Über den Blogrand: Alles ist machbar….

… und alles verwendbar.

Manche Bastelideen dieser Seite sind banal (aber deswegen nicht weniger hilfreich), andere beinahe genial.

Ob schneller Ersatz für die vergessene Tropf-Stopp Tasse des Nachwuchses, Schnapsgläse aus Eis, (pädagogisches) Spielzeug aus Verpackungen und anderem Müll,… dieses Blog stellt eine Linksammlung dar, die ungefähr alles an Ideen enthält, die einem für Bastelein so kommen könnten. Und noch ein paar mehr.

Du wolltest schon immer mal einen PC als Origami aus Papier falten oder ein Escher-Bild aus Lego nachbauen? Unerwünschte Werbesendungen als Jalousie nützlich machen? Ein T-Shirt mit LEDs zum Leuchten bringen? Eine Strickmaschine aus Lego bauen oder Pacmans sticken? („Crafts“ oder „Art“ sind interessante Kategorien…)

Die Beiträge sind zwar zum großen Teil technische Basteleien, aber es sind so viele Kategorien, da bleibt auch genug für die, die mit dem Lötkolben fremdeln. 😉 (Pixelgraphiken als Quilts nähen oder Logos stricken zum Beispiel.) Manches mag geschmacklich grenzwertig sein (Bilder aus Kaugummi…), aber die Menge der Beiträge liefert einem alleine beim Anschauen schon Beschäftigung für mehrere kalte Winter und verregnete Sommertage zusammen.

Einziger Nachteil: leider auf Englisch. Das Makezine-Blog

Revue de Presse: burda Modemagazin 04/2006

Morgens halb neun in Deutschland…. mit halbgeschlossenen Augen tappse ich in die Bahnhofsbuchandlung, ziehe eine Burda vom Stapel (Lider kurz um weitere 3mm gehoben um sicher zu stellen, daß es auch die April Burda ist und nicht irgendein Sonderheft für Zierliche oder „1001 Möglichkeiten, ein Osterei besonders häßlich anzumalen“), zahle und wanke zum ICE.

Nachdem ich dort einen freien Sitzplatz gefunden und mich häuslich eingerichtet habe, finden auch meine Sehschlitze allmählich zu ihrere üblichen Form und Größe. Um die Schrift in weiß auf bunt zu lesen reicht es noch nicht ganz, aber die warmen Farben auf dem Titel gefallen mir schon gut. Und eine Stunde bis Frankfurt sind mehr als genug Zeit für einen ausführlichen Heftcheck.

„Wie haben die das denn hinbekommen? Dicke Wassertropfen auf der Blende???“ Jetzt sind die Augen ganz offen… ach, das sind runde Perlen, Ton in Ton und unregelmäßig aufgenäht. Das Stoffmuster gefällt mir nicht besonders, aber der Effekt ist cool. Den muß ich mir merken. Hoffentlich kann ich ihn irgendwann mal einsetzen.

Jetzt bin ich auch wach genug, mich mit dem Editorial auseinanderzusetzen. Immerhin besteht es aus Buchstaben, das ist anstrengender als Bilder. 😀 Und… hey, da steht ja was über den Chat und die Blogs! (Ist irgendjemand wegen dem Editorial hier gelandet und liest jetzt mit? Hallo und Willkommen! ;-))

Ethno-Look mit auffällig bedruckten Stoffen dominiert die nächsten Seiten. Ich muß beim nächsten Parisbesuch doch mal wieder zu Toto… Das Print-Muster in Braun auf Beige gefällt mir… oh, in Rot auch? Noch schöner. Und sogar als Mantel, nur leider wieder die falsche Größe. Aber ich kann es gewinnen, schreiben sie. Mantel 101 und Hose 106, das werde ich doch mal versuchen.

Dann kommt noch mal das Titelmodell. Naja, als Zweiteiler wäre mir das Muster endgültig „too much“. Aber die Idee mit den Perlen… doch, toller Effekt.

Die Best Basics kommen diesmal in Marine daher, ganz meine Farbe. Die Jacke 115… soll die an den Schultern so locker sitzen oder passt sie dem Model nur nicht? Hose 119… tiefe Kellerfalten im Hosenbein. So eine Idee geht mit schon lange im Kopf um, da werde ich doch mal nachgucken, wie das gearbeitet ist. Ist ja nicht meine Größe, aber wieder ein Detail zum „Klauen“… Da die Hose an der Hüfte schmal anliegt, müßte das auch in meiner Größe gut aussehen.

Was denn, es gibt wieder „Betrügerle“??? Und ich versuche meine Mutter schon Zeit meines Lebens beizubringen, wie stillos das ist. Ohne den dämlichen Kragen und die Rüschenmanschetten sieht die Jacke so pur hingegen schön aus. Nur sehr viel zu klein. 🙁

Mode für Zierliche wird nur kurz übergeblättert, nicht meine Länge, nicht meine Breite. (Trotzdem… die quer verlaufenden Schulterklappen der Bluse sehen originell aus. Und die Falten des Rockes hinten an einem zierlichen Po sicher sehr süß…)

Die City-Kollektion kommt in sehr bunt und apfelgrün daher. Unübliche Farbkombis und aus einem guten Grund unüblich… Unter „City“ stellt sich die Redaktion wohl auch eher einen Kurort als eine Stadt vor. „Modell B“ wird jedenfalls nicht mein Lieblingsmodell, die Farben bestenfalls zu Karneval und da wäre es zu kalt. :o) Das Neckholder Shirt mit dem Matrosenkragen hinten… gar nicht schlecht, auch gleich ein guter Schutz vor Sonnenbrand. Ob allerdings der Kragen hinten so flach liegen bleibt? Oder sich, da das Shirt mit seinem ganzen Gewicht dran hänt, schnell als Rolle um den Hals klumpt…?

Die Raffung des Blazers hinten ist auch pfiffig und auf den Bildern gut zu erkennen.

Was haben sie sich für den Styling-Teil denn diesmal ausgesucht? Oh, den Georgette-Rock mit dem ausgesucht häßlichen Stoff. Für die Freizeit mit mindestens genauso mißgestalteten Schuhen zu kombinieren. (Sagte ich schon, daß ich die Styling Seite liebe? Sie bietet meist wundervolle Vorschläge, wie man es keinesfalls machen sollte. Zumindest nicht, wenn man auf Stil Wert legt. 😀 )

In der Version für den Abend sieht es aber sogar ganz nett aus, auffällige, wenngleich komplett unpraktische Tasche. Beim Büro-Outfit denkt die Redaktion offensichtlich an eine Tätigkeit in einer Moderedaktion. Oder für jemanden, der bei der Arbeit den dringenden Eindruck erwecken will, nicht zu arbeiten, sondern nur auffällig auszusehen. High-Heels mit möglichst viel nackter Haut am Fuß, strassfunkelnde Uhr und riesen Ohrringe sind in aller Regel ja nicht das Outfit für den Aufstieg in die nächste Gehaltsklasse. Aber absolut passend, um bei einem Stadtbummel mit der Freundin das Gehalt des Ehemannes zu verprassen, während sich das Personal um den Haushalt kümmert. 😀

Das Shirt aus dem Maßschnitt gefällt mir. Allerdings sieht es nicht so aus, als ob es dem Model wirklich passen würde. Und wie das in mehr als Größe 34 aussehen mag…?

Weiter geht es mit türkis und koralle. Am Pool farblich passend in Szene gesetzt. (Hey, das Model hat Waden! Keine Stöckchen… ) 116 wird als „figurnahes Trendstück“ beschrieben. Ob dem so ist, lässt sich aus dem Bild nicht sagen, denn das Fotomodel hat leider keine. Also keinen Busen, keine Hüfte, keinen Po. Und keine Taille, weil wo nichts rausgeht, kann auch keine Einbuchtung sein. Und so ganz ohne Figur… hängt das Kleid dann wie ein Kartoffelsack aus Jersey. Schade, ich glaube, es sähe sonst reizvoll aus. Das Wickeloberteil auf Seite 42 ist auch schön. Mist! Dafür gibt es keinen Schnitt. Bei den Mode Ideen mit Korallen-Muster ist ein Handtaschen-Schnitt dabei, immer gut. Ansonsten wirkt das alles etwas lustlos und wenig inspiriert dahingeschludert. (Okay, mir fiele zu „Koralle“ jetzt auch nichts tolles ein.)

Workshop zum Thema Leinen überflieg Nichts neues unter der Sonne, aber es muß ja auch für weniger erfahrene Hobbyschneiderinnen was drin sein.

Aha, „Mein Stoffladen“ scheint eine feste Rubrik im Leserforum zu werden. Ich sollte beim nächsten Mal meine Digicam mit in meinen Lieblingsladen nehmen. Nach welchen Kriterien die wohl auswählen? Und diese geschmacklose zehenlosen Strumpfhosen werden mal wieder angepriesen. Die Frage der Leserin war zwar, wie sie trotz nicht makelloser Beine den Sommer strumpflos genießen könnte, aber man kann ihr ja trotzdem erzählen, warum sie Strümpfe tragen soll. Danach war nicht gefragt, aber wer eine Antwort bekommt, sollte wohl einfach nicht kleinlich sein. (Liebe Leute, wer hat denn schon makellose Beine?… Na also! Einfach mehr selbstbewusstsein! Das kleidet besser… 😉 )

Die „neuesten Erkenntnisse“ zur Kosmetik sind so neu wie Omas Nähmaschine. Glücklicherwese wenig Text. Aber mit den Heftseiten könnte man nützlicheres machen. Noch ein paar Modell oder Nähtips oder was auch immer. Oder weiße Seiten, als Notizblock. Gleiches gilt für die „aktuellen“ Tips zur Akkupressur. Auch seit mindestens 20 Jahren die gleichen.

Die nächsten 20 Jahre vierzig zu bleiben würde meine persönliche „Wellness“ auch nicht steigern. So alt bin ich noch nicht. Aber es passt gut zu den ganzen Werbungen für Gedächtnispräparat, Gelenkkapseln und Stärkungstonikum. (Was war doch das Thema des Kongresses zu dem ich gerade fahre gleich? Ach ja, der ältere Verkehrsteilnehmer. Die Überalterung unserer Gesellschaft hinterlässt offensichtlich Spuren.)

Mahi Degenring Couture, ja das Top Label verdient diesen Monat seinen Namen. Ich liebe ihre Mode! Manchmal mache ich Abends auf dem Weg zur Straßenbahn einen kleinen Umweg, um an ihrem Schaufenster vorbeizugehen. So wunderbare Modell in prächtigen Farben! (Wenn ich einmal reich wär…. die Preise sind den Modellen angemessen. Nur leider nicht meinem Geldbeutel. 🙁 Aber alleine gucken ist eine Freude.) Ach, wenn es doch mal ein Mahi Degenring Modell in Plus-Größe gäbe…

Bei der Herrenmode ist Safaris-Stil angesagt. Äh… naja… „die coole Alternative zum klassischen Anzug“ käme bei meinem Schatz im Büro gar nicht gut an. Und mit Kravatte sähe sie auch ausgesprochen dämlich aus. :o) Und in der Freizeit braucht er keinen Ersatz für Anzüge, weil er da keine trägt. Die Hose als neuen Standardschnitt für Freizeithosen? Mist, Elastikgabardine. Schatzi trägt im Sommer aber Leinen. Dann bleibe ich halt bei den alten Schnitten und hoffe auf die Herbstausgabe. 🙁

Ah, endlich der PLUS-Teil. Ich gucke zwei Mal… Das Model… die könnte glatt Gr. 42 haben. Vielleicht sogar mit einer leichten Tendenz zu 44? Also jedenfalls kann man sie mit etwas gutem Willen als „mollig“ bezeichnen. Schön. 🙂 Wenn auch ungewohnt.

Jacke 124… viele Teile… das könnte genau der Schnitt sein, um die Reste meiner schwarzen Leinenhose mit dem gut abgelagerten Rest schwarzen Seidenleinens zu verarbeiten. blätter Elastikpopeline Mist! Hm… die Stoffempfehlung sagt „Leichte Jackenstoffe mit etwas Stand. Ideal sind Stoffe mit Elasthan-Anteil.“ Das könnte man ja jetzt so auslegen, daß Elasthan kein „muss“ ist, oder? (notier Beim nächsten Chat mal Anne fragen)

Die Kindermode finde ich nett bunt und kuschelig. Auch wenn sich mir nicht ganz erschließt, warum das eine eine „Mädchenjacke“ und das andere ein „Jungenssweater“ ist? Naja, mein Patenkind ist aus der Kategorie eh schon rausgewachsen.

Bei Osterdeko fühle ich mich immer uninspiriert. Was auch was damit zu tun haben mag, daß vorher immer so viel zu tun ist, daß für Deko nicht auch noch Zeit ist. 😀 Die Eierschale als Vasenersatz mit Kresse und Gänseblümchen finde ich allerdings nett. Und sieht nicht sehr aufwendig aus. Mal im Kopf bookmarken…. Die Filzzipfelkappen als Eierwärmer sind auch lustig, nicht so für Ostern, denn da sind die Eier ja kalt und hartgekocht, aber wenn ich mal wieder eine schnelle Geschenkidee brauche…

Blick aus dem Fenster Hoppla, am Fernbahnhof sind wir schon dabei, dann muß ich gleich raus. Also rasch das Heft in der Tasche verstaut und die Gedanken wieder in „professionelle“ Bahnen gelenkt. Nähen muß warten…

Abnäher statt Gummizug

Was die Bequemlichkeit angeht ist ein Gummizug ja eine feine Sache. Nur wenn man nicht gertenschlank ist oder gar einen (im Vergleich zu den übrigen Proportionen) breiten Hintern hat, ist er gar nicht figurgünstig. (Je breiter der Hintern, desto mehr Stoff muß dann in der Taille gerafft werden und je schmaler die Taille, desto stärker muß der Stoff gerafft werden. So bringt man jede Taille mühelos zum Verschwinden.)

Warum dann ausgerechnet Hosen in großen Größen besonders gerne mit Gummizug angeboten werden… ? Naja, ich muß es wohl nicht verstehen.

HosenschnittAber ich kann was dagegen tun. 😀 So wollte ich eine Hose mit weiten Beinen, aber statt eines Taillengummis bevorzuge ich Abnäher und einen Reißverschluss in der hinteren Mittelnaht. Meine Rückseite wird nicht schmaler, wenn ich noch möglichst viel Stoff drum herumwallen lasse, also bleibt die Hose um die Hüfte schmal (aber nicht „knackwurstartig“) und wird erst darunter weit.

Und es ist gar nicht so schwierig. Zuerst habe ich Malerfolie auf den Schnitt gelegt und (auf dem Bild das hintere Hosenteil, aber vorne geht analog genauso) zum Vergleich den Schnitt einer im Hüftbereich ganz gut passenden Hose mit Abnäher obendrauf. Dadurch war klar, daß ich (entgegen der Maßtabelle) Gr 22 von der Hüfte abwärts brauche und Gr 18 im Taillenbereich genügt. (Außerdem habe ich am Saum 5cm zugegeben, weil ich die Hose länger als vorgesehen haben wollte.)

Abnäherposition bestimmenBeim Abpausen auf die Folie habe ich das gleich berücksichtigt, also an der Seitennaht von der Taille Gr. 18 zur Hüfte Gr. 22 verbunden. Die inneren Beinnähte blieben unverändert.

Anschließend habe ich das Schnitteil der passenden Hose druntergelegt, um die Position des Abnähers zu bestimmen. Dabei richte ich mich nach „Landmarken“ wie dem Fadenlauf, der Taillenhöhe oder der Schritthöhe (in dem Fall bei beiden Schnitten gegeben) und probiere rum, was am sinnvollsten erscheint. Auch die Linien fürs Verlängern und Kürzen übertrage ich mir immer auf meine Folienkopie. Bei Hosen brauche ich die zwar nicht, aber für solche Änderungen können sie eine gute Hilfe darstellen. Bei der vorliegenden Hose habe ich mich vor allem nach dem Fadenlauf und den Seitennähten gerichtet, weil der Schnitt im Schritt recht unterschiedlich verlief.

Den Mittelpunkt des Abnähers benutze ich dann als „Ankerpunkt“ für den neuen Abnäher. (Deswegen wird auch der passende Schnitt unter den zu verändernden gelegt, damit man auf der Folie in Ruhe rumzeichnen kann.)

Abnäher eingezeichnetAls letzter Schritt bleibt dann nur noch, den Abnäher an sich zu konstruieren. Dazu verlänger ich den „Ankerpunkt“ zur Taille hoch. Entweder senkrecht zur oberen Kante des Schnittes oder (wie in diesem Fall, wo die obere Kante nicht gerade, sondern schräg verläuft) in dem ich eine Linie parallel zum Fadenlauf zeichne.

Abnäherbreite messe ich am passenden Schnitt aus, ebenso die Abnäherlänge. Dann wird das Geodreieck an die Linie durch den „Ankerpunkt“ angesetzt, die Abnäherlänge markiert. Auf Taillenhöhe (Mein Schnitt ist mit Nahtzugaben, daher ist das nicht direkt an der Kante) wird die Abnäherbreite markiert (auch hier leistet das Geodreieck gute Dienste) und diese Punkte jeweils mit der Abnäherspitze verbunden.

Fertig. (Ich hatte jetzt bei der Abnäherbreite noch was zugegeben, weil ich mich erinnert hatte, die Vorlagenhose durch tiefer nähen der Abnäher passend gemacht zu haben.) Der Abnäher wird dann an der oberen Kante noch etwas „Ausgeschwungen“, einfach nach Augenmaß, und dann das neue Schnitteil ausschneiden.

Vorderteil genauso ändern und fertig ist die gummizugfreie Hose. Für einen Hosenschlitz muß ich nichts zugeben, da einfach in die hintere Mittelnaht ein nahtverdeckter Reißverschluss rein kommt. Der trägt nicht auf, braucht keine komplizierte Schlitzverarbeitung und ist schnell und einfach gemacht.

Taschen-Shopping in Paris: Rayon d’Or

… oder der Laden, dessen Namen ich vergessen habe, von dem ich aber die Plastiktüte beim erneuten Packen der Reisetasche wiedergefunden habe. 😉 Und von dem ich hiermit Name und Adresse nachliefere.

Hier ist also die Beschreibung des Ladens und seines Angebotes. Sonst kann man wirklich nur sagen, daß das Angebot Gold wert ist.

Die korrekte Adresse lautet also:

178, rue du Temple, 75003 Paris (Metro Republique)

Und eine weitere Filiale befindet sich:

81, boulevard de Strasbourg, 75010 Paris (Metro Gare de l“Est)

Stoff-Shopping in Paris: De Gilles

Da ich wegen des Schuhgeschäfts ohnehin schon in der Rue de la Roquette war, dachte ich, ein paar Schritte mehr zum (ebenfalls im Führer angekündigten) Stoffladen könnten nicht schaden. Na gut, etwa 120 Hausnummern war dann ein paar Schritte mehr, aber sie haben sich gelohnt.

Die Fassade ist relativ unauffällig, die Eingangsfront in normaler Ladenbreite (Pariser Maß). Doch dahinter verbirgt sich eine hallengroße Fläche und das über zwei Etagen…

Die Stoffe sind nicht gerade übersichtlich geordnet, sondern man muß genau gucken und vorsichtig stöbern. Personal ist aber da und hilfsbereit. Wie das allerdings aussieht, wenn der Laden voll ist, kann ich nicht abschätzen.

Grob gibt es… ungefähr alles. Knöpfe in vielen Farb- und Mustervarianten, Stoffe aus allerlei Materialien, Farben, Muster,… auch hier wird viel aufgekauft, was an Restposten zu haben ist. Und manches derzeit wieder topaktuelle Retromuster mag hier noch aus der Zeit liegen, als es noch nicht „Retro“ war… 😉

Im ersten Stock wird es dann ganz edel. Mehrere Tische biegen sich unter Seide und anderen edelsten Stoffen. Billig ist das nicht (bis 100 Euro oder mehr darf der Meter Seide kosten), nichts, was ich mal eben spontan so auf Vorrat mitnehmen würde. Aber für den besonderen Wunsch… wird das eine feste Adresse in meiner Liste. Und ganz ehrlich… beste Krawattenseide vom Meter… war mir bislang noch nicht über den Weg gelaufen. Feinster Wollcrepe in Blusenqualität,…

Eben eine echte Schatztruhe. Und Schätze… haben nun mal ihren Preis. 😉

De Gilles, 156, rue de la Roquette, 75011 Paris (Metro Voltaire)

Handtaschenarchäologie

Nachdem ich mir ja zwei neue Handtaschen gegönnt hatte, war es Zuhause auch an der Zeit, sich von den alten zu trennen. Und diese vorher auszuräumen.

Bei mir gibt es ja eine gewissen Tendenz, manche Dinge in Taschen gründlich ablagern zu lassen. hüstel Gerüchten zu Folge soll es auch so disziplinierte Menschen geben, die ihre Handtaschen nach Gebrauch sorgfältig ausräumen und dann im Schrank verstauen.

TaschentücherZu der Sorte gehöre ich nicht.

Ich bin mehr der „das rausfischen, was ich dringend brauche und die Tasche mit dem Rest irgendwo hinlegen, wo ich sie hoffentlich wieder finde“-Typ.

Aber vor dem Wegwerfen ist eben doch mal ausräumen angesagt. Und so fingerte ich Bonbons unbekannten Alters, ungebrauchte Kaffeehaus-Zuckerwürfeln, einen lange vermissten Lippenstift, etliche Kulis,… und noch so manches mehr ans Tageslicht.

Und guckte dann ganz verblüfft aufs Bett. (Wieso, wo räumt ihr Handtaschen aus?)

Meiner Taschentuchmarke war ich ja über die Jahre treu geblieben, mir war auch noch bewußt, daß die Feder, die heute die Packung ziert, nicht schon immer da war… aber daß sich die Kunststoffhülle so oft verändert hatte… nein, das war mir nie aufgefallen.

Und so hatte ich eine kleine Geschichte des Gebrauchsdesigns. 😉

Marinique Langere: Bum & Leg Former

Gedacht oder verkauft wird der Schnitt als formendes Miederhöschen. Mein Ansinnen war allerdings, einen Schnitt für ein „Bein-reib-Schutz-Höschen“ zu bekommen. (Alle mit runderen Schenkeln wissen, wieso man so was unter Röcken braucht, die anderen können sich freuen, daß sie es nicht brauchen. 😉 )

Gekauft habe ich zwei die so halbwegs passen, ich hatte aber keine Ahnung, wie ich so einen Schnitt mit nach hinten verlegter Beinnaht selber erstellen könnte. Und von einem mäßig passenden Höschen aus hyperelastischem Stoff den Schnitt abnehmen ist bestenfalls der Beginn einer langen Versuchreihe.

Da kam mir dieser Schnitt von Marinique Langere gerade recht. Da bei Kreative Dessous andere Schnitte des Herstellers im Angebot sind, konnte Ela diesen auf meinen Wunsch hin bei ihrer nächsten Bestellung in Südafrika mitbestellen. Das dauerte einige Wochen und der Schnitt kostete mich etwa 17 EUR. (Was ungefähr dem Preis eines derartigen Höschens mit mäßiger Paßform und in billiger Ausführung entspricht.)

Nach dem Auspacken der Tüte fühlte ich mich erst mal sehr an einen Baukasten erinnert. Die Schnitteile sind auf DinA3 (oder so) Bögen photokopiert (Deckblatt und Anleitung sind ähnlich schmucklos und „handgemacht“ ) und müssen erst mal zusammengeklebt werden. Fünf Blätter mit diversen Klebmarken ergeben dann ein Beinteil. Es geht beim fünften Papierblatt auch fast auf… Ich habe dann die nicht-treffenden Linien nach Gefühl angeglichen und mich damit getröstet, daß es bei elastischen Stoffen meist nicht so exakt drauf ankommt. Zwickel und das Verstärkungsteil für den Bauch müssen dann nicht geklebt werden, sie passen auf einen Bogen. Ich habe mir alle Teile auf dicke Malerfolie aus dem Baumarkt kopiert.

Der Schnitt enthält alle Größen von XS bis „SuperLarge“ was wohl 4XL enspricht. Die Größentabelle umfasst also die Hüftweiten von 82cm bis 142cm. Laut Tabelle wäre meine Größe 2XL gewesen. Da das Höschen aber schon auch gerne etwas „einhalten“ darf und nach Vergleich mit meinen vorhandenen Höschen habe ich mich aber für XL entschieden. Als Stoff hatte ich „Wäsche Jersey Active“, auch von Kreative Dessous, der annähernd so dehnbar ist wie das Material der gekauften Höschen.

Die Anleitung besteht aus drei kopierten DinA4 Blättern: eine englische Anleitung, eine niederländische/afrikaans Anleitung und ein Blatt mit Zeichnungen. Hinweise zur nötigen Dehnbarkeit des Stoffes, Stoffmenge oder gar einen Zuschneideplan sucht man vergebens. 6mm Nahtzugabe sind im Schnitt enthalten.

Allerdings ist der Schnitt mit seinen drei Teilen (das Höschen selber im Stoffbruch geschnitten, der Zwickel und der Bauchverstärkung) übersichtlich. Als Bauchverstärkung ist ein Stück unelastischer Spitze vorgesehen, das aufgenäht wird. Ich habe stattdessen ein Stück des Stoffes quer zur Hauptdehnrichtung zugeschnitten und statt außen innen aufgenäht. Das stützt zumindest etwas und macht die atmungsaktiven Eigenschaften des Stoffes nicht zunichte. Den Zwickel habe ich statt doppelt nur einfach zugeschnitten, eben wegen des ohnehin hautfreundlichen Materials.

Die Anleitung ist eigentlich klar (drei Nähte), beim Einsetzen des Zwickels wäre es eventuell schön gewesen, ein oder zwei Paßzeichen zu bekommen. Ich habe Erfahrung mit Wäschestoffen und fand es daher nicht so schwierig, aber für Anfängerinnen im Wäschenähen mag es etwas schwieriger sein. Andererseits verzeiht elastischer Stoff ja viel.

Bei den Nähten wird empfohlen sie entweder mit einer Overlock zu nähen (die ich nicht habe) oder mit Geradstich und dann die Nahtzugabe zu einer Seite zu legen und mit dem Bogenstich/ genähten Zickzackstich drüber zu nähen. Ich habe den Overlockstich meiner Maschine genommen, weil mir der beim Wäschenähen bislang immer gute Dienste geleistet hat.

Danach konnte ich meinen neuen Nahttrenner ausprobieren, weil die Beinnähte kratzten… macht man es aber wie vorgeschlagen sind sie bequem.

Wie empfohlen habe ich das Höschen anprobiert, bevor ich die Beine gesäumt und den Taillengummi angenäht habe. Das war gut, denn die Beine sind viel länger als auf der Zeichnung (haben so Radlerhosenlänge, eine Handbreit über der Kniescheibe) und die Taille war, obwohl ich eine eher hohe Taille habe, zu hoch. Ich habe oben 5cm abgeschnitten und meinen Folienschnitt auch in der Mitte des Höschenteils um 3cm gekürzt. (Das lässt Spielraum für breitere Gummis oder etwas weniger längselastische Stoffe.)

Die Beine habe ich nicht, wie angegeben, mit der Zwillingsnadel gesäumt, sondern ich habe wieder den Bogenstich verwendet, weil ich den elastischer finde. Auch den Taillengummi habe ich nicht nur 3cm kürzer als das Bundmaß der Hose genommen, wie die Anleitung angibt, sondern 20 Prozent kürzer, wie ich das sonst auch mache.

Die Paßform ist noch nicht perfekt, aber deutlich besser als bei meinen gekauften. Beim Anziehen muß man sie ähnlich sorgsam in Position ziehen wie eine Feinstrumpfhose, dann ist sie bequem. An den Oberschenkeln könnte ich eventuell beim nächsten Modell einen Zentimeter zugeben, aber so lange der Stoff elastisch genug ist, ist eine Größe kleiner eine gute Wahl gewesen. Und der Zwickel ist nicht so riesig wie bei den gekauften…

Ich werde bestimmt noch mehr Höschen nach diesem Schnitt nähen, zumal ich ihn je jetzt passend verändert habe.

One-Woman-Power-Show in Türkis: Seti in Köln

SetiUnermüdlich, unerschöpfbar, unglaublich, diese Frau. 😉 Bea alias Seti alias My Design (oder so…) verbreitete heute ihr kreatives Chaos in den Köln Arkaden, was dann mehr als Grund genug ist, mal auf die schääl sick überzuwechseln.

Pausenlos bombardierte die Kreativität auf zwei Beinen das aufmerksame Publikum mit Verarbeitungsideen, Vereinfachungstechniken (manches könnte man jetzt auch gekonntes Pfuschen nennen :-D), neuen Materialien,…

Noch nie genäht? Egal. Wie soll das Wunschteil aussehen? Ist Stoff da? (Klar, Alfatex ist daneben…)

Flugs wird frei Hand ein Shirt-Schnitt erstellt und am Körper angemessen, zugeschnitten, an der einen oder anderen Stelle mit Vlieseline bebügelt…

Zwischendrin werden auf Zuruf mitgebrachte Probleme gelöst.

Schließlich hatten über das Forum vorgewarnte Hobbyschneiderinnen kritische Teile mitgebracht. Mit „ma-san“ lernten wir, daß in Fleece Jersey-Drucker hineingehören. Und wie man es noch retten kann, wenn man sich dummerweise für die Anorak-Variante entschieden hat.

Seti ist nie um eine Idee oder einen guten Tip verlegen.

Gleichzeitig wird die Nähanfängerin mit der Nähmaschine vertraut gemacht.

Und da selbst Seti nur zwei Hände und einen Körper hat (obwohl ich mir da nicht immer so hundertprozentig sicher war, angesichts dessen, was alles gleichzeitig passierte 😉 )wurde sie von der -Sklav- äh Helferin des Tages eklis unterstützt, die zum einen versuchte, wandernde Demonstrationsobjekte wieder einzufangen, das Chaos etwas zu dämmen, nette Werbegeschenke (da mein Handmaß regelmäßig Bekanntschaft mit dem Bügeleisen macht, war ich um ein neues recht dankbar) verteilte und nebenbei auch noch erste Schritte an der Nähmaschine anleitete. Und das alles, mit auch nur zwei Händen!

Und wenn sonst kein Demonstrationsobjekt zur Verfügung stand, dann mußte der eigene Körper herhalten.

Wie messe ich die Schrittlänge aus? Die Frage ist für uns alle jetzt sehr plakativ beantwortet. 😉

(Die Frage, was ich mache, wenn man mir sagt „Nein, nicht schon wieder ein Bild davon!“ ist hiermit auch nicht mehr offen. 😀 Denke ich.)

Ich gestehe ja, ich bin nicht bis zum Ende des zweiten Kurses geblieben (dafür habe ich jetzt eine fertige Paspeltasche in den Stoffteilen, die am Wochenende hoffentlich noch eine Hose werden…), aber kreativ-chaotisch sah der Arbeitsplatz auch da schon aus.

(Bea, kannst du noch stehen? Noch reden…?)

Nächste Woche Mittwoch macht diese kreative Naturgewalt in Aachen weiter. Wer es heute (okay, inzwischen gestern…) also verpasst hat…

Schaufenster – liebevolle Deko der anderen Art

Schaufenster in ParisWas mich in Paris (oder überhaupt in Frankreich) immer wieder beeindruckt, ist, wie liebevoll aber auch ehrlich jedes Schaufenster gestaltet wird.

Und selbstverständlich hat der Akkordeonladen eine Auslage mit Akkordeons in allen Farben. Wenn Fasching ist, dann eben mit Hut.

Klar, in deutschen Schaufenstern wird auch ausgestellt, Kleidung, Schuhe, Taschen,… Doch was ist mit jenen Branchen, deren Ware oder Handwerkszeug nicht so bunt und anziehend wirkt? Beim Schlosser, Schreiner oder Installateur? Da dominieren schicke Plakate oder Funktionsmodelle aus Plexiglas über vermeintlich unattraktive Blechkleinteile.

Schaufenster des KammerjägersNicht so in Frankreich. Auch Schrauben in allen Farben und Größen, Türgriffe in 42 Varianten oder eine Horde Hahnküken sind einer liebevollen Anordnung im Schaufenster würdig.

Doch was macht eigentlich der Kammerjäger? (Empfindliche Gemüter lesen besser nicht weiter…)

Ganz klar, er hängt ungeniert eine Strecke aus… 😀

(Hinter einer blankgeputzten Scheibe, deswegen reflektiert das Gebäude auf der anderen Straßenseite auch so gut….)

Besuchen Sie den Pavillon des Arts…

… so lange er noch steht.

Da ja zumindest der oberirdische Teil des Forum des Halles (der gebaut wurde, nachdem man Ende der 60er Jahre das Hallenviertel abgerissen hatte) wieder abgerissen werden soll, wollte mein Schatz doch wenigstens einmal in den Pavillon des Arts. (Das ist nicht so beeindruckend wie es klingt, einfach ein Teil dieser Anlage mit den großen, verspiegelten Fensterfronten.)

Nicht daß der Abriss unmittelbar bevorstände, so schnell geht das in Paris auch wieder nicht, man diskutiert erst und das kann noch dauern, aber bei schlechtem und kalten Wetter ist jede Aktivität in geheizten Räumen willkommen. 😀

Und die aktuelle Ausstellung Les bidules de Maître Molina war tatsächlich recht kurzweilig. (Und auch nicht sehr groß.)

„Bidules“ sind „Dingsbumse“ und diese hat der Brasilianer Molina gebaut. Aus altem Holz, Metall, Plastik,… kurz aus Müll, aus Resten. Was man an Müll eben so hat, wenn es kein staatlich kontrolliertes Recycling-System gibt. Doch das Faszinierende ist: Die Dingsbumse bewegen sich. Und nicht zu knapp. Ganze Szenerien hat er gebaut mit Szenen aus seinem Lebensumfeld (Und Herr Molina hat in vielen Berufen seinen Lebensunterhalt verdient): Handwerksbetriebe, Tavernen, eine Maniokfabrik, Landleben, Vergnügungspark,… angetrieben von einem Motor und vielen Riemen bewegen sich Figuren, drehen sich Karussells, gruseln Totenköpfe heraus,… so schnell kann man gar nicht gucken, um all die Details zu erfassen.

Da die Szenerien recht zerbrechlich sind, laufen sie nicht ununterbrochen, sondern immer nur zeitweise und nacheinander. Wenn eines aufhört heißt es in den drei Räumen um die Winkel und Ecken herum zu lauschen, wo der nächste Motor anspringt…

Höhepunkt ist eine zimmergroße Szenerie: Das Leben Christi. Von den Weisen auf dem Morgenland die mit ihren Kamelen heranziehen, über Schafe mit nickenden Köpfen aus Schaumstoff, der Flucht nach Ägypten, bis zur Passionsgeschichte und der Himmelfahrt Jesu. In drei Etagen übereinander. Hier hat man endgültig keine Chance, alle Detail während eines Laufes zu erfassen. Zumal man auch dahinter gehen kann und der faszinierenden Maschinerie aus Riemen, Drähten, Rädern, Bändern,… bei ihrem wohl abgestimmten Spiel zusehen.

(Die Ausstellung läuft noch bis 26. März.)