Taschen-Shopping in Paris: Rayon d’Or

… oder der Laden, dessen Namen ich vergessen habe, von dem ich aber die Plastiktüte beim erneuten Packen der Reisetasche wiedergefunden habe. 😉 Und von dem ich hiermit Name und Adresse nachliefere.

Hier ist also die Beschreibung des Ladens und seines Angebotes. Sonst kann man wirklich nur sagen, daß das Angebot Gold wert ist.

Die korrekte Adresse lautet also:

178, rue du Temple, 75003 Paris (Metro Republique)

Und eine weitere Filiale befindet sich:

81, boulevard de Strasbourg, 75010 Paris (Metro Gare de l“Est)

Stoff-Shopping in Paris: De Gilles

Da ich wegen des Schuhgeschäfts ohnehin schon in der Rue de la Roquette war, dachte ich, ein paar Schritte mehr zum (ebenfalls im Führer angekündigten) Stoffladen könnten nicht schaden. Na gut, etwa 120 Hausnummern war dann ein paar Schritte mehr, aber sie haben sich gelohnt.

Die Fassade ist relativ unauffällig, die Eingangsfront in normaler Ladenbreite (Pariser Maß). Doch dahinter verbirgt sich eine hallengroße Fläche und das über zwei Etagen…

Die Stoffe sind nicht gerade übersichtlich geordnet, sondern man muß genau gucken und vorsichtig stöbern. Personal ist aber da und hilfsbereit. Wie das allerdings aussieht, wenn der Laden voll ist, kann ich nicht abschätzen.

Grob gibt es… ungefähr alles. Knöpfe in vielen Farb- und Mustervarianten, Stoffe aus allerlei Materialien, Farben, Muster,… auch hier wird viel aufgekauft, was an Restposten zu haben ist. Und manches derzeit wieder topaktuelle Retromuster mag hier noch aus der Zeit liegen, als es noch nicht „Retro“ war… 😉

Im ersten Stock wird es dann ganz edel. Mehrere Tische biegen sich unter Seide und anderen edelsten Stoffen. Billig ist das nicht (bis 100 Euro oder mehr darf der Meter Seide kosten), nichts, was ich mal eben spontan so auf Vorrat mitnehmen würde. Aber für den besonderen Wunsch… wird das eine feste Adresse in meiner Liste. Und ganz ehrlich… beste Krawattenseide vom Meter… war mir bislang noch nicht über den Weg gelaufen. Feinster Wollcrepe in Blusenqualität,…

Eben eine echte Schatztruhe. Und Schätze… haben nun mal ihren Preis. 😉

De Gilles, 156, rue de la Roquette, 75011 Paris (Metro Voltaire)

Handtaschenarchäologie

Nachdem ich mir ja zwei neue Handtaschen gegönnt hatte, war es Zuhause auch an der Zeit, sich von den alten zu trennen. Und diese vorher auszuräumen.

Bei mir gibt es ja eine gewissen Tendenz, manche Dinge in Taschen gründlich ablagern zu lassen. hüstel Gerüchten zu Folge soll es auch so disziplinierte Menschen geben, die ihre Handtaschen nach Gebrauch sorgfältig ausräumen und dann im Schrank verstauen.

TaschentücherZu der Sorte gehöre ich nicht.

Ich bin mehr der „das rausfischen, was ich dringend brauche und die Tasche mit dem Rest irgendwo hinlegen, wo ich sie hoffentlich wieder finde“-Typ.

Aber vor dem Wegwerfen ist eben doch mal ausräumen angesagt. Und so fingerte ich Bonbons unbekannten Alters, ungebrauchte Kaffeehaus-Zuckerwürfeln, einen lange vermissten Lippenstift, etliche Kulis,… und noch so manches mehr ans Tageslicht.

Und guckte dann ganz verblüfft aufs Bett. (Wieso, wo räumt ihr Handtaschen aus?)

Meiner Taschentuchmarke war ich ja über die Jahre treu geblieben, mir war auch noch bewußt, daß die Feder, die heute die Packung ziert, nicht schon immer da war… aber daß sich die Kunststoffhülle so oft verändert hatte… nein, das war mir nie aufgefallen.

Und so hatte ich eine kleine Geschichte des Gebrauchsdesigns. 😉

Marinique Langere: Bum & Leg Former

Gedacht oder verkauft wird der Schnitt als formendes Miederhöschen. Mein Ansinnen war allerdings, einen Schnitt für ein „Bein-reib-Schutz-Höschen“ zu bekommen. (Alle mit runderen Schenkeln wissen, wieso man so was unter Röcken braucht, die anderen können sich freuen, daß sie es nicht brauchen. 😉 )

Gekauft habe ich zwei die so halbwegs passen, ich hatte aber keine Ahnung, wie ich so einen Schnitt mit nach hinten verlegter Beinnaht selber erstellen könnte. Und von einem mäßig passenden Höschen aus hyperelastischem Stoff den Schnitt abnehmen ist bestenfalls der Beginn einer langen Versuchreihe.

Da kam mir dieser Schnitt von Marinique Langere gerade recht. Da bei Kreative Dessous andere Schnitte des Herstellers im Angebot sind, konnte Ela diesen auf meinen Wunsch hin bei ihrer nächsten Bestellung in Südafrika mitbestellen. Das dauerte einige Wochen und der Schnitt kostete mich etwa 17 EUR. (Was ungefähr dem Preis eines derartigen Höschens mit mäßiger Paßform und in billiger Ausführung entspricht.)

Nach dem Auspacken der Tüte fühlte ich mich erst mal sehr an einen Baukasten erinnert. Die Schnitteile sind auf DinA3 (oder so) Bögen photokopiert (Deckblatt und Anleitung sind ähnlich schmucklos und „handgemacht“ ) und müssen erst mal zusammengeklebt werden. Fünf Blätter mit diversen Klebmarken ergeben dann ein Beinteil. Es geht beim fünften Papierblatt auch fast auf… Ich habe dann die nicht-treffenden Linien nach Gefühl angeglichen und mich damit getröstet, daß es bei elastischen Stoffen meist nicht so exakt drauf ankommt. Zwickel und das Verstärkungsteil für den Bauch müssen dann nicht geklebt werden, sie passen auf einen Bogen. Ich habe mir alle Teile auf dicke Malerfolie aus dem Baumarkt kopiert.

Der Schnitt enthält alle Größen von XS bis „SuperLarge“ was wohl 4XL enspricht. Die Größentabelle umfasst also die Hüftweiten von 82cm bis 142cm. Laut Tabelle wäre meine Größe 2XL gewesen. Da das Höschen aber schon auch gerne etwas „einhalten“ darf und nach Vergleich mit meinen vorhandenen Höschen habe ich mich aber für XL entschieden. Als Stoff hatte ich „Wäsche Jersey Active“, auch von Kreative Dessous, der annähernd so dehnbar ist wie das Material der gekauften Höschen.

Die Anleitung besteht aus drei kopierten DinA4 Blättern: eine englische Anleitung, eine niederländische/afrikaans Anleitung und ein Blatt mit Zeichnungen. Hinweise zur nötigen Dehnbarkeit des Stoffes, Stoffmenge oder gar einen Zuschneideplan sucht man vergebens. 6mm Nahtzugabe sind im Schnitt enthalten.

Allerdings ist der Schnitt mit seinen drei Teilen (das Höschen selber im Stoffbruch geschnitten, der Zwickel und der Bauchverstärkung) übersichtlich. Als Bauchverstärkung ist ein Stück unelastischer Spitze vorgesehen, das aufgenäht wird. Ich habe stattdessen ein Stück des Stoffes quer zur Hauptdehnrichtung zugeschnitten und statt außen innen aufgenäht. Das stützt zumindest etwas und macht die atmungsaktiven Eigenschaften des Stoffes nicht zunichte. Den Zwickel habe ich statt doppelt nur einfach zugeschnitten, eben wegen des ohnehin hautfreundlichen Materials.

Die Anleitung ist eigentlich klar (drei Nähte), beim Einsetzen des Zwickels wäre es eventuell schön gewesen, ein oder zwei Paßzeichen zu bekommen. Ich habe Erfahrung mit Wäschestoffen und fand es daher nicht so schwierig, aber für Anfängerinnen im Wäschenähen mag es etwas schwieriger sein. Andererseits verzeiht elastischer Stoff ja viel.

Bei den Nähten wird empfohlen sie entweder mit einer Overlock zu nähen (die ich nicht habe) oder mit Geradstich und dann die Nahtzugabe zu einer Seite zu legen und mit dem Bogenstich/ genähten Zickzackstich drüber zu nähen. Ich habe den Overlockstich meiner Maschine genommen, weil mir der beim Wäschenähen bislang immer gute Dienste geleistet hat.

Danach konnte ich meinen neuen Nahttrenner ausprobieren, weil die Beinnähte kratzten… macht man es aber wie vorgeschlagen sind sie bequem.

Wie empfohlen habe ich das Höschen anprobiert, bevor ich die Beine gesäumt und den Taillengummi angenäht habe. Das war gut, denn die Beine sind viel länger als auf der Zeichnung (haben so Radlerhosenlänge, eine Handbreit über der Kniescheibe) und die Taille war, obwohl ich eine eher hohe Taille habe, zu hoch. Ich habe oben 5cm abgeschnitten und meinen Folienschnitt auch in der Mitte des Höschenteils um 3cm gekürzt. (Das lässt Spielraum für breitere Gummis oder etwas weniger längselastische Stoffe.)

Die Beine habe ich nicht, wie angegeben, mit der Zwillingsnadel gesäumt, sondern ich habe wieder den Bogenstich verwendet, weil ich den elastischer finde. Auch den Taillengummi habe ich nicht nur 3cm kürzer als das Bundmaß der Hose genommen, wie die Anleitung angibt, sondern 20 Prozent kürzer, wie ich das sonst auch mache.

Die Paßform ist noch nicht perfekt, aber deutlich besser als bei meinen gekauften. Beim Anziehen muß man sie ähnlich sorgsam in Position ziehen wie eine Feinstrumpfhose, dann ist sie bequem. An den Oberschenkeln könnte ich eventuell beim nächsten Modell einen Zentimeter zugeben, aber so lange der Stoff elastisch genug ist, ist eine Größe kleiner eine gute Wahl gewesen. Und der Zwickel ist nicht so riesig wie bei den gekauften…

Ich werde bestimmt noch mehr Höschen nach diesem Schnitt nähen, zumal ich ihn je jetzt passend verändert habe.

One-Woman-Power-Show in Türkis: Seti in Köln

SetiUnermüdlich, unerschöpfbar, unglaublich, diese Frau. 😉 Bea alias Seti alias My Design (oder so…) verbreitete heute ihr kreatives Chaos in den Köln Arkaden, was dann mehr als Grund genug ist, mal auf die schääl sick überzuwechseln.

Pausenlos bombardierte die Kreativität auf zwei Beinen das aufmerksame Publikum mit Verarbeitungsideen, Vereinfachungstechniken (manches könnte man jetzt auch gekonntes Pfuschen nennen :-D), neuen Materialien,…

Noch nie genäht? Egal. Wie soll das Wunschteil aussehen? Ist Stoff da? (Klar, Alfatex ist daneben…)

Flugs wird frei Hand ein Shirt-Schnitt erstellt und am Körper angemessen, zugeschnitten, an der einen oder anderen Stelle mit Vlieseline bebügelt…

Zwischendrin werden auf Zuruf mitgebrachte Probleme gelöst.

Schließlich hatten über das Forum vorgewarnte Hobbyschneiderinnen kritische Teile mitgebracht. Mit „ma-san“ lernten wir, daß in Fleece Jersey-Drucker hineingehören. Und wie man es noch retten kann, wenn man sich dummerweise für die Anorak-Variante entschieden hat.

Seti ist nie um eine Idee oder einen guten Tip verlegen.

Gleichzeitig wird die Nähanfängerin mit der Nähmaschine vertraut gemacht.

Und da selbst Seti nur zwei Hände und einen Körper hat (obwohl ich mir da nicht immer so hundertprozentig sicher war, angesichts dessen, was alles gleichzeitig passierte 😉 )wurde sie von der -Sklav- äh Helferin des Tages eklis unterstützt, die zum einen versuchte, wandernde Demonstrationsobjekte wieder einzufangen, das Chaos etwas zu dämmen, nette Werbegeschenke (da mein Handmaß regelmäßig Bekanntschaft mit dem Bügeleisen macht, war ich um ein neues recht dankbar) verteilte und nebenbei auch noch erste Schritte an der Nähmaschine anleitete. Und das alles, mit auch nur zwei Händen!

Und wenn sonst kein Demonstrationsobjekt zur Verfügung stand, dann mußte der eigene Körper herhalten.

Wie messe ich die Schrittlänge aus? Die Frage ist für uns alle jetzt sehr plakativ beantwortet. 😉

(Die Frage, was ich mache, wenn man mir sagt „Nein, nicht schon wieder ein Bild davon!“ ist hiermit auch nicht mehr offen. 😀 Denke ich.)

Ich gestehe ja, ich bin nicht bis zum Ende des zweiten Kurses geblieben (dafür habe ich jetzt eine fertige Paspeltasche in den Stoffteilen, die am Wochenende hoffentlich noch eine Hose werden…), aber kreativ-chaotisch sah der Arbeitsplatz auch da schon aus.

(Bea, kannst du noch stehen? Noch reden…?)

Nächste Woche Mittwoch macht diese kreative Naturgewalt in Aachen weiter. Wer es heute (okay, inzwischen gestern…) also verpasst hat…

Schaufenster – liebevolle Deko der anderen Art

Schaufenster in ParisWas mich in Paris (oder überhaupt in Frankreich) immer wieder beeindruckt, ist, wie liebevoll aber auch ehrlich jedes Schaufenster gestaltet wird.

Und selbstverständlich hat der Akkordeonladen eine Auslage mit Akkordeons in allen Farben. Wenn Fasching ist, dann eben mit Hut.

Klar, in deutschen Schaufenstern wird auch ausgestellt, Kleidung, Schuhe, Taschen,… Doch was ist mit jenen Branchen, deren Ware oder Handwerkszeug nicht so bunt und anziehend wirkt? Beim Schlosser, Schreiner oder Installateur? Da dominieren schicke Plakate oder Funktionsmodelle aus Plexiglas über vermeintlich unattraktive Blechkleinteile.

Schaufenster des KammerjägersNicht so in Frankreich. Auch Schrauben in allen Farben und Größen, Türgriffe in 42 Varianten oder eine Horde Hahnküken sind einer liebevollen Anordnung im Schaufenster würdig.

Doch was macht eigentlich der Kammerjäger? (Empfindliche Gemüter lesen besser nicht weiter…)

Ganz klar, er hängt ungeniert eine Strecke aus… 😀

(Hinter einer blankgeputzten Scheibe, deswegen reflektiert das Gebäude auf der anderen Straßenseite auch so gut….)

Besuchen Sie den Pavillon des Arts…

… so lange er noch steht.

Da ja zumindest der oberirdische Teil des Forum des Halles (der gebaut wurde, nachdem man Ende der 60er Jahre das Hallenviertel abgerissen hatte) wieder abgerissen werden soll, wollte mein Schatz doch wenigstens einmal in den Pavillon des Arts. (Das ist nicht so beeindruckend wie es klingt, einfach ein Teil dieser Anlage mit den großen, verspiegelten Fensterfronten.)

Nicht daß der Abriss unmittelbar bevorstände, so schnell geht das in Paris auch wieder nicht, man diskutiert erst und das kann noch dauern, aber bei schlechtem und kalten Wetter ist jede Aktivität in geheizten Räumen willkommen. 😀

Und die aktuelle Ausstellung Les bidules de Maître Molina war tatsächlich recht kurzweilig. (Und auch nicht sehr groß.)

„Bidules“ sind „Dingsbumse“ und diese hat der Brasilianer Molina gebaut. Aus altem Holz, Metall, Plastik,… kurz aus Müll, aus Resten. Was man an Müll eben so hat, wenn es kein staatlich kontrolliertes Recycling-System gibt. Doch das Faszinierende ist: Die Dingsbumse bewegen sich. Und nicht zu knapp. Ganze Szenerien hat er gebaut mit Szenen aus seinem Lebensumfeld (Und Herr Molina hat in vielen Berufen seinen Lebensunterhalt verdient): Handwerksbetriebe, Tavernen, eine Maniokfabrik, Landleben, Vergnügungspark,… angetrieben von einem Motor und vielen Riemen bewegen sich Figuren, drehen sich Karussells, gruseln Totenköpfe heraus,… so schnell kann man gar nicht gucken, um all die Details zu erfassen.

Da die Szenerien recht zerbrechlich sind, laufen sie nicht ununterbrochen, sondern immer nur zeitweise und nacheinander. Wenn eines aufhört heißt es in den drei Räumen um die Winkel und Ecken herum zu lauschen, wo der nächste Motor anspringt…

Höhepunkt ist eine zimmergroße Szenerie: Das Leben Christi. Von den Weisen auf dem Morgenland die mit ihren Kamelen heranziehen, über Schafe mit nickenden Köpfen aus Schaumstoff, der Flucht nach Ägypten, bis zur Passionsgeschichte und der Himmelfahrt Jesu. In drei Etagen übereinander. Hier hat man endgültig keine Chance, alle Detail während eines Laufes zu erfassen. Zumal man auch dahinter gehen kann und der faszinierenden Maschinerie aus Riemen, Drähten, Rädern, Bändern,… bei ihrem wohl abgestimmten Spiel zusehen.

(Die Ausstellung läuft noch bis 26. März.)

Gute Laune Brunnen

Nicht daß er im Sommer bei Sonnenschein nicht auch wunderschön wäre…. aber selbst bei Nebel, Niesel oder anderen Wetterwidrigkeiten vertreibt dieser Anblick bei mir jede Depression.

Fontaine StravinskiUnd gerade dann leuchten die bunten Farben besonders vor dem Hintergrund der Steine und Mauern ringsum. Den schaukelnden, pirouettierenden, strampelnden und sonst wie spritzenden Figuren von Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely kann ich immer stundenlang zusehen.

Im Sommer ist es oft schwierig, auf einer der Cafe-Terrassen einen Platz in der ersten Reihe zu bekommen. Doch im Winter sieht man auch von hinter der Scheibe gut. (Und ich hatte gleich noch einen ruhigen Ort, um ein bißchen zu arbeiten. Freiberuflerleben halt. Frei hat man (fast) nie. 😉 )

Der kleine Elefant, der schaukelt und dabei aus seinem Rüssel Wasser verspritzt ist übrigens mein absoluter Liebling. Ich bin immer ganz traurig, wenn er abgeschaltet ist, nicht schaukelt und den Kopf hängen lässt. 🙁 Aber diesmal…. schaukelte er so fröhlich, daß ich darüber ein bißchen das schlechte Wetter vergessen habe. 🙂

Stoff-Shopping in Paris: Deballage du Marche St. Pierre

Dieser Laden ist eigentlich immer meine erste Anlaufstelle, wenn ich in Paris Stoffe streicheln und ab und an auch kaufen gehe.

Das französische Wort „deballer“ bedeutet „auspacken“ und ich finde, die Deballage St Pierre/ Dreyfus sieht auch genau so aus, wie man sich das vorstellt: Große Tische, vollgepackt mit Stoffballen, dazwischen gerade noch genug Raum, um sich durchquetschen zu können. Was mit wachsenden Stofftüten in den Händen zunehmen schwieriger wird… Von Generationen Stoffkäufern blankgetretene Dielen bedecken den Boden, es gibt altmodische Kassenschalter mit Glasscheibe, Holztreppen, dunkel vom Alter,… kein modischer Schnickschnack, keine durchgestylten Verkäuferinnen, sondern blaue Kittel, ab und an wird ein großer Wagen mit neuen Rollen von Manneskraft in den Aufzug geschoben… hier wird gearbeitet und das seit Generationen und so sieht es auch aus. (Mein Göttergatte kommt meist wegen der Atmosphäre freiwillig mit. 😀 )

Was gibt es? Ungefähr alles. In teilweise sehr wechselndem Sortiment, je nach dem, was zu haben war. Gerade das Erdgeschoß ist Schnäppchenjägerparadis, schon vor den Türen, die ganze Fassade entlang liegen Stoffballen, ein, zwei, drei,… kam mehr als fünf Euro der Meter. Ähnlich geht es im Erdgeschoss innen weiter. Zehn Euro pro Meter dürfte man dort schwerlich überschreiten. Natürlich ist da viel Polyester dabei, aber auch einfache Baumwolle, bei etlichen Farben und Mustern ist einem gleich klar, warum die für mehr Geld keiner haben wollte. Aber auch immer wieder Restposten von hochwertigen Dekostoffen oder es verbirgt sich in einem Tisch mit Polyester ein Ballen Seidenstoff für zwei Euro. Und je nach dem für welches Projekt, für Karneval mögen die riesigen rosa Blüten auf grünem Polyester Grund oder die goldbeglitterte Kunststoffspitze gerade richtig sein. (Ich habe mit solchen Dingen schon kleine Mädchen sehr glücklich gemacht. 😀 )

Und es verirren sich immer wieder interessante Restposten, vielleicht mal Patchworkstoffe, Pannels zum Puppen oder Kissennähen, provencalische Tischedeckenmuster,… auch Halstücher, Schals, Kravatten,… können da sein. Was genau… weiß man vorher nicht, aber genau das macht das Stöbern ja so spannend.

Im ersten Stock geht es dann hochwertiger weiter, mit Wollstoffen (Tuche, Tweed, Crepe,…), mit Leinen,… oder mit Kunstfaserstoffen, die aussehen als ob. Aber alle Ballen und Rollen sind beschriftet, man kann leicht finden, welches Material es ist. Und es gibt ganzjährig Kunstpelz in unterschiedlichen Qualitäten Von „sieht fast aus wie echt“ bis quietschorange im Flokatistil. Popeline in Mantelqualität gehört zum Standardangebot (das Angebot an Farben ist hingegen nicht immer üppig), auch Regenmantelstoffe sind immer einige da. Und die Preise… bis 20 Euro pro Meter hat man schon eine sehr gute Auswahl.

Im zweiten Stock wird es mit Seide, Spitzen, Samt,… noch edler. Einfarbig, bestickt, bedruckt,… die Auswahl ist riesig. Auch stretchige Lycras gehören seit einigen Jahren zum Angebot.

Möbelstoffen und schweren Vorhangstoffen gehört dann der dritte Stock und in der vierten Etage findet man alles für Tisch- und Bettwäsche. Teils fertige Handtücher, Schürzen, Geschirrtücher,… teils Leinen und Baumwollstoffe in unterschiedlichen Webarten.

Seit kurzem ist im fünften Stock (die schöne Dachterasse mit Blick auf Sacre Coeur ist leider nicht freigegeben) noch eine kleine Abteilung für edle Vorhangstoffe und Möbelstoffe in den schweren, in Frankreich beliebten Qualitäten. Hier ist die Atmosphäre gediegener, es ist viel Platz, um sich zu bewegen und es gibt vergleichsweise viel Fachpersonal pro Quadratmeter.

Und irgendwann, Stunden später, fällt man wieder heraus, beladen mit häßlich blauen Plastiktüten, aber glücklich. Viel Beratung darf man sich nicht erhoffen, aber das Angebot an Stoffen ist erschlagend viel und die Preise (immer in Relation zur Qualität) günstig. Unmöglich, dort nichts zu finden. 😉

Adresse: 2, rue Charles Nodier, 75018 Paris

Metro: Anvers

Öffnungszeiten Montag bis Samstag: 10.00 Uhr – 18.30 Uhr

Unterhaltsam…? – Immer! – Kunst…?

Ach,das sollen die nächsten Generationen entscheiden. 😉

Was macht man an einem strömend verregneten Sonntag in Paris? Die meisten Läden haben zu (der Disney-Store auf den Champs Elyssee zählt nicht…), zum Spazieren gehen ist es zu kalt… Also, ganz klar, ins Museum!

Das Museum für moderne Kunst der Stadt Paris im einen Flügel des Palais de Tokyo ist seit kurzem nach einer Renovierung wieder geöffnet und das wollten wir uns ansehen. Außerdem hatte es früher (also vor der Renovierung) ein recht nettes Cafe und der Eintritt war kostenlos, wie für alle städtischen Pariser Museen. (Ich habe allerdings schon einige Monate nicht mehr ausprobiert, ob das noch gilt.)

Also ab in die Metro, eine kurze Diskussion, ob Alma-Marceau aussteigen und hochlaufen oder Iena und runter laufen (Iena hat gewonnen) und möglichst schnell von der Metro durch die Regentropfen unter das schützende Museumsdach.

Dachten wir.

Leider hatten wir übersehen, daß zur Neueröffnung zwei Ausstellungen laufen (Pierre Huyghe und Pierre Bonnard) und in Folge dessen natürlich alle an einem verregneten Sonntag ins Museum wollen. Weswegen sich dann auch eine Menschenschlange den Berg hinunter staute. Angesichts des Wetters war das aber nicht das, was wir wollten.

Da der Garten vom Musee Galliera offen war (und ich da auch schon ewig mal hinwollte) versuchten wir dort unser Glück. Aber da ist derzeit „zwischen zwei Ausstellungen“ und infolge dessen geschlossen. Zwar finden sich beeindruckende Arkaden zum Unterstellen die zugänglich waren (und nur von einem Herren belebt waren, der irgendetwas rezitierte), aber windig und kalt war es da auch.

Die Menschenschlange auf der anderen Straßenseite wurde auch nicht kürzer. Also entschlossen wir und kurzerhand, statt moderne Kunst Gegenwartskunst zu besichtigen. Die findet sich nämlich im anderen Flügel des Palais de Tokio, die Site de la creation contemporaine zeigt ganz aktuelle, oft junge, Kunst und Künstler.

Lustig und kurzweilig ist es immer: hellblaue Häschen vor einer rosa Landschaft schmücken eine große Betonwand, aber alles steht Kopf. Man marschiert über Stapel von Zeitungspapier (hoher Spaßfaktor, auch für die vielen Kinder, die herumturnen), geht durch ein Hamsterrad, legt sich auf Polster und guckt an die Decke, um eine Video- und Klanginstallation auf sich wirken zu lassen… (sehr entspannend, im halbdunkel… schnarch) Viel zum gucken, zum Mitmachen und zum Anfassen. Thema sollte glaube ich die (französische) Geschichte und ihre Auswirkungen auf die Zukunft sein. Oder so.

Der größtenteils nur entkernte und nicht weiter renovierte Bau bietet Platz für große Installationen und die Ausstellungen wechseln tatsächlich häufig, es ist nicht so sehr der Ort für fertige Bilder im Rahmen, sondern ein Platz, wo sich viel bewegt.

Der Restaurantbereich hatte früher den Charme einer Bauarbeiterkantine, der wurde kräftig aufgehübscht und die Kastaniencremesuppe war auch excellent. 😀

Wie gesagt, gelangweilt habe ich mich dort noch nie. Nur ob es deswegen schon immer alles Kunst ist… das muß ich ja nicht entscheiden. 😉