Silvester-Outfit 2025

Weil vor Weihnachten bekanntermaßen im Leben nichts zu tun ist, hatte ich dann Mitte Dezember die spontane Idee, ein Silvester-Outfit zu nähen.

Zum einen, weil sich da abzeichnete, dass der Feierort ein eher schlecht heizbares Wohnzimmer sein würde, zum anderen, weil mich zwei Stoffe aus meiner Trigema-Kiste (die ist transparent) schon länger angrinsten, ich immer was draus machen wollte… und das war eigentlich die Gelegenheit. Und die ganze Veranstaltung würde auch sehr leger sein, kein Grund, sich schick zu machen. Bequem passte besser.

Und… es wurde fertig! (Das Band in die Kapuze habe ich allerdings am 30.12. erst gekauft und am 31.12. eingezogen. Ich hatte eines, das gegangen wäre, wollte aber gucken, ob ich in Paris nicht noch eine bessere Option finde, was der Fall war. Und die „Stopper“ auf die Kordel habe ich tatsächlich erst einige Tage später gekauft und aufgefädelt. (Metallperlen von Tulipe in Paris.)

Was hier sehr geholfen hat war, dass ich Schnitte genommen habe, die ich schon mal genäht hatte. Und was auch noch geholfen hat war, dass ich das alles fast komplett mit Overlock und Cover genäht habe. Ich bleibe bei: nicht schöner, aber schneller. Und ein passendes Unterkleid aus Venezia Futterstoff hatte ich schon.

Die Stoffe sind beide aus einem Trigema-„Putzlappen“ Paket. Zwei völlig unterschiedliche Qualitäten, aber gleiche Farbe und gleiches Muster, nur in unterschiedlicher Mustergröße. Da war mir von vorneherein klar, dass das irgendein Outift werden muss, das zusammepasst.

Allerdings ist der kleingemusterte Stoff ein wenig dehnbarer, nicht sehr dicker Jersey, der mit dem großen Muster ein wirklich dicker Sweatshirt-Stoff mit extrem fluffiger aufgerauhter Rückseite. Ich glaube, so was hatte ich seit den 1980ern nicht mehr gesehen. Also nicht ideal, beides in ein Outfit zu verarbeiten. Aber für die Gelegenheit und als Zweiteiler… perfekt!

Für den Kleidschnitt habe ich tief gegraben.

Ich habe mir mal vor Jahrzehnten einen Vogue Schnitte (V7896) für ein Etuikleid gekauft. Ich kann nicht mehr sagen wann. Mein Blog findet eine braune Version von 2009, eine blaue Version von 2010 und eine weiße von 2013.

Lustigerweise hatte ich das Kleid aber nie so genäht, wie in der Anleitung gedacht, sondern hatte gleich bei der ersten Version Teilungsnähte draus gemacht. (Was mir aber erst beim Suchen nach den Bildern jetzt auffällt…)

Zum Glück hatte ich die Basis-Schnittanpassungen aber am ursprünglichen Kleid gemacht und der Rücken war auch schon mal so verwendet worden.

Und zumindest das weiße Kleid trage ich auch noch, auch wenn es im letzten Sommer schon grenzwertig spack saß. (Aber der Stoff ist stabil und französische Nähte sind es auch…)

Allerdings ergab ein Anhalten des Schnittvorderteils an meinen Körper, dass der Brutspunkt bei aller Liebe einfach viel zu hoch sitzt für meinen aktuellen Körper. (Und vermutlich auch für den vor zehn Jahren, aber da hatte das Kleid an der Stelle Teilungsnähte, das ist da etwas gnädiger.) Und ein bisschen mehr Weite darf es realisitischerweise auch haben.

Den Brustpunkt habe ich auf die brutale Weise tiefergelegt, Vorderteilschnitt oberhalb des Brustabnähers quer durchgeschnitten und 2cm eingefügt, den gleichen Betrag unterhalb wieder rausgefaltet. Da mich beim Anhalten gewisse Zweifel beschlichen, ob das reicht, habe ich den Brustabnäher einfach 2 cm kürzer genäht und auch den Längsabnäher deutlich weiter unten enden lassen. Eher so 5 cm. Da mein Stoff als Strickstoff da auch ohne große Dehnung gnädiger ist als Webstoff, reichte das. (Trotzdem… bei nächster Verwendung noch mal 2cm runter.)

Für mehr Weite ebenfalls quick and dirty: Die vordere Mitte wurde mit einem Zentimeter Abstand zum Stoffbruch angelegt (+ 2 cm). In der hinteren Mitte ist eigentlich eine gebogene Naht, die habe ich ebenfalls im Stoffbruch angelegt und 1cm Abstand an der engsten Stelle gelassen. Ich hatte zwei Stücke von dem Stoff, aber beide nicht gerade üppig. (Putzlappen halt…) Daher musste ich den Stoff zum einen quer verarbeiten, zum anderen beim Anlegen des Rückenteils (mit der eigentlich sehr gekurvten Mittelnaht) den Maschenlauf etwas ignorieren. Das war ein Spiel mit Stoffmenge und dem Musterverlauf am Saum.

Für die Ärmel war auch etwas wenig Stoff da, da habe ich einfach vorne noch mal je einen 2cm breiten Streifen (den dann IM Maschenlauf, nicht quer wie den Rest) angesetzt. Fällt bei dem Muster tatsächlich nicht auf. Obwohl ich es mit der Overlock angenäht und noch mal drübergecovert habe.

Beim Ausschnitt wollte ich einen V-Ausschnitt, den habe ich frei Schnauze geschnitten. (Die Ausschnitttiefe habe ich von der hellblauen Version übernommen. Dokumentation ist alles, dann weiß man auch nach über zehn Jahren noch, was man braucht.) Versäubert wurden der Ausschnitt mit einem Streifen aus dem gleichen Stoff. Nach innen gebügelt und festgesteppt. (Nein, ich wollte fertig werden und nicht erst lernen, wie man einen V-Ausschitt covert.)

Mit der Nähmaschine genäht habe ich die Abnäher und die Schulternaht (da bleibe ich dabei, ich mag die lieber flachgebügelt) sowie den Ausschnittbeleg. Die Ärmel habe ich mit der Nähmaschine vorgenäht, denn da es sich um einen Schnitt für Webstoff handelt, ist der Armausschnitt klein und die Armkugel hoch. Einhalten mit der Overlock wollte ich nicht probieren. Also erst mit der Nähmaschine genäht und dann mit der Overlock genau an der Naht entlang.

Der Rest wurde mit der Overlock genäht und der Saum (5cm) sowie die Ärmelsäume (1,5cm) gecovert.

Da ich ja einiges an Weite zugegeben habe, brauche ich (wie geplant) auch den vorgesehenen Reißverschluss nicht.

Mit dem Kleid alleine bin ich schon mal zufrieden. Zum einen, weil es ein bequemes Jerseykleid ist, das aber (weil ich den Schnitt für Webstoffe verwendet habe) nicht irgendwie nach Sofa lümmeln aussieht, sondern sehr elegant fällt. Definitiv eine Variante zum Behalten.

Zum anderen weil der Stoff genial ist. Ich vermute eine Modal-Mischung oder eine gute Sport-Faser oder so was, denn der Stoff knittert genau null. Nicht beim Waschen, nicht beim Tragen, nicht im Koffer… das Kleid müfft aber auch nicht, wenn man es mehrere Tage trägt. Auch das auf Reisen genial. (Ja, hätte ich gerne mehr davon, aber so ist das bei diesen Stoffen, die kann man nicht nachkaufen.

Den Schnitt vom Oberteil kennt ihr schon. Das ist, ja, Simplicity S9384, der kurz vorher bei meinem Schlafanzug zum Einsatz kam. (Ich glaube, dieser cropped Hoodie war der Auslöser für das Outfit, der passte einfach perfekt zu dem großen Hahnentritt von dem dicken Sweat.)

Hier musste ich nur noch das Schnittteil für die Kapuze kopieren, der Rest war schon da, nur sowohl der Ärmel als auch das Teil selber kürzer als beim Schlafanzug.

Da ich die Falte vorne nicht hatte, gab es keinen Grund, das mittlere Vorderteil und das mittlere Rückenteil nicht im Stoffbruch zuzuschneiden. Sparte nicht nur zwei kurze Nähte, vor allem waren es zwei Teile weniger, die hinterher im Musterlauf passen mussten. Den bei dem großen Muster wäre es aufgefallen, wenn es an der Saumlinie nicht passt. Zum Glück war die Zuschneidearbeit im Ganzen überschaubar.

Hier kam die Nähmaschine nur für die Knopflöcher zum Einsatz. Die dazu dienen, das Zugband in die Kapuze einzuziehen. Den Rest durften, wie beim Schlafanzug die Overlock und die Cover (Saum und Kapuzensaum) erledigen.

Die Cover kam dann noch mal… kreativ zum Einsatz.

Als Ärmelbündchen hatte ich dieses silberne Glitzergummi bei Selfmade in Köln gefunden, genau die passenden Breite.

Allerdings wenn man das normal zusammen näht, hat man eine recht dicke Naht, die sich auch nicht gut auseinanderbügeln oder zur Seite bügeln lässt. Denn die Mischung aus Gummi und Lurexkram ist vergleichsweise steif.

Nicht schön, nicht bequem.

Also habe ich die Ärmelbündchen mit 1 cm Überlapp zugeschnitten, habe dann die später oben liegende Seite mit einer Kerze „versäubert“ (quasi den Kunststoff „verschweißt“), die Bandenden offenkantig aufeinandergelegt und einmal der Länge nach drübergecovert.

Die Fadenenden kann man dann schon auf der Rückseite in die Naht ziehen und hat eine saubere und flache Lösung.

Beim Annähen des Büdchens hatte ich allerdings das gleiche Problem.

Das Bündchen musste flach liegen, sinnvoll umknicken kann man das nicht.

Mit der Nähmaschine hätte ich das Bündchen jetzt gedehnt aufgenätht und damit den Ärmel eingehalten. Mit der Cover? Ich glaube nicht, dass das so einfach geht, weil beim gedehnt annähen zieht man ja unweigerlich irgendwie am Stoff und lässt die Maschine nicht mehr alleine transportieren.

Ich hatte aber intensiv das Gefühl, dass die Cover das nicht so mögen würde…

Also habe ich das Ärmelbündchen konventionell mit Faden gerafft, habe es dann von Hand geheftet (ja…) und konnte anschließend entspannt am Rand des Bündchens entlang covern.

Dafür das ich mit Overlock und Cover noch nicht so viel Erfahrung habe, ist das doch recht schön und sauber geworden.

Und es war pünktlich fertig, ich hatte es Silvester an und es war so schön warm wie gewünscht. (Mit der Wollstrumpfhose…) 🙂

(Und seither noch mehrfach… der Stoff des Kleides ist genial, er knittert null, nicht beim Rumlümmeln, nicht im Koffer, nicht nach dem Waschen, er müffelt aber auch nicht nach dem Tragen. Da es offiziell „Putzlappen“ waren, gab es natürlich keine Materialinformation. Ich tippe auf so was wie Baumwolle und Modal oder so. Das Kleid wird reichlich getragen werden, tippe ich mal…)

Simplicity S9384 (Oberteil)

Das erste Ergebnis habe ich beim Schlafanzug ja schon gezeigt. Da ich den Schnitt das erste Mal verwendet habe, auch ein paar Worte dazu.

Gekauft habe ich mir den Schnitt, um mal etwas schönere Oberteile für den Sport zu bekommen. Die gekauften sind nutzbar, aber halt weder auf große Oberweite ausgelegt, noch auf breite Hüften. Oder Säcke. (Und wenn dein Sport „Tanzen“ ist, siehst du dich auch ständig im Spiegel…) Dieser Schnitt hat vorne Wiener Nähte (und hinten entsprechend geformte Teilungsnähte) die dann in bequeme Raglanärmel hinein laufen. Und damit es unten am Saum nicht so langweilig wird, sind noch Falten in die Teilungsnähte gearbeitet sowie eine Falte in der vorderen Mitte.

Was ich an den amerikanischen Schnitten generell gerne mag ist, dass man oft einen Baukasten bekommt. Das Shirt gibt es in drei Lägen, in zwei Ärmelvarianten und wahlweise mit Kapuze oder mit Abschlussbündchen. Und alles beliebig kombinierbar. Da ich eh einen Schlafanzug brauchte, war das ideal, um den Schnitt zu testen.

Ich habe mich für die mittlere Länge, den längeren und weiteren Ärmel sowie die Variante ohne Kapuze entschieden. Im Bett weder nötig noch praktisch.

Ich habe mich für Größe 20 entschieden und weil die Fertigmaße an der Hüfte ausreichend waren, habe ich da auch nicht wie meistens erweitert. Was mir an der Maßtabelle positiv auffällit ist, dass auch angegeben wird, dass die Hüfte 23 cm unterhalb der Taille gemessen wird. Da kann man auch besser sehen, ob man eventuelle Mehrweite tatsächlich an der Hüftlinie des Kleidungsstückes braucht, oder ob die eigene Anatomie den maximalen Umfang woanders hinsetzt.

Dazu brauchte ich natürlich eine FBA, wie immer ausgerechnet nach der Maßtabelle. Meine Oberweite liegt 5cm über dem Tabellenwert für Größe 20, also kommen an jeder Seite 2,5cm Mehrweite dazu. (Und am mittleren Vorderteil auch die entsprechende Mehrlänge, die sich draus ergibt.) Nicht ganz so optimal ist, dass kein Brustpunkt angegeben ist (andererseits läge der genau auf der Naht), aber die Höhe der Brustlinie hilft ausreichend weiter. Und nein, ich orientiere mich nicht an den Fertigmaßen und „passt schon rein“, sondern mache auch bei elastischen Stoffen eine FBA, weil der Stoff einfach besser fällt. (Bei sehr weiten Shirts, also wenn ich 20 cm Designzugabe auf der Brustlinie habe mache ich die FBA eventuell etwas kleiner. Weil man bei solchen Schnitten meistens keine so stark gebotenen Nähte haben will.)

Die andere „übliche“ Änderung war, dass 3cm Länge oberhalb der Taille rausgenommen habe. Die zusätzliche Kürzung in der hinteren Mitte habe ich diesmal weggelassen, der Schnitt ist nicht so eng und auch nicht so lang, dass das nötig wäre.

Die Raglanärmel haben keine Abnäher auf der Schulter, daher habe ich auf meine übliche leichte Kürzung der Schulternaht verzichtet.

Als Stoff hatte ich einen gemusterten Baumwolljersey mit Elasthan (ein Maß für die nötige Dehnbarkeit des Stoffes ist auch auf der Schnittmustertüte), der nach der Bestellung doch etwas weniger ansprechend war als auf der Webseite. Die Bündchen habe ich aus einem etwas gerippten Jersey aus meiner Trigema-Kiste gemacht. (Aus dem ich auch die Schlafanzughose genäht habe.

Bei der Anleitung habe ich mich weitgehend dran gehalten, außer dass ich alles mit der Overlock genäht habe. Ich habe schon rausgefunden, dass Overlocknähte sich von selber bevorzugt in eine Richtung legen und habe das bei der Nahtrichtung so gemacht, dass sich die Falten dann freiwillig in die richtige Richtung legen. (Die Originalanleitung sieht vor, dass man die Nahtzugaben der Teilungsnähte auseinanderbügelt. Den Punkt, wo die angeschnittenen Faltenzugaben sich treffen zu treffen war mit der Overlock auch nicht so einfach, aber da die Falten zur Seite gelegt werden, war das egal.

Die Falten werden von rechts festgesteppt, das habe ich mit der Nähmaschine gemacht, auch die Bündchen zum Ring schließen war ein Job für die Nähmaschine, denn die Nähte brauchen keine Dehnbarkeit, sollen aber flach liegen.

Den Saum habe ich brutal gecovert. Das funktionierte gut, allerdings muss man die Faltenbrüche dann etwa kräftiger flach bügeln. Für ein Shirt für „schön“ könnte man sich da noch was hübscheres überlege .

Sonst funktionierte an der Anleitung aber alles. Abgesehen davon, dass ich am Ärmel vorne und hinten eine Passmarke hatte, am Oberteil aber nur an einer Stelle. Ich habe nicht überprüft, ob ich das beim Kopieren übersehen habe, aber genau das gleiche Problem hatte ich schon bei einem anderen Schnitt mit Raglan von Simplicity…

Mit dem Ergebnis bin ich so zufrieden, dass es schon eine weitere Version in „cropped“ und mit Kapuze gibt. (Bilder kommen noch.) Aus flauschigem Sweat-Stoff, der weniger elastisch ist, als die Anleitung angibt. Passt aber trotzdem.

Den Saum finde ich ein wenig zu kurz zu Leggings, da werde ich bei der nächsten Version (dann hoffentlich für den Sport) am Saum die 3cm zugeben, die ich oben rausgenommen habe.Vielleicht auch fünf oder sieben…

Die Ärmelbündchen könnten aus einem etwas festeren Stoff sein, aber für den Schlafanzug ist es okay.

Mit der Falte in der vorderen Mitte bin ich mir noch nicht ganz sicher. Die Falten werden jeweils zu den Seiten gelegt, aber an der vorderen Mitte wird es dadurch unsymmetrisch. Ich bin noch am Überlegen, ob ich die Falte weglasse oder einen zusätzlichen Faltenboden für eine Kellerfalte zufüge, damit es symmetrisch ist. Und dann vielleicht hinten auch noch eine Kellerfalte und… noch ein bisschen länger?

Mal sehen…