Patentantes Kommunionanzug: Meine persönliche Challenge

So, nach der Feiertagsnähpause ist zumindest eines klar: Ich will den Hosenanzug bis Sonntag fertig bekommen. Nicht so mal vor mich hinwerkeln und sehen, ob es klappt.

Vier „Nähtage“ (den heutigen eingeschlossen) habe ich noch. Rein arithmetisch bedeutet das zähl, daß ich pro Tag 2,75 „Verarbeitungseinheiten“ an der Hose schaffen muß und 5,5 an der Jacke.

Das mit der Hose sieht hoffnungsvoll aus, obwohl ich mich da heute morgen beinahe wieder mal selber ins Bein geschossen hätte, als ich den abgeschnittenen aber nicht verriegelten Reißverschluss für die Anprobe schwungvoll öffnete. 🙁 Aber ich habe zum ersten Mal in meinem Leben erfolgreich einen RV-Schlitten wieder aufgefädelt. Und ich werde großzügig darüber hinwegsehen, daß die Hose etwas zu weit ist. (So viel zum Thema „Probehose“. Hilft gar nichts, wenn man drei Kilo abnimmt, bis die Hose dann fertig ist.) Wegen der Tasche und der Absteppungen in der Seitennaht und der ungünstigen Position der Abnäher kann ich sie auch nicht mehr mit vertretbarem Aufwand enger machen. An der Mittelnaht kann ich immerhin vorne noch korrigieren. Der Rest bleibt so, für die nächse Gewichtszunahme. Kommt bestimmt früher oder später.

Die Jacke hingegen… okay, weniger Forum, weniger Chat (da haben sie mir heute durch geschickte Wahl eines ausgelutschten und langweiligen Themas den Ausstieg immerhin leicht gemacht) und mehr nähen…

Ärmel hochkrempel

Patentantes Kommunionanzug: Zwischenbilanz

Heute habe ich die Nähsachen erst einmal weggepackt. Am Karfreitag wird sowieso nicht genäht, das passt für mich nicht. Und morgen bekommen wir Besuch bis Montag. Zwei Erwachsene, drei Kinder. Ich habe versucht, alle Stecknadeln zu finden, zumindest in dem Zimmer, in dem die Kinder schlafen werden….

Tja, was macht der Anzug? Gute Frage… jedenfalls habe ich mein Talent Dinge aufwendiger zu gestalten erneut bewiesen. :o) Jede Naht beidseitig mit Stickgarn absteppen bedeutet natürlich auch: Jedesmal Faden wechseln und, weil es halt doch einen Tütscher schöner wird, auch die Nadel mit. Eigentlich geht das ja auch schnell, aber meine Teilungsnähte haben ja Taschen. Taschen mit Nahtreißverschlüssen. Und der Grat zwischen „Nahtreißverschluss schmal absteppen“ und „Verflixt, jetzt habe ich schon wieder die Spirale zugenäht“ ist schmal. Sehr schmal. (Ein Loblied auf den Erfinder des Nahttrenners!)

Also die Hose besteht schon nur noch aus zwei Einzelteilen: der Futterhose, die fertig genäht und gesäumt ist und der Stoffhose, deren beiden Hosenteile vermittels des (Naht)Reißverschlusses schon zusammenhängen.

Noch zu tun:

  • Innere Beinnähte beidseitig schmal absteppen.
  • Mittelnaht steppen, evtl. absteppen (eher nicht, denke ich).
  • Futterhose und Stoffhose an der oberen Kante zusammennähen.
  • Obere Kante mit breitem Gummi verstürzen.
  • Obere Kante schmal absteppen.
  • Hosensaum versäubern und zwar mit dieser Technik.
  • Hose säumen.
  • Saum schmal absteppen.
  • Futterhose von Hand auf Reißverschluss nähen.
  • Enden des Gummibands von Hand befestigen, evtl. Haken und Öse anbringen.
  • Futterhose mit Riegeln in der Hose befestigen.

Sonntag in einer Woche ist es soweit. Das könnte noch klappen, auch wenn ich nicht jeden Tag nähen kann.

Die Jacke hingegen… besteht noch aus sieben Einzelteilen: Dem Jackenkörper, dem Kragen, zwei Ärmeln, der Futterjacke und den beiden Ärmelfuttern. Da ist noch eine Menge zu tun:

  • Kragen annähen.
  • Kragen schmal absteppen.
  • Ärmelsäume schmal absteppen.
  • Verschlüsse einnähen. (Das wird noch ein größeres Problem. Ich habe so wunderschöne, flache, quasi unsichtbare Magnetverschlüsse gefunden. Leider habe ich irrtümlich nur vier gekauft, um zu sehen, daß sechs Knöpfe gefordert sind. 🙁 Und natürlich gibt es die nicht mehr und sie kommen vermutlich auch nicht mehr nach. grrr Keine Ahnung, was ich tun werde. Entweder ich komme mit vier aus oder ich muß doch Druckknöpfe aufnähen, wie in der Anleitung vorgesehen. Was mir aber eigentlich nicht gefällt. 🙁 )
  • Besatz neben Verschlüssen unsichbar aufs Vorderteil nähen.
  • Saum von Hand nähen.
  • Saum und Jacke einmal rundum absteppen.
  • Ärmel einnähen.
  • Armausschnitt schmal absteppen.
  • Schulterpolster einnähen.
  • Ärmelstütze einnähen, wenn ich noch geeignetes Material finde. :-/
  • Besatz unsichtbar anhexen.
  • NZG von Futter und Oberstoff an der Seitennaht aufeinander heften.
  • Futter am Halsauschnitt anstaffieren.
  • Futter an der Schulter annähen und zusammennähen.
  • Futter an der vorderen Kante anstaffieren.
  • Futter am Armausschnitt anheften.
  • Ärmelfutter an der Armkugel anstaffieren.
  • Futter kürzen.
  • Futtersaum anstaffieren.
  • Ärmelfutter kürzen.
  • Ärmelfutter anstaffieren.

Oops… ist die Liste so lang, wie sie aussieht?!? PANIK!

Na ob das noch fertig wird?? (Wenn ich nicht handeingenähtes Futter so viel lieber mögen würde, wie maschinengenähtes… ) Ohne Futter könnte ich die Jacke ja vielleicht sogar anziehen, aber dann nicht aus. Auch nicht praktisch.

Naja, wenn das Wetter so bleibt, dann kann ich auf bewährte winterliche Festkleidung zurückgreifen: Samtkleid und Kuschelmantel aus Microfur. :o)

Stoff-Shopping in Paris: Sacres Coupons – Le gentleman des tissus

Das Wortspiel im Namen ist schwer zu übersetzen, so bedeutet „sacre“ einmal „heilig“ und es klingt auch der Name der Kirche Sacre Coeur, die ja den Montmartre dominiert an, zum anderen ist es aber auch ein Bestandteil vieler Kraftausdrücke und dann bedeutet es so etwas wie „verdammt, verteufelt“.

Das Angebot des kleinen Ladens ist jedenfalls verdammt gut. Und verflixt wechselnd. 😉 Es gibt nämlich kein (oder kaum) ein reguläres Sortiment, sondern Coupons und die jeweils, bis sie weg sind. Die Coupons sind auf Tischen nach Materialien sortiert (Baumwolle, Leinen, Seide, Viscose,…), zumindest zeitweise. Denn um irgendetwas zu erkennen muß man in den dicht an dicht geschichteten Stoffstücken wühlen, was von den Kunden (oder eher Kundinnen) auch ausgiebig getan wird. Und danach ist es mit der Ordnung vorbei. Zwar schichtet das Personal immer wieder neu, aber das dauert deutlich länger als das Wühlvergnügen.

Was es gibt ist kaum vorauszusagen. Aber das Angebot ist immer sehr gemischt, was Farben, Muster und Materialien betrifft, so daß eigentlich fast immer für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Die Coupons sind meist so zwischen 2,50 und 3 Meter lang, manchmal sind auch kürzere dabei, eben je nach Anfall. Jeder Coupon hat ein kleines Etikett das Länge, Material und Preis angibt. Sehr übersichtlich. Und falls die Länge nicht reicht, meist findet man noch einen zweiten Coupon mit dem gleichen Dessin. Wenn Zeit ist, hilft das Personal durchaus auch mal beim Suchen. (Aber wer will sich das Vergnügen denn nehmen lassen?)

Mit der Qualität war ich bislang immer zufrieden und die Preise können sich mehr als sehen lassen. Ein paar Beispiele aus dem letzten halben Jahr: 3m feiner Baumwolljersey mit Rosendruck aus dem dann diese beiden Shirts wurden für 18,50 EUR, 2,70m Leinen mit Cloquestruktur knapp 16 EUR, 3m sehr feine leicht glänzende Baumwolle gut 10 EUR.

Seide liegt je nach Qualität zwischen 35 und 80 EUR für einen 3m Coupon. Da tauche ich immer zuerst ein, denn es sind meist ganz verschiedene Qualitäten von Dupion über CrepeSatin bis Chiffon dabei, die anderswo für den Preis kaum zu haben sind.

Adresse: 4bis, Rue d“Orsel, 75018 Paris (Metro Anvers)

Kölner Nähbrunch: Palmsonntagsbrunch

Wie beinahe immer vor Fest- und Feiertagen… ein Nähbrunch geht immer. Diesmal wieder rein kulinarisch im Cafe Duddel und ohne Nähmaschinen. Aber natürlich nicht ohne Nähthemen…

Darcys BlazerDa Darcy unvorsichtigerweise (oder vielleicht auch hungrigerweise…?) zeitig kam, stand sie mit ihrem berühmten Blazer auch sofort im Mittelpunkt des Interesses. Interesse auf Hobbyschneiderinart, wie man sieht. TÜV-Prüfung ist nichts gegen diese Inspektion.

(Wobei ich selbstverständlich ausdrücklich betonen möchte, daß Frau H.BindestrichS. sich dabei vornehm zurückhielt. 😉 )

Nähbrunch

Also sagen wir, sich in diesem Punkt vornehm zurückhielt.

Eine weniger charmante Erklärung wäre dann auch, daß sie anderweitig beschäftigt war. 😀

Nähbrunch

Andererseits, Fastenzeit hin oder her, hatten wir uns ja nicht zum Zurückhalten getroffen, sondern zum Brunch genießen. Ein Konzept, das auch von neuen Teilnehmerinnen sofort verstanden wurde.

Nähbrunch

Diese junge Dame hingegen versteht es jedesmal aufs Neue, sich perfekt in Szene zu setzen, so bald die Kamera auftaucht. (Man beachte die farblich passende Limonade…)

Und ich… falle jedesmal wieder drauf rein… 😉

Nähbrunch

Doch auch alle anderen haben sich gut unterhalten. Beim Essen, beim Reden,….

Nähbrunch

… beim eifrigen Lesen mitgebrachter Nähzeitungen. Neben BizzKids und Fimi waren nämlich auch so seltene und exotische Gewächse wie Threads vertreten.

Nähbrunch

Und wer gerade eine Hand frei hatte, machte selber Photos. Die ja angeblich auch mal zu sehen sein sollen.

Frag sich nur wo?

Im ElfenundKampfzwergeBlog vielleicht?

Nähbrunch

Und auch wenn Weihnachten vorbei ist, das Strickfieber grassiert weiter… wunderschöne Wolle, so fein und leicht und weich…

Und wunderschöne Farben. Was doch so alles dabei herauskommt, wenn man zur Farbberatung geht. 😉

Das war die Bilderschau für dieses Mal. Wie üblich habe ich nicht alle erwischt, aber es sollte ja noch andere Bilder an anderer Stelle geben. Da hoffe ich mal drauf.

Der nächste Brunch wird dann wieder fleißig und in Aachen sein.

Irgendwann… so Mai bis Juni.

Essen in Paris: Delice House

Mittags rasch etwas Warmes in den Bauch bekommen ohne hinterher pleite zu sein oder so vollgefressen, daß man sich nicht mehr bewegen mag… das läuft oft auf einen Chinesen hinaus. Diese Schnellrestaurants gibt es an beinahe jeder Ecke, die Einrichtung hat den Charme eines Wartesaals, aber die Qualität des Essens ist in Ordnung. Meist keine kulinarischen Highlights, aber man kann auch nicht viel falsch machen. Und sie unterscheiden sich nicht groß, so daß es nicht lohnt, sich eine Adresse zu merken. Man nimmt einfach den nächsten.

Bis auf manche, da lohnt es sich dann doch, die Adresse zu notieren.

Von außen unterscheidet sich „Delice House Traiteur Asiatique“ nicht wirklich von all den anderen. Vielleicht ein wenig größer. Und die Schlange reicht zur Mittagszeit bis weit zur Tür hinaus. Obwohl viele das Essen mitnehmen und die Abfertigung zügig geht.

Wir entschieden uns für das „Menue Vapeur“ (das sind verschieden gefülte ravioliartige Taschen, die im Dampf gegart werden, wie der Name „Vapeur“ verrät) und bekommen für 7.95 EUR nicht nur zehn der kleinen Köstlichkeiten, sondern auch noch eine Flasche Evian und einen Fruchtsalat. Aus frischen Früchten, nicht wie meist aus der Dose. Und wir haben Februar.

Fruchtsalat und Getränk bekommen wir mit, die Vapeurs werden noch heiß gemacht. Der Saal, in den wir durchgewunken werden, befindet sich hinten und ist mit Stoff- und Kunststoffpflanzen so freundlich dekoriert, daß kaum mehr auffällt, daß wir uns eigentlich in einem fensterlosen Gebaudeteil befinden.

Die Tische und Stühle stehen eng an eng, wir erobern uns aber zwei freie Plätze. In den umliegenden Firmen und Büros ist Mittagspause, so daß nicht Touristen mit Rucksack, sondern Angestellte in Anzug oder Kostüm das Bild bestimmen. Immer wieder kommt jemand mit einer Schüssel oder einem heißen Teller nach hinten. Dann heißt es aufpassen, denn er ruft, was er auf dem Teller hat. Wer es bekommt, muß sich selber melden. Dazu muß man allerdings verstehen was er sagt. Und sein französisch ist nicht unbedingt das beste. (Die mit den besseren Sprachkenntnissen außer chinesisch arbeiten vorne an der Theke… g)

Wenn sich keiner meldet, geht er wieder weg. Dann kommt jemand von vorne, guckt, wer das bestellt hatte (oder haben könnte, denn es ist viel los und bei geschätzt einem Kunden pro Minute merkt sich wohl auch der Mann an der Kasse nicht mehr alle). Irgendwie bekommt aber jeder was.

Neben dem lebendigen Ambiente war aber auch das Essen eine positive Überraschung: die verschiedenen Vapeurs unterscheiden sich geschmacklich deutlich, sind unterschiedlich gewürzt etc. Und einfach gut. Besser als wir das sonst in diesem Setting gewöhnt sind.

Weswegen ich mir die Adresse notiert habe 😉 : 81, Rue St. Antoine, das ist auf dem Weg von der Bastille zum Hotel de Ville.

Revue de Presse: OTTOBRE design Woman 2/2006

Der Name ottobre war mir ja schon länger ein Begriff, aber da ich nicht so viel für Kinder nähe, hatte ich mir nie eine gekauft. Da fiel mir am Bahnhofskiosk unverhofft diese ottobre „woman“ auf mit dem überaus verheißungsvollen Untertitel „Größe 34-52“. Ich ließ das Heft rasch (ich wollte ja zum Zug) über den Daumen laufen, überzeugte mich an drei beliebigen Beispielen, daß nicht nur ein Alibimodell in Größe XL vorhanden war und ging zur Kasse.

Wo ich angesichts der 6,90 EUR für das recht dünne Heft erst einmal kräftig schluckte. Aber die klare, sachliche Aufmachung des Heftes gefiel mir und in großen Größen gibt es ja nicht so viele Schnitthefte. Und ein Einzelschnitt kostet ja auch Geld.

Das Editorial belehrte mich dann erst mal, daß es sich um das erste Damenheft des Verlages handelt. Ziel ist es, so steht es da, eine Grundgarderobe für den Alltag zu bieten.

Und das ist, um es kurz zu machen, auch rundum gelungen.

Zwei Shirts (eines in verschiedenen Ärmellängen und Ausschnitvarianten), drei Blusen, ein Blazer und eine Hose (jeweils in verschiedenen Varianten was Details wie Taschen oder die Hosenlänge betrifft), ein Rock in vier Varianten, dazu eine Strickjacke (leider nur bis größe 48) und ein Trenchcoat. Damit kommt Frau locker über den Sommer. Und je nach Farb- und Materialwahl passen die Basics ins Büro genauso gut wie auf den Spielplatz.

Taschenschnitte kann man sich noch zusätzlich (wenn ich das richtig verstehe) von der Webseite runterladen.

Und obwohl die Redaktion festliche Mode auf ein anderes Heft verschieben will, ist auch alles für den großen Auftritt vorhanden. Denn einen Hosenanzug kann ich genauso aus Samt, Brokat nähen, den Rock aus Seide, den Trench aus edlem Mettallic-gewebe.

Besonders angetan hat es mir persönlich die Strickjacke 18. Ob ich einen passenden Stoff finde? Und ob das wirklich funktioniert, daß man das Satinbändchen einfach durch die Maschen zieht? So grob gestrickt sieht der Stoff gar nicht aus…

Shirt-Schnitt habe ich an sich einen passenden, ob ich da experimentieren werde? Wohl eher nicht. Die Blazertaschen von Modell 15 gefallen mir auch sehr gut, auch der Rockschnitt 10. Aber ohne den dämlich blickenden Hund. :o)

Bei der Wickelbluse habe ich auch große Zweifel bezüglich der Alltagstauglichkeit. Die wird nur von einem dünnen Bändchen gehalten, wenn ich die Anleitung richtig interpretiere… na, ich weiß nicht…

Gefallen hat mir übrigens auch die Aufmachung: Statt magerer Models sieht man gutaussehende Frauen mit verschiedenen Figuren, schlankere (ohne mager zu sein) und molligere. Jüngere und ältere. Die Posen auf den Bilder wirken zwar teilweise etwas hölzern und sind wenig innovativ. Aber – helas! – man erkennt die Kleidungsstücke! Und das ist mir eigentlich wichtiger.

Ich werde mich also mal an der Strickjacke versuchen und wenn das Experiment glückt, nächstes Jahr wieder nach einer Ottobre Woman Ausschau halten. Denn wenn ich die Abomöglichkeiten richtig interpretiere, dann ist kein zweites Heft in diesem Jahr geplant.

Geiler als Geiz

Es war einmal eine Zeit, als noch nicht an jeder Ecke ein Supermarkt stand. Die Einkäufe für das täglichen Leben machten Mama und Oma beim Metzger, beim Bäcker,… und, wenn sie keine Zeit für den Weg in die Vorstadt hatten, beim Tante Emma Laden.

Die Inhaberin hieß natürlich nicht „Tante Emma“, sondern Frau H., aber von Damenstrümpfen über Bindfäden, Bier und Limo, Wurst und Käse bis zu Schokolade und Eis war alles im Sortiment. Auch für die frischen Brötchen am Samstag Morgen war gesorgt, die konnte man vorbestellen und sie warteten dann abgezählt in einer Tüte auf die Langschläfer.

Es war einmal eine Zeit, als die Läden um sechs schlossen (Samstags spätestens um zwei) und nicht jeder Haushalt eine leistungsfähige Tiefkühltruhe hatte.

Doch das war nicht schlimm, denn Frau H. wohnte direkt über ihrem Laden (die Küche war sogar gleich daneben) und wenn an einem heißen Sommersonntag die Lust nach einem „Braunen Bär“ übermächtig wurde, dann wußten wir, wir konnten klingeln, wenn sie nicht ohnehin vor dem Haus saß oder im Garten werkelte. Auch wenn beim Decken des Abendbrottisches die fehlende Butter erst bemerkt wurde oder der unerwartete Besuch Lust auf Sahne zum Kuchen aufkommen ließ, der vergessene Geburtstag die Schachtel Pralinen zur Notwendigkeit machte… geschwind wurde ein Kind geschickt und das mit dem Ladenschluss war eigentlich gar nicht mehr so schlimm.

Natürlich war alles etwas teurer als im Supermarkt in der Stadt. Aber dafür verwöhnte uns auch der beinahe immer und beinahe alles Service.

Heute steht an jeder Ecke ein Supermarkt, nicht nur Lebensmittel sondern auch Kleidung oder Elektrogeräte sind zu SB-Artikeln geworden, die der Kunde für einen geringen Preis selbst aus dem Regal holt.

Doch brauchen wir mal einen Service, dann wird es teuer. Und wem gar am Wochenende eine Leitung platzt, so daß er den Handwerker-Wochenenddienst braucht, der darf so richtig löhnen. Denn die Handwerker müssen auch leben und wenn sie nur noch im Notfall randürfen, wird das halt teurer.

Am Wochenende war ich bei meiner Mutter zu Besuch, immer noch in der selben Kleinstadt.

Sonntag gegen halb elf fiel auf… die Heizkörper sind kalt und das Warmwasser war auch schon mal wärmer. Und wie immer an einem Sonntag… auch die Taste für den Neustart zeigte keine Wirkung, der Brenner sprang nicht an. Nun gut, es hat keine Minusgrade mehr und einen Tag muß es halt mal die kalte Dusche tun, kein echter Notfall, vermutlich.

Kurzentschlossen griff meine Mutter zum Telephon, der Heinzungsinstallateur war Zuhause und sie bat ihn, am Montag vorbeizukommen. Denn so kalt wäre es ja nicht mehr.

Am Nachmittag läutet es an der Tür… davor steht der Installateur mit dem Werkzeugkasten, er guckt es sich gleich mal an. (Er ist dann auch noch „mal eben schnell“ die gut zehn Kilometer nach Hause zurückgefahren, um einen Ersatzbrenner zu holen.)

Service ist eben noch geiler als Geiz!

Über den Blogrand: Wir warten auf den Osterhasen…

… und Tinalein will uns die Zeit bis Ostern ein wenig verkürzen.

Deswegen startet am 01. April (Sie schwört Sein und Bein, daß es kein Aprilscherz ist. Falls doch, darf sie an den Pragner gestellt und mit kaputten Nähmaschinennadeln beworfen werden. :o) ) ihr „Osterkalender“, in dem es jeden Tag einen Link auf eine interessante Handarbeitsseite gibt. Und als Höhepunkt am Ostersonntag und am Ostermontag sogar jeweils eine Gewinnmöglichkeit. (Wobei ich auf die theologische oder im Brauchtum verhaftete Erklärung zum Ostermontag als „Schenktag“ jetzt schon sehr gespannt bin. 😀 )

Soweit zumindest der Plan.

Wird sie es schaffen? Hier könnt ihr nachgucken: Tina“s Sammelsurium

Patentantes Kommunionanzug: Einlagenkrise

Nachdem alles andere dringende erledigt ist, rückt mein Hosenanzug wieder auf Platz eins der Prioritätenliste.

Und damit kann ich mein übliches Problem nicht mehr weiter hinausschieben: Die Einlage.

Zum einen natürlich, daß ich das Aufbügeln hasse, weil es einfach langwierig und langweilig ist. Und man kann es auch nicht beschleunigen, sondern muß geduldig warten. (Unzählige Blasen an Kleidungsstücken haben mir das beigebracht….)

Noch schlimmer aber: Ich muß entscheiden (welch böses Wort!) welche Einlage ich nehme??? Da ich einen Vogue-Schnitt benutze steht natürlich keine freundliche Vlieselinenummer daneben. Und wenn, würde sie mir nichts nützen, da ich ein anderes Material verwende.

Zuerst hatte ich mir G785 besorgt, weil ich dachte, Canvas ist steif genug, der muß nicht wirklich verstärkt werden.

Dann bekam ich die Panik, las in der Vliesschule, daß G740 für festere Stoffe ist und kaufte die auch noch.

Tja… und dann stand ich davor. Es half nichts. Bügelprobe.

Ein ebenso lästiges wie unfehlbares Mittel.

G785 ist das, was ich will.

Warum schiebe ich das nur immer so lange vor mir her? Und komme vor lauter überlegen nicht zum Nähen. 🙁

Simplicity: Khaliah Ali Collection 5107 (Tunika, Hose, Rock)

Mit diesem Schnitt hatte ich ja schon länger geliebäugelt. Nur fehlte die Gelegenheit. Doch anläßlich eines „Gesellschaftsabends“ bei einem Kongress brauchte ich was schickes, aber eben nicht zu elegantes. Schwarze Hose und Tunika sind da immer gut. Also habe ich bei Tissus Reine in Paris zugeschlagen und den Schnitt mitgenommen.

SchnittIch habe die Tunikavariante mit den langen, geschlitzten Ärmeln sowie die Hose genäht.

Bei der Hose hätte ich laut Maßtabelle Gr 24W, nach einem Vergleich mit anderen Schnitten habe ich mich aber für 22W entschieden. Ich wollte sie aber bewußt im Hüftbereich nicht so weit und habe außerdem wie hier ausführlich beschrieben den Gummizug „rauskonstruiert“ und Abnäher und einen Reißverschluss in der hinteren Mitte eingearbeitet. Zusätzlich habe ich vorne noch eine kleine Paspeltasche quer eingearbeitet (trägt nicht auf), da ich Hosen ganz ohne Taschen einfach megaunpraktisch finde. Verlängert habe ich die Hosenbeine nach dem Vergleich mit dem anderen Schnitt um 4cm, jetzt ist sie so lang, wie sie auch auf dem Foto aussieht. Das war eine für mich ungewöhnliche und unerwartete Änderung. Eine meiner „normalen“ Änderungen ist hingegen, daß ich ein Futter bis zum Knie einarbeite, das ich einfach genauso wie die Hose selber zugeschnitten habe.

Gut gefallen hat mir, daß der Schnitt der hinteren Hosenteile zur Mitte hin höher geht. Ich habe lange gezögert, ob das ohne Gummizug auch so sein muß, habe es aber gemacht und bin begeistert: Endlich ist das Gefühl, es zieht im Kreuz, weg. Ich denke mal, bei größeren Hinterteilen ist das generell eine gute Idee.

Als Material hatte ich einen schwarzen Leinenstoff mit kleinem Cloque-Effekt von Sacre Coupons (Paris), der sich gut und ohne Probleme verarbeiten ließ. Bei der Verabeitung habe ich mich weitgehend an die Anleitung gehalten, die gut bebildert ist und auf Englisch und Französisch vorliegt. Bei der Bundverarbeitung mußte ich natürlich abweichen. Da habe ich Futterhose und Hose an der Kante zusammengenäht, danach ein festes, 1,5cm breites Gummiband mit etwa 20 Prozent Dehnung aufgenäht, nach innen eingeschlagen und in Nahtschatten der Abnäher und Nähte festgesteppt.

Die Hose passt gut, ist bequem und ich werde den Schnitt sicher noch das eine oder andere Mal für weite Sommerhosen verwenden. Mit Gummizug ist sie sicher Anfängergeeignet, doch auch mit der Abnäherabwandlung nicht schwierig zu nähen.

Das war bei der Tunika nun deutlich anders.

Hier habe ich Größe 18W genommen und bin zur Hüfte auf 20W gegangen, was reichte, da die Tunika sehr weit ist und Seitenschlitze hat. Sonst habe ich keine Änderungen vorgenommen, weil ich dachte, die Schulter sei schmal genug. Dabei hatte ich übersehen, daß dies dem breiten Ausschnitt zuzuschreiben ist… ich hätte also besser meinen üblichen Zentimeter verschmälert. Vom Prinzip her ist die Tunika einfach, allerdings wird sie schräg zugeschnitten und aus zwei Lagen gearbeitet.

Für die untere Lage hatte ich einen feinen, festen Baumwollstoff in einem leichten Cremeton (auch von Sacre Coupons), für die obere Lage und die Ärmel einen traumhaften gemusterten Seidenchiffon (vonScherzkeks-Stoffe). Zusäztlich konnte ich den zum Zuschneiden nicht so ausbreiten, wie ich gewollt hätte. Das zusammen machte die Verarbeitung schwierig.
OutfitDie Anleitung an sich war gut und detailliert. Besonders hat mir gefallen, daß unterschiedliche Varianten zum Nähen und Säumen von transparenten Stoffen angeboten werden, sowohl für Nähen mit der Overlock als auch zum Arbeiten mit der normalen Nähmaschine. Wobei diese Arbeitsanweisungen im Verlauf der Anleitung wohl verloren gehen, denn später ist die Rede davon, den Beleg an den auseinandergebügelten NZG der Schulter festzunähen. Die nur nicht vorhanden sind, wenn man die Schulternähte mit schmalen Säumen wie empfohlen arbeitet. 😀

Ich habe mich also bei der Tunika an die Anleitung gehalten. Problematisch war es, die beiden Stofflagen dann an Halsausschnitt und Ärmausschnitten zur Deckung zu bringen. Der Baumwollstoff blieb trotz Schrägschnitts recht stabil, der Chiffon hatte sich doch etwas verzogen. Ich bekam es hin, mußte aber die Stütznähte an Ausschnitt „opfern“. Ob er deswegen etwas weit ist, oder nur, weil große Ausschnitte eigentlich immer zu weit geraten kann ich nicht sagen.

Was auch nicht so funktionierte wie in der Anleitung waren die Ärmel. Die sollten glatt eingesetzt werden, mußten aber eingehalten werden. Und zwar besonders im vorderen Bereich. Man sieht nichts nachteiliges am fertigen Stück, aber die passen einfach nicht ganz.

Daß der Beleg eines großen Ausschnittes (den ich wegen der beiden transparenten Stoffe mit hautfarbener G785 bebügelt hatte, wodurch er tatsächlich unsichtbar bleibt) mit nur zwei „Befestigungspunkten“ an den Schulternähten nicht hält kam nicht so überraschend, war aber mit einigen Handstichen zu lösen.

Ob ich so noch mal nähen werde weiß ich nicht. Sie fällt durch den Schrägschnitt natürlich sensationell gut. Und durch die asymmetrischen Lagen ist es auch egal, ob der Saum ganz gleich ist, sieht man eh nicht. Andererseits war es, zumindest aus Seidenchiffon eine sehr fuzzelige Arbeit und ich mußte an der einen oder anderen Stelle pfuschen. (Sieht man zum Glück nicht.)

Sollte ich sie noch mal nähen, dann werde ich jedenfalls die Schulter verschmälern und den Auschnitt einhalten. So lange ich ganz grade stehe passt er, aber wenn ich mich bewege klafft er doch etwas. Zum Glück sieht das aus der eigenen Perspektive immer viel dramatischer aus, als vom Gegenüber. :o) Was ich ggf. auch ändern werde ist die Saumzugabe: 6mm umbügeln ist mühsam, 1cm wesentlich einfacher. Und auf 3mm zurückschneiden muß man es eh. 4mm ergeben auch keine nennenswerte Stoffersparnis.

Hm, doch, ich denke, ich werde es noch mal versuchen, aus etwas weniger fisseligem Stoff und vielleicht auch gerade geschnitten, statt schräg. (Und sorry für die schlechte Qualität des Bildes, aber im Spiegel bei ungünstigen Lichtverhältnissen scharfstellen überfordert die Digicam dann doch.)