherzkeks es führen und benutze es auch gerne. Aber was noch alles dahinter steckt und was der unauffällige, freundliche Franke (Gelobte Heimatklänge in der Fremde!) noch alles zu sagen wußte… von Elastizität, einem endlos gesponnenen Polyesterkern, dem Produktionsstandort in Deutschland… uff Bärbel, du hattest versprochen, das alles zu erklären. 😉 Jedenfalls nehme ich von ihm nicht nur Bleistift und Linieal sowie die Fadenschere mit (letztere gab er am Sonntag Bärbel extra für mich mit) sondern auch eine weitere gute Erinnerung. (Und Bärbel gab mir in hobbyschneiderlicher Großzügigkeit noch eine Rolle Nähgarn ab, die sie kurz vor Kongressende noch bekommen hatte.)

Mein Kopf ist noch immer so voll. Voll von Erlebnissen… die ich jetzt nicht mehr erzähle, weil sie keiner mehr liest. Erinnerungen an die Abendessen (das Gespräch über Schutzbriefe und Pannendienste am Sonntag, als plötzlich peterles Telephon ging und Sabine ihre Autopanne meldete), kurze Nächte, mit Unterhaltungen in kleiner Runde bis morgens um drei zwischen den Stoffballen im Scherzkeks-Laden (der Fluch der zentralen Lage und der Kaffeemaschine :o)), der Austausch, das aneinander denken und miteinander nähen, die kreativen Ideen, sich helfen…. und… und… und…

Ich glaube an Wunder.

Und an Aachen 2007!

Kongress der Hobbyschneiderin: The Day Before

StandaufbauFür die meisten ist es ja erst morgen (heute?) ab 10.00 Uhr so weit.

Doch für die Aussteller war es heute schon so weit.

Kisten mit NähmaschinenUnd man fragt sich, ob aus all diesen Kisten und Karton an nur einem Tag wirklich ein Kongress werden kann…

StoffkistenDamit ihr seht, wie fleißig alle waren, habe ich hier ein paar Bilder. Vom Chaos…

Wollchaos
Standaufbau Babylock… von vollem Körpereinsatz…

Standaufbau Scherzkeks-Stoffe… von ganzen Familienverbänden…

Maschinenaufbau… Profis, unterstützt von fleißigen Hobbyschneiderinnen und Ehemännern.

Stand von BurdaDie einen legen letzte Hand an…

Kursvorbereitung… andere bereiten ihren Workshop vor. (Und ich dachte schon, ich wäre spät dran gewesen, heute morgen… 😀 ) Wunderweicher Walk, für Kissen doch eigentlich viel zu schade, wenn ihr mich fragt… 😉

Patchworkstricken im StrickcaféUnd tolle Sachen im Strickcafe…

Dabei ist das noch lange nicht alles… In wenigen Stunden geht es los. Also: auf nach Aachen, wenn ihr da noch nicht seid!

Verstrickt & Zugenäht – Die Frage der Woche 38/2006

Nähfreundin will wissen:

Welchen Stoff/ Material vernähst du am liebsten und warum?

Am liebsten aus nähtechnischer Sicht eigentlich schöne Wolltuche. Die legen sich schön, lassen sich gut bügeln und dressieren… spielen eigentlich bei allem gut mit.

Komischerweise wird für Anfänger ja immer Baumwolle empfohlen, dabei ist Wolle doch viel einfacher zu verarbeiten? :-/

Revue de Presse: F.i.m.i. Winter 2006

Ein weiterer Vorteil des Händlertages: Ich konnte einen Blick in Silvias druckfrische F.i.m.i. werfen…. Die Modell kommen ja alle in den Größen S bis XL, aber wenn ich ehrlich bin… es gibt einen Grund, daß die vorführenden Modells in Heft und auf der Bühne alle eher S hatten. Wirklich für große Größen geeignet…? Eher nicht.

Der Titel kommt ziemlich schwarz-weiß daher, innen geht es mit der Rechteckaufteilung wie beim letzten Heft weiter. Nur daß die Rahmen schwarz und weiß sind, nicht dieses komische k…gelb. :o)

Recht festlich sieht es diesmal aus… Corsage und langer Samtrock, Pannesamt-Kleid mit Pailletten… kurze Hosen im Winter hingegen… mag ja „in“ sein, aber praktisch ist es nicht. Die Shrug-kurzen Jäckchen mit Rüschen allerdings auch nicht. 😛 Und Kniehosen… standen mir schon nicht, als ich sie mit 16 getragen habe.

Interessent sieht die Weste 3164 mit der schrägen Knöpfung aus. Allerdings… wenn ich genau hinsehe… mit der schrägen Knöpfung sitzt sie auch ein bißchen schief… gg

Der Zipfelrock 3167 könnte was sein… ist der Stoff mit Borte? Ne? Dekorstoff aufnähen?? Au weia, das sieht nach Arbeit aus… aber pfiffig und tragbar. Zumindest mit einem deutlich längeren Oberteil… bei mir.

Fleißarbeit auch Rock 3174… zähl 16 Bahnen… in einfacher Stofflage. Könnte aber gut aussehen… hm…

Die Micro-Pelerine aus Krimmer verdient eindeutig einen Preis für Nutzlosigkeit. Sah aber gut aus, auf der Bühne… so kann man den „Rußlandstil“ also auch umsetzen…

Die Jacken im Uniformstil sind nicht so meins, glaube ich. Ballonröcke sind ganz bestimmt nicht meins… bäh Schade um den schönen Stickereitaft…

Der Pseudo-Wickelausschnitt von dem Shirt hingegen… aber die Puffärmel dazu…? :-/ Hm…

autsch!

Wie, Finger weg von deinem Heft?!? (Mist, sie hats gemerkt… :o)) Dochdochdoch, ich hätte eigentlich noch genug zu nähen…

Okay, Freitag (vorher komme ich nicht wieder nach Aachen) im Laden oder Samstag auf dem Kongress… schon gut… neidisch rüberguck

Schon gut…

Blick hinter die Kulissen: Ein Händlertag

Kleid BBGWenn eine Freundin als Stoffhändlerin bereit steht, einen mit „Suchtstoff“ zu versorgen hat das ja nicht nur Vorteile. (Man frage meinen besten Ehemann von allen zum Thema „Stoffvorräte“ gg) Aber ich bekomme dafür auch ab und an einen Blick hinter die Kulissen. Nicht nur beim Einräumen von Kurzwaren schuft uff, sondern als „Belohnung“ gibt es auch den einen oder anderen Messebesuch.

SamtkleidHeute ging es nach Holland, zum Händlertag von BBG.

Auf der einen Seite brutal hart: Ich stehe vor hohen Regalen die vor Stoffen überquellen…. und ich kann nichts kaufen! Denn obwohl Famlienmitglieder der Händler willkommen sind… kaufen können eben nur die Händler selber, so mit einstecken, bar zahlen und mitnehmen ist da nix. Da sind die knallhart. (Okay, jedesmal an ganzer Ballen ist auch nicht so praktisch… )

KinderkleidAber zum Gucken gibt es trotzdem genug: Nicht nur die Stoffe der aktuellen Kollektion, auch Musterware, deren Farben oder Drucke es letztlich nie in die Produktion geschafft haben regen zumindest meine Phantasie heftig an.

Und natürlich die Modeschau. Die Modelle aus der F.i.m.i, der BizzKids und von Patz werden so erst richtig lebendig.

Daher kommen hier meine persönlichen Lieblingesbilder:

Ein einfach geniales, elegantes Kleid (auch wenn ich die Figur dazu nicht habe und die Farben mir wohl auch nicht stehen).

Das Modell aus dem roten Samt mit der Ausbrennerbordüre, den ich im Laden schon ein paar Mal gestreichelt habe. (Soll ich…? )

Kombi für Jungs

rosa Kinderkleid

Enorm süße kleine Modells hatten sie…

Und pfiffige Sachen für Jungs.

Und hat jemand eine Vorstellung, wie man diese so fürchterlich süßen „Schneeball“ Haargummis hinbekommt?!?

Oder was ich tun kann, um den tollen Stoffen zu widerstehen, die es in allen Konzept-Stores komplett gibt?

Wie bringe ich das nur meinem Ehegespons bei… :-/ 😀

Batistbluse: Zuschnitt vollenden

Da ich die Vorderteile aus Materialmangelgründen schon grob zuschneiden mußte, muß ich sie jetzt erst mal mit den Schnitteilen wieder in Übereinstimmung bekommen.

Vorderteil zugeschnittenWas nicht ganz einfach ist, denn durch das Biesennähen, Sticken, Waschen und Trocknen hat sich der Stoff letztlich doch etwas verzogen, ist geschrumpft… etc.

Da ich die „Armausschnittseite“ schon fertig zuschneiden mußte, muß hier der Stoff also wieder so genau wie möglich auf (bzw. unter) das Schnitteile passen. Der Rest an Ungenauigkeit wird nach Gefühl „beigeschoben“.

Als „Ankerpunkte“ benutze ich die Paßzeichen und Abnähermarkierungen.

Da es gerade Abnäher sind, genügt es, jeweils die Eckpunkte zu markieren, was ich vor der ganzen Stickerei auch durch Fadenkreuze gemacht habe. Als Paßzeichen habe ich nur eines am Armausschnitt, aber das genügt. Auch das habe ich mir mit Fadenkreuzen markiert.

Dann lege ich ein Vorderteil möglichs gerade und wenig verzogen auf den Boden, mein Schnitteil oobendrauf (Folie hat hier den großen Vorteil, daß man durchsehen kann und so gut positionieren.) und stecke Stoff und Folie zuerst an den „Ankerpunkten“ fest. Der Rest wird dann nach Gefühl in Form der Folie gezogen und geschoben und Schulter, Armausschnitt und Seite festgesteckt.

Erst zum Schluß stecke ich Kragen und vordere Kante fest, wo ich dann noch zuschneide.

Obwohl ich eigentlich in der Breite für mein Gefühl reichlich zugegeben habe, ist nicht mehr so wahnsinnig viel übrig… und oops kürzer ist es durch die Biesen auch geworden. Hm

(Wenige Tage später fällt mir dank felis alpina ein Buch in die Hände, das für diese Fälle Sprühstärke empfiehlt. Vorher, versteht sich. :o) Naja, nächstes Mal… )

Batistbluse: Hohlsaum ohne Saum

Die Schwertnadel oder Wingnadel benutzt man eigentlich, um Hohlsaum-Effekte zu erzeugen. Doch ich will ein feines Lochmuster mitten im Gewebe und das geht natürlich auch.

Stoff mit Heat Away verstärktZwischen meinen Biesenreihen habe ich etwa einen Nähfuß breite Streifen frei gelassen und da kommt jetzt noch eine Stickerei hinein.

Als geeigneten Stabilisator hatten meine Testreihen ja das brettsteife Sulky Heat Away ermittelt. Das schneide ich in schmale Streifen, lege diese unter den Stoff zwischen die Biesen und hefte (seufz) es fest. Glücklicherweise geht das mit der Nähmaschine, Stichlänge auf 4,5 und einmal links und einmal rechts an den Längsrändern des Stabilisators entlang.

Zierstich mit der SchwertnadelAuf meinen Teststücken hatte ich natürlich auch verschiedene Stichkombinationen ausprobiert. Bei der Schwertnadel entsteht der Effekt dadurch, daß die breite Nadel die Gewebefäden verdrängt und der Nähfaden diesen Effekt möglichst unterstützt, in dem er verhindert, daß die Gewebefäden nicht wieder in ihre ursprüngliche Position zurückrutschen. Besonders gut eignen sich Stiche, bei denen die Nadel mehrfach in das gleiche Loch einsticht. (Manchmal sind die auch schon als „Hohlsaumstiche“ in der Anleitung oder im Maschinenmenue gekennzeichnet.)

Da auch die Menge meines Stickfadens limitiert ist (ich will ja die vorhandene Stickgarnrolle aufbrauchen) und ich es auch nicht allzu romantisch überladen will, entscheide ich mich für eine Kombination aus dreifach Geradstich und Sternchenstich. (Nutzstiche heißen deswegen Nutzstiche, weil sie auch für Verzierungen nutzbringend einsetzbar sind. gg)

Dank guter Planung der Biesenabstände kann ich die Biesen jetzt als Führung für den Nähfuß (offener Stickfuß in diesem Fall) nutzen.

Mist

Stickgarn reicht doch nicht… grmpf Glücklicherweise kann mir Anne ganz schnell postalisch aushelfen. Das Stickgarn hatte ich nämlich aus Aachen, in Köln führt niemand diese Marke. (Oder ich weiß es zumindest nicht.)

Heat Away nach dem BügelnNach ein paar Tagen materialbedingter Arbeitspause wird auch die Stickerei fertig und der brutale Teil beginnt: Abbrennen.

Also nicht den Stoff oder die Stickerei, nur den Stabilisator.

Der heißt nämlich nicht ohne Grund „Heat Away“, er wird tatsächlich durch Hitze beseitigt.

Also Stoff mit der linken Seite nach oben auf das Bügelbrett gepackt, Bügeleisen schön heiß (Baumwolle) gemacht (Sowohl Stoff als auch Stickgarn vertragen das, andernfalls die Bügeltemperatur senken oder Backpapier dazwischen legen.), auf den Stabilisator gestellt … und dann Geduld haben.

Allmählich färbt sich das Heat Away braun (Na hoffentlich verbrennt der Stoff nicht… ) und bräuner…. und kann dann tatsächlich mit dem Finger oder einer Bürste in kleine Krümelchen zerstört werden.

Die man dann am besten über dem Waschbecken, der Badewanne oder im Freien rausschüttelt. Und nicht vergessen, hinterher das Bügelbrett abzusaugen. :o)

Fertiger ZierstichDurch das Bügeln von links sind die Biesen jetzt kreuz und quer plattgedrückt, ich habe Querfalten eingebügelt und überhaupt sieht das nicht gut aus.

Also werfe ich die Stoffteile einfach mal ins Wasser (entfernt auch die letzten Reste Heat-Away-Krümel) und hänge sie auf die Wäscheleine. Hoppla, die Heftfäden sollte ich vielleicht vorher noch entfernen.

Und danach sieht meine Stoff so aus.

Jetzt nur noch fertig zuschneiden und nähen…

Verstrickt & Zugenäht – Die Frage der Woche 37/2006

Nähfreundin will wissen:

Bist Du auch vom SWAP-Fieber befallen?

Wenn nicht, warum?

Klare Antwort: Nein, bin ich nicht.

Ich nähe schon seit Jahren mit Plan, nicht so strikt, bei meinem Nähtempo würde ich auch mit elf Teile nie fertig, aber ich überlege, zu welchem Anlass oder welcher Gelegenheit ich was brauche und nähe dann immer zusammenpassend.

Für die Arbeit ist das in der Regel ein Kostüm oder Hosenanzug mit zwei Oberteilen, für die Freizeit dann eben Rock oder Hose mit zwei passenden Oberteilen.

Und da ich so gewisse bevorzugte Farbstellungen habe (zur Zeit türkis oder rot, das verträgt sich untereinander allerdings gar nicht), passen ja auch die Sachen vom Vorjahr oder den Vorjahren noch dazu. So habe ich inzwischen eine (naja, eher zwei…) kompakte Grundgarderoben, wo ich untereinander viel kombinieren kann. Speziell auf Reisen auch praktisch, ganz besonders, weil man mit weniger Schuhen auskommt.

Und weil ich im Moment ausreichend „Basis“ habe, kann ich mir in nächster Zeit auch ein paar Einzelstücke neben der Reihe „leisten“. 🙂

(Böse Zungen behaupten ja, ich würde aus Prinzip immer genau das Gegenteil von allen anderen machen. Aber… ich kann nichts dafür, es passiert einfach. 😉 )

Batistbluse: Haarbiesen

Biesen sind genähte Falten. Man nimmt ein Stück Stoff, faltet es, näht in einem gewissen Abstand zur Faltkante… und hat eine Biese. Die kann man dann nach Wunsch auch noch wieder flach auf dem Stoff feststeppen oder nicht.

Biesen können breit oder schmal sein, meist sind sie schmal (0,5cm – 1cm breit, würde ich schätzen), ein klassisches Beispiel wäre die Brustpartie eines Frackhemdes.

Dich gesetzt haben sie den Vorteil, daß feine Stoffe blickdichter und stabiler werden, ohne steif zu werden (wie mit einer Einlage), außerdem sind sie dekorativ. Früher, als Kleidung noch lange halten mußte, waren Biesen auch beliebt, um Kinderkleider mitwachsen zu lassen, da man sie auftrennen und so mehr Weite oder Länge (je nach Position der Biesen) gewinnen kann.

Zwillingsnadel und BiesenfußGanz feine Biesen nennt man auch Haarbiesen, sie sind nur wenige Millimeter breit. Die kann man nun entweder wie oben beschrieben nähen, oder man macht sich die Sache einfach und benutzt den Biesenfuß. Wie das Bild zeigt, arbeitet man hier mit der Zwillingsnadel.

Die Breite der Zwillingsnadel muß zur dicke des Stoffes und zur Rillenbreite des Biesenfußes passen: Je feiner der Stoff, desto geringer der Nadelabstand und desto mehr Rillen kann der Fuß haben. Bei meinem Stoff wäre jetzt auch ein Biesenfuß mit sieben oder neun Rillen geeignet gewesen, aber da ich den 5er Fuß nun mal habe, wird es der.

Außerdem wollte ich die Biesen ohnehin nicht so extrem nahe beieinander haben.

(Haarbiesen sind meist rein dekorativ, ich habe aber auch schon an einem Abendkleid diese feinen Biesen längs bis zur Taille ins Oberteil genäht. Das ergab keine sichtbaren Falten, aber knapp 3cm mehr Luft, um den Bauch trotz des schmalen Kleides etwas zu kaschieren.)

Als Nadel habe ich eine 80er Zwillingsnadel (gäbe es die eigentlich auch in feiner??) mit einem Nadelabstand von 2mm. Je kleiner der Nadelabstand, desto feiner hinterher die Biese. Was aber eben nur bei feinen Stoffen geht, bei einem dicken Stoff gäbe es noch keinen Bieseneffekt, sondern nur zwei parallele Stepplinien.

Da ich auf meinem Stoff ja nicht nur Struktur, sondern auch Farbe haben wollte, verwende ich Maschinenstickgarn, Mettler Polysheen, weil es da den richtigen Farbton gab. Feines Nähgarn ist aber eine ebenso gute Möglichkeit.

Die Biese entsteht, indem der Unterfaden den Stoff zusammenzieht. Daraus folgt, daß man ein bißchen mit der Fadenspannung spielen muß.

Ich habe mir also erst mal ein Stück Stoff und mein Garn genommen (ich hatte noch was von der gleichen Sorte der selben Marke, das durfte zum Testen herhalten) und habe Testbiesen genäht. Die Unterfadenspannung kann man bei der Bernina zum Glück einfach verstellen, indem man den Faden durch ein weiteres Öhr an der Spulenkapsel stellt. Die Oberfadenspannung landet am Ende knapp auf fünf. (Also etwas fester als normal.)

Ist die Spannung zu locker, entsteht keine Biese, ist sie zu fest, gibt es einen Kräuseleffekt gratis obendrein.

Biesenabstand durch BiesenfußAuf den Teststücken habe ich dann auch gleich rumprobiert, in welchem Abstand ich meine Biesen haben will. Am einfachsten ist es, wenn man die Rillen des Biesenfußes benutzt. Entweder in jede Rille eine Biese oder nur in jede zweite… Wie man mag.

Eigentlich würde ich den Stoff lieber nur ganz grob in passende Stücke schneiden und erst nach dem Verzieren zuschneiden. Da der Stoff aber knapp ist, scheidet diese Option aus. Bei den Vorderteilen lasse ich zur vorderen Mitte hin eine breite Zugabe (wie viel Stoff das Muster schluckt, mißt man am besten auch am Teststoff), das Rückenteil schneide ich erst mal nur als ausreichend breites Rechteck zu.

Biesenabstand mit WattierlinealAußer den Rillen benutze ich für die Abstände natürlich auch die Kante des Nähfußes und das Wattierlineal, das auch in den Biesenfuß eingesetzt werden kann.

Für das letzte Bild habe ich den Nähfuß noch mal auf die fertig genähten Biesen aufgesetzt und man erkennt, wie ich die verschiednen Führungsmöglichkeiten genutzt habe, um möglichst wenig Linien vorzeichnen zu müssen. Denn das ginge in dem Fall nur von der rechten Seite und stellt immer das Problem, wie man die Markierung am Ende rückstandsfrei wieder wegbekommt.

Haarbiesen bügelt man eigentlich gar nicht, weil sie nicht flach gebügelt werden, sondern als kleine Wülste stehen bleiben. Genau bis zur Kante hin bügeln ist sehr mühsam. grmpf

(Außerdem… ich glaube, auf der langen Strecke zieht es den Stoff doch etwas zusammen, was auf meinem kurzen Probestück nicht zu erkennen war. Aber für noch einen Versuch reicht das Stickgarn eh nicht… also bleibts, wird gebügelt und mit dem Rest werde ich leben.)