Verstrickt & Zugenäht – Die Frage der Woche 38/2006

Nähfreundin will wissen:

Welchen Stoff/ Material vernähst du am liebsten und warum?

Am liebsten aus nähtechnischer Sicht eigentlich schöne Wolltuche. Die legen sich schön, lassen sich gut bügeln und dressieren… spielen eigentlich bei allem gut mit.

Komischerweise wird für Anfänger ja immer Baumwolle empfohlen, dabei ist Wolle doch viel einfacher zu verarbeiten? :-/

Revue de Presse: F.i.m.i. Winter 2006

Ein weiterer Vorteil des Händlertages: Ich konnte einen Blick in Silvias druckfrische F.i.m.i. werfen…. Die Modell kommen ja alle in den Größen S bis XL, aber wenn ich ehrlich bin… es gibt einen Grund, daß die vorführenden Modells in Heft und auf der Bühne alle eher S hatten. Wirklich für große Größen geeignet…? Eher nicht.

Der Titel kommt ziemlich schwarz-weiß daher, innen geht es mit der Rechteckaufteilung wie beim letzten Heft weiter. Nur daß die Rahmen schwarz und weiß sind, nicht dieses komische k…gelb. :o)

Recht festlich sieht es diesmal aus… Corsage und langer Samtrock, Pannesamt-Kleid mit Pailletten… kurze Hosen im Winter hingegen… mag ja „in“ sein, aber praktisch ist es nicht. Die Shrug-kurzen Jäckchen mit Rüschen allerdings auch nicht. 😛 Und Kniehosen… standen mir schon nicht, als ich sie mit 16 getragen habe.

Interessent sieht die Weste 3164 mit der schrägen Knöpfung aus. Allerdings… wenn ich genau hinsehe… mit der schrägen Knöpfung sitzt sie auch ein bißchen schief… gg

Der Zipfelrock 3167 könnte was sein… ist der Stoff mit Borte? Ne? Dekorstoff aufnähen?? Au weia, das sieht nach Arbeit aus… aber pfiffig und tragbar. Zumindest mit einem deutlich längeren Oberteil… bei mir.

Fleißarbeit auch Rock 3174… zähl 16 Bahnen… in einfacher Stofflage. Könnte aber gut aussehen… hm…

Die Micro-Pelerine aus Krimmer verdient eindeutig einen Preis für Nutzlosigkeit. Sah aber gut aus, auf der Bühne… so kann man den „Rußlandstil“ also auch umsetzen…

Die Jacken im Uniformstil sind nicht so meins, glaube ich. Ballonröcke sind ganz bestimmt nicht meins… bäh Schade um den schönen Stickereitaft…

Der Pseudo-Wickelausschnitt von dem Shirt hingegen… aber die Puffärmel dazu…? :-/ Hm…

autsch!

Wie, Finger weg von deinem Heft?!? (Mist, sie hats gemerkt… :o)) Dochdochdoch, ich hätte eigentlich noch genug zu nähen…

Okay, Freitag (vorher komme ich nicht wieder nach Aachen) im Laden oder Samstag auf dem Kongress… schon gut… neidisch rüberguck

Schon gut…

Blick hinter die Kulissen: Ein Händlertag

Kleid BBGWenn eine Freundin als Stoffhändlerin bereit steht, einen mit „Suchtstoff“ zu versorgen hat das ja nicht nur Vorteile. (Man frage meinen besten Ehemann von allen zum Thema „Stoffvorräte“ gg) Aber ich bekomme dafür auch ab und an einen Blick hinter die Kulissen. Nicht nur beim Einräumen von Kurzwaren schuft uff, sondern als „Belohnung“ gibt es auch den einen oder anderen Messebesuch.

SamtkleidHeute ging es nach Holland, zum Händlertag von BBG.

Auf der einen Seite brutal hart: Ich stehe vor hohen Regalen die vor Stoffen überquellen…. und ich kann nichts kaufen! Denn obwohl Famlienmitglieder der Händler willkommen sind… kaufen können eben nur die Händler selber, so mit einstecken, bar zahlen und mitnehmen ist da nix. Da sind die knallhart. (Okay, jedesmal an ganzer Ballen ist auch nicht so praktisch… )

KinderkleidAber zum Gucken gibt es trotzdem genug: Nicht nur die Stoffe der aktuellen Kollektion, auch Musterware, deren Farben oder Drucke es letztlich nie in die Produktion geschafft haben regen zumindest meine Phantasie heftig an.

Und natürlich die Modeschau. Die Modelle aus der F.i.m.i, der BizzKids und von Patz werden so erst richtig lebendig.

Daher kommen hier meine persönlichen Lieblingesbilder:

Ein einfach geniales, elegantes Kleid (auch wenn ich die Figur dazu nicht habe und die Farben mir wohl auch nicht stehen).

Das Modell aus dem roten Samt mit der Ausbrennerbordüre, den ich im Laden schon ein paar Mal gestreichelt habe. (Soll ich…? )

Kombi für Jungs

rosa Kinderkleid

Enorm süße kleine Modells hatten sie…

Und pfiffige Sachen für Jungs.

Und hat jemand eine Vorstellung, wie man diese so fürchterlich süßen „Schneeball“ Haargummis hinbekommt?!?

Oder was ich tun kann, um den tollen Stoffen zu widerstehen, die es in allen Konzept-Stores komplett gibt?

Wie bringe ich das nur meinem Ehegespons bei… :-/ 😀

Batistbluse: Zuschnitt vollenden

Da ich die Vorderteile aus Materialmangelgründen schon grob zuschneiden mußte, muß ich sie jetzt erst mal mit den Schnitteilen wieder in Übereinstimmung bekommen.

Vorderteil zugeschnittenWas nicht ganz einfach ist, denn durch das Biesennähen, Sticken, Waschen und Trocknen hat sich der Stoff letztlich doch etwas verzogen, ist geschrumpft… etc.

Da ich die „Armausschnittseite“ schon fertig zuschneiden mußte, muß hier der Stoff also wieder so genau wie möglich auf (bzw. unter) das Schnitteile passen. Der Rest an Ungenauigkeit wird nach Gefühl „beigeschoben“.

Als „Ankerpunkte“ benutze ich die Paßzeichen und Abnähermarkierungen.

Da es gerade Abnäher sind, genügt es, jeweils die Eckpunkte zu markieren, was ich vor der ganzen Stickerei auch durch Fadenkreuze gemacht habe. Als Paßzeichen habe ich nur eines am Armausschnitt, aber das genügt. Auch das habe ich mir mit Fadenkreuzen markiert.

Dann lege ich ein Vorderteil möglichs gerade und wenig verzogen auf den Boden, mein Schnitteil oobendrauf (Folie hat hier den großen Vorteil, daß man durchsehen kann und so gut positionieren.) und stecke Stoff und Folie zuerst an den „Ankerpunkten“ fest. Der Rest wird dann nach Gefühl in Form der Folie gezogen und geschoben und Schulter, Armausschnitt und Seite festgesteckt.

Erst zum Schluß stecke ich Kragen und vordere Kante fest, wo ich dann noch zuschneide.

Obwohl ich eigentlich in der Breite für mein Gefühl reichlich zugegeben habe, ist nicht mehr so wahnsinnig viel übrig… und oops kürzer ist es durch die Biesen auch geworden. Hm

(Wenige Tage später fällt mir dank felis alpina ein Buch in die Hände, das für diese Fälle Sprühstärke empfiehlt. Vorher, versteht sich. :o) Naja, nächstes Mal… )

Batistbluse: Hohlsaum ohne Saum

Die Schwertnadel oder Wingnadel benutzt man eigentlich, um Hohlsaum-Effekte zu erzeugen. Doch ich will ein feines Lochmuster mitten im Gewebe und das geht natürlich auch.

Stoff mit Heat Away verstärktZwischen meinen Biesenreihen habe ich etwa einen Nähfuß breite Streifen frei gelassen und da kommt jetzt noch eine Stickerei hinein.

Als geeigneten Stabilisator hatten meine Testreihen ja das brettsteife Sulky Heat Away ermittelt. Das schneide ich in schmale Streifen, lege diese unter den Stoff zwischen die Biesen und hefte (seufz) es fest. Glücklicherweise geht das mit der Nähmaschine, Stichlänge auf 4,5 und einmal links und einmal rechts an den Längsrändern des Stabilisators entlang.

Zierstich mit der SchwertnadelAuf meinen Teststücken hatte ich natürlich auch verschiedene Stichkombinationen ausprobiert. Bei der Schwertnadel entsteht der Effekt dadurch, daß die breite Nadel die Gewebefäden verdrängt und der Nähfaden diesen Effekt möglichst unterstützt, in dem er verhindert, daß die Gewebefäden nicht wieder in ihre ursprüngliche Position zurückrutschen. Besonders gut eignen sich Stiche, bei denen die Nadel mehrfach in das gleiche Loch einsticht. (Manchmal sind die auch schon als „Hohlsaumstiche“ in der Anleitung oder im Maschinenmenue gekennzeichnet.)

Da auch die Menge meines Stickfadens limitiert ist (ich will ja die vorhandene Stickgarnrolle aufbrauchen) und ich es auch nicht allzu romantisch überladen will, entscheide ich mich für eine Kombination aus dreifach Geradstich und Sternchenstich. (Nutzstiche heißen deswegen Nutzstiche, weil sie auch für Verzierungen nutzbringend einsetzbar sind. gg)

Dank guter Planung der Biesenabstände kann ich die Biesen jetzt als Führung für den Nähfuß (offener Stickfuß in diesem Fall) nutzen.

Mist

Stickgarn reicht doch nicht… grmpf Glücklicherweise kann mir Anne ganz schnell postalisch aushelfen. Das Stickgarn hatte ich nämlich aus Aachen, in Köln führt niemand diese Marke. (Oder ich weiß es zumindest nicht.)

Heat Away nach dem BügelnNach ein paar Tagen materialbedingter Arbeitspause wird auch die Stickerei fertig und der brutale Teil beginnt: Abbrennen.

Also nicht den Stoff oder die Stickerei, nur den Stabilisator.

Der heißt nämlich nicht ohne Grund „Heat Away“, er wird tatsächlich durch Hitze beseitigt.

Also Stoff mit der linken Seite nach oben auf das Bügelbrett gepackt, Bügeleisen schön heiß (Baumwolle) gemacht (Sowohl Stoff als auch Stickgarn vertragen das, andernfalls die Bügeltemperatur senken oder Backpapier dazwischen legen.), auf den Stabilisator gestellt … und dann Geduld haben.

Allmählich färbt sich das Heat Away braun (Na hoffentlich verbrennt der Stoff nicht… ) und bräuner…. und kann dann tatsächlich mit dem Finger oder einer Bürste in kleine Krümelchen zerstört werden.

Die man dann am besten über dem Waschbecken, der Badewanne oder im Freien rausschüttelt. Und nicht vergessen, hinterher das Bügelbrett abzusaugen. :o)

Fertiger ZierstichDurch das Bügeln von links sind die Biesen jetzt kreuz und quer plattgedrückt, ich habe Querfalten eingebügelt und überhaupt sieht das nicht gut aus.

Also werfe ich die Stoffteile einfach mal ins Wasser (entfernt auch die letzten Reste Heat-Away-Krümel) und hänge sie auf die Wäscheleine. Hoppla, die Heftfäden sollte ich vielleicht vorher noch entfernen.

Und danach sieht meine Stoff so aus.

Jetzt nur noch fertig zuschneiden und nähen…

Verstrickt & Zugenäht – Die Frage der Woche 37/2006

Nähfreundin will wissen:

Bist Du auch vom SWAP-Fieber befallen?

Wenn nicht, warum?

Klare Antwort: Nein, bin ich nicht.

Ich nähe schon seit Jahren mit Plan, nicht so strikt, bei meinem Nähtempo würde ich auch mit elf Teile nie fertig, aber ich überlege, zu welchem Anlass oder welcher Gelegenheit ich was brauche und nähe dann immer zusammenpassend.

Für die Arbeit ist das in der Regel ein Kostüm oder Hosenanzug mit zwei Oberteilen, für die Freizeit dann eben Rock oder Hose mit zwei passenden Oberteilen.

Und da ich so gewisse bevorzugte Farbstellungen habe (zur Zeit türkis oder rot, das verträgt sich untereinander allerdings gar nicht), passen ja auch die Sachen vom Vorjahr oder den Vorjahren noch dazu. So habe ich inzwischen eine (naja, eher zwei…) kompakte Grundgarderoben, wo ich untereinander viel kombinieren kann. Speziell auf Reisen auch praktisch, ganz besonders, weil man mit weniger Schuhen auskommt.

Und weil ich im Moment ausreichend „Basis“ habe, kann ich mir in nächster Zeit auch ein paar Einzelstücke neben der Reihe „leisten“. 🙂

(Böse Zungen behaupten ja, ich würde aus Prinzip immer genau das Gegenteil von allen anderen machen. Aber… ich kann nichts dafür, es passiert einfach. 😉 )

Batistbluse: Haarbiesen

Biesen sind genähte Falten. Man nimmt ein Stück Stoff, faltet es, näht in einem gewissen Abstand zur Faltkante… und hat eine Biese. Die kann man dann nach Wunsch auch noch wieder flach auf dem Stoff feststeppen oder nicht.

Biesen können breit oder schmal sein, meist sind sie schmal (0,5cm – 1cm breit, würde ich schätzen), ein klassisches Beispiel wäre die Brustpartie eines Frackhemdes.

Dich gesetzt haben sie den Vorteil, daß feine Stoffe blickdichter und stabiler werden, ohne steif zu werden (wie mit einer Einlage), außerdem sind sie dekorativ. Früher, als Kleidung noch lange halten mußte, waren Biesen auch beliebt, um Kinderkleider mitwachsen zu lassen, da man sie auftrennen und so mehr Weite oder Länge (je nach Position der Biesen) gewinnen kann.

Zwillingsnadel und BiesenfußGanz feine Biesen nennt man auch Haarbiesen, sie sind nur wenige Millimeter breit. Die kann man nun entweder wie oben beschrieben nähen, oder man macht sich die Sache einfach und benutzt den Biesenfuß. Wie das Bild zeigt, arbeitet man hier mit der Zwillingsnadel.

Die Breite der Zwillingsnadel muß zur dicke des Stoffes und zur Rillenbreite des Biesenfußes passen: Je feiner der Stoff, desto geringer der Nadelabstand und desto mehr Rillen kann der Fuß haben. Bei meinem Stoff wäre jetzt auch ein Biesenfuß mit sieben oder neun Rillen geeignet gewesen, aber da ich den 5er Fuß nun mal habe, wird es der.

Außerdem wollte ich die Biesen ohnehin nicht so extrem nahe beieinander haben.

(Haarbiesen sind meist rein dekorativ, ich habe aber auch schon an einem Abendkleid diese feinen Biesen längs bis zur Taille ins Oberteil genäht. Das ergab keine sichtbaren Falten, aber knapp 3cm mehr Luft, um den Bauch trotz des schmalen Kleides etwas zu kaschieren.)

Als Nadel habe ich eine 80er Zwillingsnadel (gäbe es die eigentlich auch in feiner??) mit einem Nadelabstand von 2mm. Je kleiner der Nadelabstand, desto feiner hinterher die Biese. Was aber eben nur bei feinen Stoffen geht, bei einem dicken Stoff gäbe es noch keinen Bieseneffekt, sondern nur zwei parallele Stepplinien.

Da ich auf meinem Stoff ja nicht nur Struktur, sondern auch Farbe haben wollte, verwende ich Maschinenstickgarn, Mettler Polysheen, weil es da den richtigen Farbton gab. Feines Nähgarn ist aber eine ebenso gute Möglichkeit.

Die Biese entsteht, indem der Unterfaden den Stoff zusammenzieht. Daraus folgt, daß man ein bißchen mit der Fadenspannung spielen muß.

Ich habe mir also erst mal ein Stück Stoff und mein Garn genommen (ich hatte noch was von der gleichen Sorte der selben Marke, das durfte zum Testen herhalten) und habe Testbiesen genäht. Die Unterfadenspannung kann man bei der Bernina zum Glück einfach verstellen, indem man den Faden durch ein weiteres Öhr an der Spulenkapsel stellt. Die Oberfadenspannung landet am Ende knapp auf fünf. (Also etwas fester als normal.)

Ist die Spannung zu locker, entsteht keine Biese, ist sie zu fest, gibt es einen Kräuseleffekt gratis obendrein.

Biesenabstand durch BiesenfußAuf den Teststücken habe ich dann auch gleich rumprobiert, in welchem Abstand ich meine Biesen haben will. Am einfachsten ist es, wenn man die Rillen des Biesenfußes benutzt. Entweder in jede Rille eine Biese oder nur in jede zweite… Wie man mag.

Eigentlich würde ich den Stoff lieber nur ganz grob in passende Stücke schneiden und erst nach dem Verzieren zuschneiden. Da der Stoff aber knapp ist, scheidet diese Option aus. Bei den Vorderteilen lasse ich zur vorderen Mitte hin eine breite Zugabe (wie viel Stoff das Muster schluckt, mißt man am besten auch am Teststoff), das Rückenteil schneide ich erst mal nur als ausreichend breites Rechteck zu.

Biesenabstand mit WattierlinealAußer den Rillen benutze ich für die Abstände natürlich auch die Kante des Nähfußes und das Wattierlineal, das auch in den Biesenfuß eingesetzt werden kann.

Für das letzte Bild habe ich den Nähfuß noch mal auf die fertig genähten Biesen aufgesetzt und man erkennt, wie ich die verschiednen Führungsmöglichkeiten genutzt habe, um möglichst wenig Linien vorzeichnen zu müssen. Denn das ginge in dem Fall nur von der rechten Seite und stellt immer das Problem, wie man die Markierung am Ende rückstandsfrei wieder wegbekommt.

Haarbiesen bügelt man eigentlich gar nicht, weil sie nicht flach gebügelt werden, sondern als kleine Wülste stehen bleiben. Genau bis zur Kante hin bügeln ist sehr mühsam. grmpf

(Außerdem… ich glaube, auf der langen Strecke zieht es den Stoff doch etwas zusammen, was auf meinem kurzen Probestück nicht zu erkennen war. Aber für noch einen Versuch reicht das Stickgarn eh nicht… also bleibts, wird gebügelt und mit dem Rest werde ich leben.)

Tag der Nähmaschine??

Was soll das denn sein, dachte ich, als ich das heute morgen bei der Hobbyschneiderin las.

Meine Neugier trieb mich dann natürlich zu einer weiteren Netzrecherche. Und nach einigem Wühlen… siehe da, zumindest in den USA findet man ein paar Verweise.

In allen geht es um die Entwicklung der Nähmaschine. Wann genau die erste von wem gebaut wurde… darüber herrscht Uneinigkeit, schon weil sich keiner genau festlegen will, was denn als „Nähmaschine“ gilt und was nicht.

Einig sind sich die Quellen dann erst wieder darüber, daß am 10. September 1846 in den USA ein Patent auf die Nähmaschine erteilt wurde und auch, daß Isaak Singer die ersten kommerziell erfolgreichen Nähmaschinen herstellte und verkaufte.

Und, habt ihr diesen Tag heute angemessen begangen? Schön genäht? 😉

Batistbluse: Klingen kreuzen

SchwertnadelMartialischer Name, Schwertnadel. Breit ist sie. Löcher macht sie in den Stoff, mit ihren beidseitigen „Schneiden“. Eine Art Beidhänder wohl.

Trotzdem, scharf ist sie nicht. Sie schneidet den Stoff nicht, sie verdrängt ihn. Deswegen nennt man sie auch Hohlsaumnadel (für Faule, die das nicht von Hand machen mögen), Flügelnadel oder Wingnadel.

Lange schon gekauft, verlegt, neu gekauft,… Jetzt ist sie dran.

Einfach mit Zierstichen losnähen, schon hat man ein hübsches Lochmuster. So der Plan. Empfohlen werden sie für nicht allzudicht gewebtes Stoffe wie auch Batist.

Die ersten Versuche hätten allerdings meinem Kräuselfuß alle Ehre gemacht oder wären als gerüschte Smok-Arbeit durchgegangen. :o)

Wildes Drehen an der Fadenspannung… Unterfaden rein in die Öse, raus aus der Öse,… Sticknadel… Microtexnadel… feine Universalnadel…

Irgendwie… mag sich mein Stoff nicht verdrängen lassen. hm Ist das überhaupt Batist? Leinwandbindig ist er. Sehr fein auch. Aber… auch ziemlich dicht gewebt. Offensichtlich nicht der ideale Stoff für die Technik, so auf den zweiten Blick. Egal.

Die Diagnose ist klar: Der Stoff muß fester werden, steifer, damit die Nadel hindurchgeht, die Fadenspannung die gewünschten Löcher erzeugt, der Stoff im Ganzen aber nicht die Form verliert. Normale Vlieseline scheidet aus. Denn die würde ja die Lochbildung verhindern. Außerdem soll der Stoff seine Transparenz ja behalten. (Denke ich. Mal sehen, ob das eine gute Idee ist.)

TeststicheSoluvlies und Sprühkleber kommen zum Einsatz. Besser. aber nicht gut. Immer noch dominiert der Rüscheneindruck.

Zwei Schichten Soluvlies. — Nein, viel hilft viel gilt hier nicht.

Der Stickrahmen vielleicht? Bei geplanten Längsbordüren zwar nicht gerade die praktikabelste Lösung. Aber… wenn“s hilft? — Ne, nicht gut genug.

Wasserlösliches Vlies und Stickrahmen verbessert das Ergebnis auch nicht deutlich.

Stärke empfiehlt man mir. Also auf in den Drogeriemarkt, so was habe ich doch sonst nicht. Naja, jetzt habe ich eine fast volle Sprühdose. Wofür auch immer… Für die Schwertnadel jedenfalls nicht. (Das Bild zeigt übrigens das beste der Resultate.)

Langsam Verzweiflung. Keine Lösung in Sicht.

Teststiche auf Heat AwayAnne, die Hobbyschneiderin, als erfahrene Stickerin hat noch etwas in ihrem Kästchen: hitzelösliches Vlies.

Huch? Was ist das? Steif, sehr steif. Steht von alleine. Klingt schon mal gut.

Nicht mit Sprühkleber aufkleben? HEFTEN??!?? Na gut… mit der Maschine in dem Fall.

Und…?

Doch, ja! Ich probiere munter verschiedene Zierstiche, das Stoff bleibt steif, die gewünschten Löcher bilden sich! Wie geht das jetzt wieder runter?

Mit dem Bügeleisen… heiß machen.

Braun… grau… (mein schöner weißer Stoff! schluchz und dann bröselt es von dannen.

ZiersticheZurück bleibt…

… bunte Stickerei auf hellem Stoff. Mit Löchern, aber ohne Rüschen.

Und eine gezähmte Schwertnadel.

Für die mir in Zukunft bestimmt noch ein paar andere Verwendungsmöglichkeiten einfallen werden. Auf locker gewebtem Stoff vielleicht… 😉

Batistbluse: Projektplanung

Meinem steten Bemühen, Material für die Restekiste gar nicht erst entstehen zu lassen ist der große Rest des feinen, cremeweißen Batists den ich für meine Khaliah-Ali Tunika als untere Stofflage benutzt hatte natürlich ein Dorn im Auge.

Dann habe ich zu dem bereits im April fertiggestellten Hosenanzug noch immer keine Oberteile.

Und meine schon vor langer Zeit erworbenen Schwertnadeln will ich auch endlich ausprobieren.

Drei Fliegen… mal sehen, ob ich eine Klappe finde, die dafür groß genug ist. :o)

Der Stoff ist sehr fein… könnte also eine Sommerbluse geben. Da diese verziert werden soll (Schwertnadel) brauche ich einen einfachen Schnitt. Einen gut sitzenden Blusen-Basisschnitt habe ich noch nicht. Was ich in den letzten Jahren in diese Richtung genäht habe war zwar tragbar, aber nichts so „gut“, daß es Basisschnitt tauglich gewesen wäre.

Ach ja, die Ottobre Woman habe ich hier liegen, mit einem schlichten Blusenschnitt. Dann kann ich ja außerdem testen, wie es mit der Paßform bestellt ist. (Fliege Nummer 4, sehr schön!) Leider ist nicht mehr wahnsinnig viel Stoff vorhanden… also muß ich den Schnitt wohl oder übel erst mal rauskopieren und auflegen, um zu sehen, ob der Stoff reicht. Und wehe wenn dann doch nicht… uff Er reicht. Zumindest für kurze Ärmel.

Und damit der Stoff farblich an den Hosenanzug „angeglichen“ wird, werde ich die Stickerei mit dem gleichen roten Stickgarn ausführen, mit dem ich auch den Hosenanzug schon abgesteppt habe. Also noch mal ein Rest weniger. Vielleicht bringe ich sogar noch was von den Resten des Jackenfutterrest unter, die haben ja die gleiche Farbe.

Die Themen der nächsten Zeit werden also die Schwertnadel und das Nähen von sehr feinen, transparenten Stoffen sein…. (Für nächstes Jahr, wenn es wieder warm wird, im Moment… schreit das Wetter eher nach Fleeceverarbeitung. Aber bei meinem Arbeitstempo… :o) )