Wandgarten

Platz für einen Garten ist immer, zumindest wenn es nach Patrick Blanc geht.
Vertikaler Garten an BHV HOMME

Der Biologe begrünt nämlich Wände. Und da in Paris in der Tat Bodenfläche teuer ist und so eine bewachsene Wand gleichzeitig einen faszinierenden Blickfang darstellt, hat sich auch der BHV zur Eröffnung des neuen „Männerkaufhauses“ eine gegönnt.

Und wir hatten, als wir die Bauarbeiten sahen, noch gedacht „Komisch, sieht aus, als würden die da was pflanzen. Aber an die Wand…??“

Schön geworden!

Könnte man in anderen Städten doch auch machen, oder? 😉

Südfranzösische Modeimpressionen

Die Cote d’Azur war ja absolutes Neuland für mich. Was ich jedoch sehr schnell verstand: Man fährt da nicht hin, um sich zu erholen, man fährt da hin, um gesehen zu werden. (Und vielleicht auch zu sehen… wer weiß?)

Und so kam ich in St. Tropez, Nizza, Frejus,… und eigentlich jedem Dorf an der Küste in den Genuß, all jene Modetorheiten von Nahem zu betrachten, die ich bislang nur aus Zeitschriften und gelegentlich Schaufenstern kannte und bei denen ich mich immer gefragt hatte, wer um alles in der Welt so etwas trägen würde und zu welchem Anlaß?

Nun… „Cote d’Azur“ scheint Anlaß genug zu sein, sich mit Designerklamotten, protzigem Schmuck und ebensolchen Handtaschen zu behängen und dann auf unglaublich unbequemen goldenen Sandalen (aus einem Minimum an Riemchen bestehend) gen Jacht zu stöckeln. Oder wenigstens in Imitaten der vorgenannten Designerware eine Strandpromenade entlang. Oder zum Einkaufen in den Supermarkt.

Wichtig sind diesen Modesommer offensichtlich diese sackartigen T-Shirts aus megeweichem, formlosem Jersey, die im 70er Look traurig am Körper herumhängen. Die gute Nachricht: Jede von uns kann sie tragen. Egal mit welcher Figur. Denn darin sehen von der mageren Modelfigur über die perfekt geformte Traumfrau bis zum Pummelchen alle gleich Scheiße aus. (Daß die Farben meist auch aus dem Bereich zwischen „ist mir übel blasslila“, „Magen im Rückwärtsgang schmutziggelb“ und „Diarrhoe-oliv“ stammen macht die Sache nicht besser.)

Absolut „de rigeur“ sind jedoch Stiefel. Hoher Schaft, schmale, hohe Absätze… auch bei 25°C am Strand führt kein Weg daran vorbei.Was dann dazu führt, daß die acht bis zwölfjährigen Mädchen erbarmungslos ihre gefütterten Winterstiefel tragen. Offensichtlich sind die (süd)französischen Mütter in Hinblick auf Modewünsche der Kinder nicht weniger unnachgiebig als deutsche. 😉

Doch letztlich… ist noch etwas viel wichtiger als die Mode. Denn wozu kommt man denn an die Cote d’Azur?

Um braun zu werden natürlich!

So wird der Tagesablauf erbarmungslos diesem Ziel unterworfen, stundenlanges, bewegungsloses am Strand Liegen ist die Hauptbeschäftigung, so wie die Sonne herauskommt. Gerne auch in der Mittagssonne. Und wenn man denn doch einmal etwas anderes unternimmt, schließlich ist April und damit für südfranzösische Verhältnisse die noch relativ „kühle“ Saison für Aktivitäten… dann tut man dies mit einem Minimum an Kleidung. Wandern in der Badehose (muß durchs Gestrüpp sehr angenehm gewesen sein…) oder dem Bikinioberteil und jeder madenbleichen Bauch, jedes schlaffe Bindegewebe beider Geschlechter muß beim Spaziergang dringend vorgezeigt werden. (Nein, mein Bauch sieht nicht besser aus. Aber ich ziehe zum Wandern keinen Bikini an….)

Gerade an den in der schulferienfreien Zeit vorherrschenden Senioren läßt sich auch gleich das Ergebnis dieser „Langzeitbewitterungsversuche“ bestaunen: Poulet roti (Grillhähnchen) gibt es nicht nur an der Imbissbude, sondern überall. Allerdings haben die auf dem Grill eine glatte und knusprige Haut, die davor eher eine (zur Landschaft ja durch aus passende) Berg- und Talstruktur. (Es mag Gründe geben, warum sich wenigstens kulinarisch „Suppenhuhn vom Grill“ nicht durchgesetzt hat. 😀 )

An den Stränden werden übrigens auch alle Tips zur Auswahl des zur Figur passenden Bikinis sorgfältig beachtet, die man pünktlich zur Urlaubszeit in allen Frauenzeitschriften so findet. Daher kann ich jetzt sagen: Sie helfen alle nichts. Der nicht vorhandene Busen wird auch durch das Bandeau-Oberteil nicht größer (und bei allem Sport das Bindegewebe im 7. und 8. Lebensjahrzehnt nicht mehr straff… ), Beine durch Höschenausschnitte nicht länger, die Reiterhosen nicht kleiner…

Viel zu sehen, an der Cote d’Azur…

Intimes Kränzchen

Gestern war ja mal wieder Kölner Nähbrunch. Wenn er denn so den Namen noch verdient, denn aus Köln war außer mir niemand da, stattdessen aus Aachen, Bonn und Solingen… aber zumindest drei von uns waren fleißig. 🙂

Filzbär So entstand unter Stoffkatzes geschickten Händen mal so eben nebenher ein Filzbärchen. Ein toller Einstand für ein „Neumitglied“. (Das leckere Blätterteiggebäck aber auch… *schleck*)

Und dann behauptet sie auch noch, sie würde erst seit gestern Filzen… also wenn ich jede neue Technik nach einem Tag schon so gut beherrschen würde…

Durch die zuerst ganz kleine Runde (wir waren zu dritt) war die Stimmung besonders gemütlich. Wir saßen in Mitten der Scherzkeks-schen Stoffballen um einen Tisch, Kaffee im Becher, Hände an diversen Nadeln, Vogelgezwitscher durch das geöffnete Oberlicht,… Nähidylle pur.

Und ich habe es tatsächlich mal geschafft, zu schwatzen und was zu nähen. (Meine Rosenjacke wird es mir danken. Schulterpolster und Ärmelstütze sind drin, das Einstaffieren des Futters hat begonnen. Das geht natürlich bei so einem echten Nähkränzchen besonders gut von der Nadel.

Nähbrunch Aachen

Der große Scherzkeks nutzte die Gelegenheit für Flick- und Änderungsarbeiten arbeiten an der Nähmaschine. Der Nachwuchs wächst und reißt Löcher…

Und ab und an bedarf es einer kreativen Pause beim Zuhören… 😉

Nähbrunch Aachen

Nach einiger Zeit wurde es dann aber doch noch voller. Neben fancy fand sich auch noch ma-san ein, letztere in Begleitung fast der ganzen Familie. Ein Kaffee für jeden nach dem Sight-Seeing in Aachen genügte, um Mann und Tochter in die gefährlichen Gefilde des Stoffladens zu schleppen.

Und schwupp…. schon im Fachgespräch gefangen. 😉

Nähbrunch Aachen

Während fancy erst einmal rätselte, warum ihr ma-sans Töchterlein so bekannt vorkam…

Bis die beiden dahinter kamen, daß sie sich auf einer LARP-Veranstaltung schon einmal über den Weg gelaufen waren. Sofort drehte sich das Gespräch um schöne Roben und fancy versuchte mal wieder, uns für ihren Schotten-Clan zu werben. (Mit Aud hatte das nach dem letzten Treffen ja hervorragend geklappt.)

Mal sehen, ob der Clan noch ein Jungmitglied bekommt… *g*

Nähbrunch Aachen

Und zum Abschluss noch eine Gesamtaufnahme.

Ma-san hat ihre Stofftüten übrigens alleine zum Auto getragen.

Wie das bei fancy endete vermag ich nicht zu sagen, denn ich folgte Familie ma-san zum Auto… meine Mitfahrgelegenheit. Und fancy streichelte noch einen traufhaft bestickten Stoff in lila-silbrigem Ton und überlegte, wie viel für eine Renaissance-Robe dafür wohl nötig sei…. Dabei hatte sie doch nur nach einem kleinen Stück Stoff für eine Corsage gesucht….

(Und, was ist es geworden? :o) )

Für mich war es jedenfalls eines der nettesten und gleichzeitig produktivsten Treffen seit langem.

Beim nächsten Mal wird es dann sicher wieder geschwätziger, denn dann treffen wir uns wieder in Köln und ohne Nähsachen….

Urlaubsmitbringsel

Einige wissen es ja schon, ich war mal wieder in Frankreich. (Ich weiß, gemein, nicht vorher Bescheid zu geben. Aber ich finde es nicht so geschickt, im Internet öffentlich mitzuteilen, daß gerade wo eine Wohnung leer steht und nur darauf wartet, ausgeräumt zu werden… )

Diesmal im Süden, zuerst an der Cote d’Azur (einer der wenigen Gegenden Frankreichs, wo ich noch nie vorher war), danach in der Provence und am Ende noch ein paar Tage in Paris.

Urlaubseinkäufe Und was bringt Frau aus der Provence mit? (Also außer diversem Eßbaren…) Stoffe natürlich.

Bezüglich der provencalischen Stoffe habe ich mich allerdings zurück gehalten. Auf den Märkten gab es zwar schöne Drucke, oft auch günstig, aber die Qualität fand ich letztlich nicht so berauschend. Was billig war, fühlte sich auch so an. Und die Stoffe, die mir gefallen haben, waren alles Möbelstoffe da wollte ich dann doch nicht mal eben ein paar Meter von mitnehmen.

Natürlich war ich in Tarascon bei http://www.souleiado.com/ Die Stoffe sind wunderschön und aufwendig bedruckt, ihren Preis also wert. Aber von den Motiven die sie gerade als Meterware vorrätig hatten sprach mich glücklicherweise keines an. Denn die Preise sind… nun gut, Preise halt. Allerdings habe ich mir den Eintrittspreis für das angeschlossene Museum gegönnt, wo man viele Stoffe und auch fertige Kleidung und Boutis aus nächster Nähe betrachten kann. Ebenso alte Druckstöcke, Musterbücher und andere Einrichungen. (Bis 1977 wurde in Tarascon noch von Hand Stoff gedruckt.) Ein Videofilm hilft der Vorstellung weiter auf die Sprünge. dafür habe ich mir dann auch ein paar Ansichtskarten mit Mustern und Nahaufnahmen von Boutis gegönnt… 😮 (Während mein Herzblatt etwa eineinviertel Stunden vor der Tür unter einem Busch saß und wartete. Er hatte sich einen Krimi mitgenommen…..)

Über die afrikanischen Stoffe stolperte ich dann auf einem Wochenmarkt in L’Isle sur la Sorgue. Unser Wohnzimmersofa braucht ohnehin mal einen neue Decke (da der Bezug kaputt ist und wir uns noch nicht einigen können, wie ein eventuelles neues Sofa aussehen könnte) und der andere…. mal sehen. Könnte man einen whole-cloth-Quilt draus machen?

Wenige Tage später fuhren wir auf einer Landstraße an einem harmlosen Schild „laine chevres angora“ vorbei… irgendwie gelang es mir, den Fahrer zum Abbiegen zu bewegen und etwa fünf Kilometer weiter (die letzten davon auf eher feldwegähnlichem Gelände) standen wir im Ziegenstall. Wußtet ihr, wie süß drei Tage alte Angora-Ziegen sind? *g*

Und einen kleinen Laden hatten sie auch… die schmuseweichen Knäuel aus 25 Prozent Seide und 75 Prozent Mohair mußten mit. (Hätte ich doch mehr nehmen sollen? Wahrscheinlich. Aber wir hatten nicht mehr Bargeld dabei…) So weiches Mohairgarn hatte ich noch nie! Glücklicherweise haben sie keinen Webshop…. *g*

Ja und in Paris wanderte vor der Rückfahrt noch eine Ausgabe „C Deco“ in die Tasche. Muß ja was zu lesen haben, im Zug…

Als Ausbeute von gut zwei Wochen… war ich doch ziemlich brav und enthaltsam, oder? 😉

Wer wird Präsident?

Frankreich spielt ja derzeit mal wieder das beliebte Spiel „Präsidentenwahl“. Und da die Franzosen in Herzen stolz auf ihre Traditionen sind, folgt dieses Spiel natürlich festen, ritualisierten Regeln. Beinahe wie ein Tanz, ein Menuett etwa. (Auch ein schönes französisches Wort….)

Das Ergebnis ist natürlich vorher klar, aber der Weg dorthin ist voller Symbolhandlungen.

Zunächst gibt es neben dem auserkorenen Kandidaten einen zweiten Favoriten. Der eine ist „links“, der andere „rechts“. (Wobei diese Begriffe in der französischen Politik noch deutlich beliebiger sind als in der deutschen. Ein französischer Politiker ist ein Profi. Er durchläuft eine Laufbahn durch die „richtigen“ Schulen, die „richtige“ Universität (am besten die „ENA“ ) und danach guckt er sich an, welche Partei ihm die besten Aufstiegschancen bietet. Privat die besten Freunde und politisch auf verschiedenen Seiten? Kein Problem…) Dieses Jahr heißen die beiden „Segolene“ und „Sarko“.

Natürlich gibt es noch ganz viele andere Mitspieler bei dem Ringelreihen, manche werden jede Runde gewechselt, andere (wie Arlette Laguiller) sind schon beinahe ihr Leben lang dabei.

In jeder Stadt und Gemeinde steht an bestimmten Plätzen, meist vor der Mairie (also dem Stadt- oder Gemeindeamt) Wände aus Holz oder Metall, an denen jeder Kandidat genau die gleiche Fläche für seine Plakate zur Verfügung hat. Außerdem werden tatsächlich gedruckte Wahlprogramme verteilt, unter Autoscheibenwischer geklemmt oder sonst wie unter das Volk gebracht. Dazu natürlich Vorträge im ganzen Land, die Tänzer… äh… Kandidaten reisen viel. Jeder für sich, versteht sich.

Einige Wochen vor der ersten Spielrunde, öh dem ersten Wahlgang… wird dann von der Presse ein „unbekannter“ Kandidat (dieses Jahr „Beyrou“ ) als dritter Favorit ausgerufen wird und die Zeitschriften viele Seiten damit füllen können, darüber zu spekulieren, wie die Finalrunde ausgehen könnte, wenn Kandidat drei es tatsächlich in die Endrunde schaffen würde und gegen Favorit eins oder Favorit zwei antreten würde. Außerdem gibt es die Gelegenheit zu neuen Photos und Home-stories, denn über Sarko und Segolene hat inzwischen jeder alles gelesen was er wissen wollte und noch viel mehr.

Ernst nimmt es keiner, aber es gibt den Menschen in den Bars und Cafes was zu reden.

Bis zur erste Runde, in der das Volk über die Kandidaten abstimmt und die beiden Teilnehmer der Finalrunde wählt. Um Unmut und Protest auszudrücken wird in dieser Runde allerdings auch gerne einer der vielen Statisten gewählt. Oder man geht gar nicht zur Wahl.

Zugegeben… eine kleine Überraschung war dieses Jahr, daß die Wahlbeteiligung sehr hoch war und daß die Statisten… äh… Kandidaten der kleinen Parteien nur wenige Stimmen bekamen. Denn gelegentlich geht diese Protestwählerei in die Hose und es wird tatsächlich jemand in die zweite Runde gewählt, den niemand ernsthaft als Präsidenten haben will.

Letztlich haben sich aber erwartungsgemäß Sarko und Segolene fürs Finale qualifiziert.

Da zwischen den beiden Runden zwei Wochen liegen, ist genügend Zeit, ein paar Figuren zu tanzen.

So verkündet Beyrou, daß seine Wähler doch bitte Segolene wählen sollen, was Sarko erwartungsgemäß mit einem „das ist doch so unwichtig, daß ich es nicht mal kommentieren muß“ kommentiert.

Eigentlich logisch, denn er gewinnt die Wahl ohnehin. Die Franzosen werden doch keine Frau wählen. (Also… zumindest nicht in diesem Jahr…zehnt.)

Und Segolene scheint das zu wissen, denn sie verkündet, im Falle eines Wahlsieges Cohn-Bendit als Uweltminister berufen zu wollen. ( Welchselbiger sich in Frankreich einer weitgehenden Ablehung erfreut.) Denn wenn schon Abgang… dann vorher noch ein paar Zeichen setzen.

Natürlich reisen die Finalisten weiter eifrig übers Land und reden zu den Wählern. Auch im Fernsehen dürfen sie sich äußern. Sarko etwa darf verkünden, daß er etwas gegen die „Technokraten“ in Politik und Verwaltung unternehmen will. („Technokraten“ sind z.B. die Absolventen der „ENA“…. siehe oben….) Und beide Kandidaten dreschen mit Sandschäufelchen… äh… Worten aufeinander ein.

Das Tänzchen dreht sich noch bis Sonntag, dann wird Sarko gewählt.

Und nach den Sommerferien, pünktlich zum „Rentree“ kann der geneigte Beobachter dann vielleicht einen weiteren französischen Ritualtanz beobachten… Generalstreik…?

RE und ICE

Ich bin ja bekennende Bahnfahrerin. Ich fahre nicht täglich aber regelmäßig. Und angeblich, so die Eigenwerbung der Bahn, sei die Pünktlichkeit der Züge ja gut und so weiter. Trotzdem habe ich subjektiv oft ein ganz anderes Gefühl. Denn… mich interessiert nicht, ob die Fernzüge pünktlich sind, mich interessiert meine Gesamtstrecke. Und wenn ich eine Stunde auf den nächsten Regionalzug warten muß… ist mir egal, ob der Fernzug davor oder danach pünktlich ist.

Um meinen subjektiven Eindruck, die meisten Züge führen nicht pünktlich, zu überprüfen, gibt es jetzt diese neue Spalte in meinem Blog. Jede Fahrt wird protokolliert, mit Abfahrszeit am Startbahnhof und Ankunftszeit am Zielbahnhof. Egal wie viele Züge dafür nötig sind. Denn was zählt ist ja das Endergebnis. Jeweils mit fahrplanmäßiger Zeit und Realzeit, gemessen an den Uhren in den Zügen bzw. am Bahnhof.

In einem Jahr gucken wir mal….

Leverkusen – Düsseldorf Hbf (Regionalexpress) – Fahrplan 8.05 – 8.21 – Realzeit 8.07 – 8.23

Düsseldorf Hbf – Köln Hbf (ICE) – Fahrplan 19.26 – 19.49 – Realzeit 19.26 – 19.47

Über den Blogrand: klein, fein, kostenlos

Ob eigene Webseite, Online-Shop, Vortrag oder Vereinszeitschrift, kleine Symbole haben sich überall eingebürgert. Im Übermaß sicher lästig und häufig sinnlos eingesetzt, gibt es dennoch auch viele nützliche Verwendungszwecke. Ein kleiner Briefumschlag auf der Webseite und jeder weiß, wenn ich den anklicke, dann kann ich dem Seitenbetreiber eine Mail schreiben.

Doch wo bekommt man diese Cliparts her? Brisant wird die Frage vor allem, wenn ich sie ins Internet stellen will, denn das gilt als Veröffentlichung. Oder gar meinen kleinen Webshop damit ausstatten möchte. „Irgendwo“ aus dem Web kopieren kann hier ganz schnell zu juristischem Ärger wegen Verstößen gegen das Urheberrecht führen.

Doch so kleine Bildchen selber machen, ist schwieriger, als es aussieht. Besonders, wenn sie professionell aussehen sollen. Und nicht jede Seite im Web dient dazu, Geld zu verdienen, so daß ein Graphiker beauftragt werden kann. Schulen, Vereine oder die private Homepage haben in der Regel kein Budget für Graphik.

Aber es gibt nette Menschen, die ihre Cliparts als Public Domain „spenden“. In der Open Clipart Library finden sich immerhin schon über 7000 kleine Graphiken, die ohne Einschränkung benutzt werden dürfen. Die Suchfunktion spricht nur Englisch, aber dafür liefert sie schon Bildchen zu vielen Themen und die Qualität der Cliparts ist größtenteils recht professionell.

Und falls ein begabter (Hobby)Designer hier mitlies: Weitere Graphikspenden sind jederzeit willkommen!

Alles Geschmackssache?

Vor einiger Zeit ließ ich mir von einer Freundin beim Abstecken helfen. Eine näherfahrene Frau, die selber Nähkurse gibt.

Angesichts noch allzudeutlicher Paßformfehler in Form von *hüstel* ‚Engstellen‘ fragt sie mich: „Wie willst du es denn haben?“ Ich sage: „Na, normal. Wo’s zu eng ist, ist ja klar.“

„Tja,“ bekomme ich zur Antwort, „das mit der Paßform ist halt so Geschmackssache. Die einen wollen’s so. Die anderen lieber weiter… da gibt es keinen Standard.“

Ich habe dann erst einmal geklärt, was ich wie haben will und es mir so abstecken lassen.

Dann habe ich einige Tag nachgedacht.

Ist das so? Ist Paßform nur noch „Geschmackssache“?

Gut, das erklärte immerhin, warum ich immer wieder in Blogs Bilder sehe, wahlweise von deutlich zu engen oder formlos sackartig zu weiten Blusen, Shirts oder Jacken, unter denen steht: „Das ist mein Lieblingsschnitt, denn er paßt ohne Änderung perfekt.“

Aber… nein, verflixt.

Guter Sitz ist nicht nur Geschmackssache.

Es gibt Standards wo die Schulternaht verlaufen sollte, wo ein Revers sitzen, wie viel Bewegungsweite über die Brust gehört, wo der Stoff Falten werfen darf und wo sie nicht hingehören oder wie eine Hose den Po umhüllen. (Und oh ja, man sieht, ob ein Kleidungsstück einfach zu weit ist oder eine modische Mehrweite hat.)

Sicher, Beliebigkeit ist bequemer. Aber tun den Regeln in dieser Form weh?

Nein. Denn sie nehmen doch niemandem die individuelle Entscheidung weg zu sagen, „Ich persönlich will es aber enger.“ Oder „Ich will den Schritt aber tiefer.“

Und, ja, von einer Nähkursleiterin erwarte ich, daß sie diese Standards auch ihren Schülern erklärt und zeigt.

Denn erst wenn ich den Standard kenne, dann kann ich bewußt von ihm abweichen.

Und statt einem schlecht sitzenden Kleidungsstück habe ich meine ganz persönliche modische Aussage.

Was anderes tun die von uns oft bewunderten Couturiers, Modeschöpfer oder Fashion Designer auch nicht.

Und wir können das auch! Aber erst wenn ich die Regeln beherrsche, kann ich auch mit ihnen spielen.

Futterschnitt erstellen

Füttern scheint mir ja bei Burda ziemlich aus der Mode gekommen zu sein. (Sozusagen nicht nur verhungerte Photomodels, sondern auch „verhungerte“ Jacken. 😉 )Ich hingegen finde nach wie vor eine ungefütterte Jacke nicht sehr schön. Und ein so edler Stoff schreit um so mehr nach einem Futter. Trägt sich auch viel besser.

Aber da Burda sonst auch den Luxus eigener Futterteile nicht kennt, erstelle ich mir den Schnitt dafür halt selber. Denn damit ein Futter gut sitzt, sollten die Futterteile an den strategischen Stellen größer als der Oberstoff sein. Klingt unintuitiv, ist aber so. Die Bewegungsfalte im Rückenteil ist sicher allgemein bekannt: Das Rückenteil am Stoffbruch anlegen und zwei bis vier Zentimeter abstand zur Stoffkante lassen. Dann zuschneiden, die Stoffkante aber nicht durchteilen.

Gut, bei meinem Schnitt ist das etwas schwierig, denn das Rückenteil ist an der Mittelnaht extrem gekurvt und wenn ich es im Fadenlauf anlegen würde, dann hätte ich stellenweise 30cm Bewegungsfalte. Nicht praktisch. Also habe ich in diesem Fall den Fadenlauf geopfert und schräg dazu zugeschnitten, dafür mit gleichmäßigerem Abstand zum Stoffbruch. Beim Futter wird das ohne negative Folgen abgehen. (Denke ich… )

Futterschnitt Aber es gibt noch andere Stellen, an denen ich Weite zugebe. Eine davon ist das Vorderteil. Hier gebe ich 1-1.5 cm zu, die an der Schulter zu einer schmalen Falte gelegt werden und dann aufspringen. Das verhindert ein verzogenes Vorderteil.

Um den Vorderteilschnitt an der richtigen Stelle zu vergrößern, gebe ich die Mehrweite nicht an der Nahtkante zu, sondern in der Mitte. Die Mehrweite soll ja ab der Schulter beginnen, nicht ab dem Kragen oder Ausschnitt.

Meine Jacke bekommt nur die seitlichen Vorderteile aus Futterstoff, da die mittleren Vorderteile ja in Form von Belegen mit Stoff abgedeckt sind.

Da ich keine Lust habe, einen gesonderten Futterschnitt zu erstellen, nehme ich die nötigen Änderungen auf dem Stoff vor. Zuerst zeichne ich mit Kreide eine lange Linie im Fadenlauf. (Die schwarz gepunktete Linie auf dem Bild.) Genau auf diese Linie wird der Fadenlauf des Schnitteiles gelegt. (Hier ist der Folienschnitt praktisch, denn ich sehe genau, wo das Schnitteil liegt.

Futterzugabe im Vorderteil Dann zeichne ich mit Kreide oder Trickmarker die Schnittlinie des seitlichen Vvorderteils nach. und zwar an der Seite, die an den Beleg genäht wird.

Anschließend verschiebe ich meinen Folienschnitt um den gewünschten Betrag (1-1,5cm) und zwar so, daß der auf dem Stoff eingezeichnete Fadenlauf und der Fadenlauf auf dem Folienschnitt (blau gepunktete Linie auf dem oberen Bild) parallel bleiben.

Dadurch rutscht die Schnittkante meines Folienschnittes (blau gepunktete Linie auf dem Bild rechts) von der gezeichneten Linie (weiß gepunktet mit keinen „Ausreißern“ beim Nachzeichnen auf dem Touchpad… 😮 ) weg.

Beim Zuschnitt schneide ich dann zuerst entlang der gezeichneten Linie auf dem Stoff und ab Schulter bzw. Saumkante orientiere ich mich wieder an meinem Folienschnitteil. (Da ich die Nahtzugaben schon auf meine Schnitteile gezeichnet habe, muß ich diese nicht mehr zugeben, sondern kann direkt an der Folienkante entlang schneiden.)

Doch damit nicht genug, auch die Ärmel bekommen im Futter mehr Raum. Allerdings nicht in der Weite, sondern in der Länge. Und zwar wird im Bereich der Achsel 1,5 cm zugegeben. Futterzugabe am UnterärmelDa diese Jacke einen Zwei-Naht-Ärmel hat, ist das etwas umständlicher, aber auch nicht schwierig.

Der Zugabebetrag von 1,5cm bezieht sich auf die Stelle genau über den Seitennähten, also an der Mitte des Ärmels. Beim Zweiteiligen Ärmel liegt diese auf dem Unterärmel, somit beginne ich auch mit dem Unterärmel.

Ich zeichne 1,5cm über der Markierung für die Seitennaht an und lasse eine Linie zur ursprünglichen Schnittkante auslaufen.

„Ankommen“ sollte die Linie auf der Höhe des Paßzeichens. So großzügig ist Burda aber mit Paßzeichen nicht, für hinten gibt es keines. Aber ich kann ja schätzen. Der Punkt muß auf alle Fälle unterhalb der Stelle liegen, an der mit dem Einhalten des Ärmels begonnen wird.

Die Linie zur anderen Seite bestimmen ist etwas schwieriger, denn da geht es ja mit dem Oberärmel weiter.

Deswegen lege ich dann den Oberärmel Nahtlinie auf Nahtlinie daneben und zeichne die Linie wieder freihand ein. Aber nur bis zur Schnittlinie des Unterärmels.

Man sieht an den Kreidestrichen, daß ich mehr als einen Versuch gebraucht habe, bis ich einen annehmbaren Linienverlauf erreicht habe. *g*

Wichtig ist auch noch, zu messen, wie weit die neu gezeichnete Linie genau auf der Höhe der Längsnaht von dem Schnitteil entfert ist.

Denn ich muß ja sozusagen auf gleicher Höhe am Oberärmel wieder ansetzen, damit die beiden Teile hinterher wieder genau zusammenpassen.

Futterzugabe am Oberärmel

Und da es am Oberärmel auch eine Paßmarke gibt…. ist es ein Kinderspiel, die Linie zu zeichnen.

(Das ganze zu photographieren war schon schwieriger…. da mußte die Bildbearbeitung ran und die echten Farben mußten geopfert werden. Meine Folie ist nicht grün, sondern durchsichtig. Aber so erkennt man mehr.)

Tja… und dann zuschneiden und nähen. Da ich das Futter von Hand einnähen werde, wird es nicht ganz genäht, sondern nur teilweise:

Die Teilungsnähte im Rücken werden geschlossen, dann die Seitennähte. Die Schultern bleiben offen.

Und an den Ärmeln werden ebenfalls die Ärmelnähte geschlossen und zwei Reihen Kräuselfaden zum Einhalten mit der Maschine eingezogen.

Danach kommt viel Handarbeit, zum Beispiel auf dem Sofa vor dem Fernseher….