Großstoffjagd

Stoffe für 52 Leute… gar nicht so einfach. Etwa 80 Meter von einem „Basisstoff“ und den Rest des Geldes… auffüllen. Wenn von einem Stoff jeder nur einen halben Meter bekommen soll sind das schon 26 Meter. Das ist mehr als ein Ballen. Hm.

Aber in Paris… sollte das doch möglich sein.

Hoffte ich wenigstens.

Und zog meinen Gatten im Schlepptau bergan ins Stoffgeschäfteviertel.

Zuerst brauchte ich natürlich einen „Ausgangsstoff“, von dem jeder so 1,50m bekommen sollte und nach dem sich die weitere Stoffwahl richten würde. So weit der Plan.

Nun… die kleineren Stoffgeschäften winkten ab, 80m von einem Stoff… (außer bei Möbelstoffen) bißchen viel. Gut, keine Überraschung.

Und so tobte ich durch die großen.

In der Deballage St. Pierre Und mein Mann versuchte, mich mit der Kamera einzufangen… zwusch schon wieder vorbei.

Immer mal wieder tauchte was interessantes auf. Doch… entweder zu teuer (In großen Mengen gibt es vor allem die wenig modischen Schwankungen unterworfene „Standardware“, meist uni und eben zum „Standardpreis“.) oder nicht in ausreichender Menge vorhanden. (Die spannenden Sachen sind Posten, oft Reste aus der Bekleidungsindustrie. Preislich angenehm, meist hochmodisch, können aber nicht nachgeordert werden.)

Deballage St PierreHier und da tauchte mal ein interessanter Ballen auf… schöne Farbe… bäh, ist der klebrig…

Doch weder ich noch eine motivierte Verkäuferin gaben auf. Handy am Ohr wurden die interessanten Ballen in der Zentrale abgefragt (gelobt seien Unternehmen mit vielen Filialen und großen Ordermengen bei Posten!): Ungefähr zehn graugrundige, fünf blaugrundige, drei grüngrundige und ein braun-oranger Fischgrat später kristallisiert sich ein Trend heraus: Der Trend des Jahres ist Karo, deswegen gibt es nur davon im Lager noch genug.

Karierte Stoffe, ich gestehe es, würde ich für mich nie kaufen. Ich hatte ja ein ein Webmuster für den Basisstoff gedacht, aber doch eher was dezentes.

Glencheck KaroAber wie ich ja von Anfang an wußte… Stoffe sind „Marktwaren“ und das Tagesmenue wird frisch gekocht, aus dem, was da ist. Herausforderung eben.

Also wurde es ein schwarz-weiß karierter, sehr weicher Stoff aus einer Viscose-Polyestermischung.

Genau vier Rollen zu je zwanzig Meter lagen noch im Zentrallager und mit einiger Überredung gelang es der Verkäuferin auch, ihre Kollegin am anderen Ende der Strippe davon zu überzeugen, ihr die alle zu schicken. Denn wie gesagt… Karos sind der große Trend des Winters und von diesem Stoff waren es die letzten Rollen. Diese Kästchen zumindest bekommt keiner mehr in Paris.

(Dank der Linien stellte sich der Stoff immerhin als dankbar beim abschneiden heraus… immer an der Linie lang. 20 Meter von der Rolle abwickeln ist zwar lästig, aber sonst… wirklich prima. Eine Rolle ist auch schon abgeschnitten…)

Geliefert würden sie wegen des Feiertags erst zwei Tage später. Aber angesichts der sonst noch zu erwartenden Stoffmengen würde ich das ohnehin nicht alles auf einmal tragen können. Auch nicht mit Hilfe meines Göttergatten, der sich ohnehin schon feixend ausmalte, wie ich Riesenstoffkartons quer durch Paris zöge. :o)

afrikanischer DruckstoffWeiter ging es… im Hinterkopf hatte ich von Anfang an gehabt, daß die Stoffe auch ein Stück weit für Paris stehen sollten, nicht nur dort gekauft. Einen modischen Trendstoff hatte ich, aber es gibt noch andere Stoffe, die man in Paris sehr viel sieht, um so mehr unterhalb des Montmartre, im Viertel „Goutte d“Or“ wo man sich (vom oft grauen Himmel mal abgesehen) in Afrika wähnen kann. Die Läden verkaufen noch nie gesehene Fische und Gemüse mit unbekannten Namen, die Restaurants bieten die Küche der Elfenbeinküste, des Kongo, Benins,…. an und… die Menschen tragen bunte Stoffe.

Die in Paris auch als „afrikanische“ Stoffe verkauft werden. (Eigentlich haben die Holländer diese Druckstoffe auf Java herstellen lassen und in Afrika populär gemacht und gewinnbringend verkauft, aber heute… sind es eben afrikanische Stoffe.)

Dabei handelt es sich um dünne Baumwollstoffe in intensiven Farben bedruckt, meist leicht steif bzw. mit etwas stand und mit einer etwas glänzenden Oberfläche.

Vermutlich weil ich mich in Aachen in Holzmodeln verliebt habe fiel mir dieser holzschnittartige Vogel so ins Auge. Außerdem paßte er mit seinem schwarz-weiß-Kontrast doch gut zu dem ebenfalls schwarz-weißen Karo. In drei oder vier verschiedenen Farbstellungen gab es diesen Stoff. Rot und grün waren die schönsten

Ich bräuchte aber ein bißchen mehr, sagte ich. „Pas de problem“ sagte der Verkäufer, so viel ich wollte, könnte ich haben.

Als ich eine Zahl sagte wurde er doch etwas blaß und begann hektisch in seinen Stoffstapeln zu wühlen.

Nun denn, von den roten Vögeln (mit dem leicht orangenen Hintergrund) hatte er noch am meisten, also nahm ich das mal alles, noch nichts Böses ahnend.

(Da dieser nur etwa 112 cm breite Stoff schon in irgendwas yard langen Coupons kommt ist er auch sehr angenehm in weitgehend gleich große Stücke zu schneiden.)

Toile de JouyUnd noch ein Stoff ist mit Frankreich und Paris untrennbar verbunden: Toile de Jouy. Vor Augen haben wir bei dem Stichwort wohl alle pastorale Szenen auf weißem Baumwollgrund. (Marie Antoinette mochte dies ja bekanntlich, was die Beliebtheit des Stoffes möglicherweise beförderte.) Aber genauso gab es ursprünglich Chinoiserien oder auch alle möglichen anderen, auch mehrfarbige Drucke aus Jouy-en-Josas, wo die Stoffe ursprünglich bedruckt wurden. Und diese Gemeinde liegt tatsächlich im Pariser Umland, so grob Richtung Versailles.

(„Erfunden“ wurde die Toile de Jouy übrigens von einem Deutschen, Christoph-Philipp Oberkampf, der als Färber und Kupferstecher auf die Idee kam, Kupferplatten als Druckstöcke einzusetzen. Das ermöglichte zum einen besonders feine Drucke und Schattierungen, zum anderen eine schnellere maschinelle Fertigung, weil die Kupferbleche auf Walzen gebogen werden konnten. Letztlich wurde Herr Oberkampf sogar in den Adelsstand erhoben und die Pariser Metrostation „Oberkampf“ trägt bis heute seinen Namen.)

Toile de Jouy gibt es (auch wenn die Textilporduktion in Jouy-en-Josas nicht mehr existiert) zu sehr unterschiedlichen Preisen und in sehr unterschiedlichen Qualitätsstufen. Die meisten sind teuer, auf sehr festen, steifen Stoff gedruckt und haben dementsprechend auch eine sehr feine Zeichung. Verwendet werden sie meist für Möbel oder auch mal Handtaschen. (Ich habe diese Muster auch schon mal auf elastischem Stoff als Unterwäsche gesehen. Falls also jemand eine Quelle für Unterwäsche Stoff mit Jouy-Muster weiß… immer her damit. 😀 )

Angesichts des Budgets entschied ich mich für eine günstigere Version auf etwas weicherer Baumwolle. Wieder hatte ich vier Farbstellungen zur Auswahl: gelb (so hell, daß man eigentlich gar nichts erkennen konnte), blau (sehr unsauber gedruckt), grün (nicht mehr viel da) und… genau, rot. Immerhin auch die „typische“ Farbe.

(Da der Stoff 280cm breit liegt habe ich ihn einmal längs geteilt. 52 hat leider auch so wenige grandzahlige Teiler.. einmal quer falten und in der Mitte durchschneiden, danach ausmessen, dreizehn Mal Falten und die Falten aufschneiden. Den Stoffbruch wollte ich dann mit dem Rollschneider bearbeiten. Bei so vielen Stofflagen keine gute Idee, das gab doch ein rechtes Gemetzel… :o) )

StrickstoffDrei Stoffe hatte ich inzwischen. Dann dachte ich, etwas elastisches, Jersey oder Strick könnte doch nett sein. Vielleicht in einer gedämpften Farbe, nach der ganzen Rotorgie? Und nicht so Figural.

Tja.. hier ein halber Ballen, dort noch ein paar Meter… hah! Hiervon waren noch eineinhalb Ballen da. Zwei wären mir ja lieber gewesen… aber mehr war nicht. Eine sehr interessante Struktur, irgendwie wolkig… die Verkäuferin und ich waren uns in so weit einig, daß wohl die links-gestrickte Seite nach außen gehört. (Aber wem das nicht gefällt… die rechte ist auch nicht schlecht.)

Wahnsinnig voluminös ist der Stoff. Glücklicherweise nicht schwer, denn trotz der Boucleartigen Struktur ist er gleichzeitig leicht und fein, hat beinahe was gespinnstartiges. Ein bißchen Wolle und Mohair sind drin, der Rest Acryl. Wenn ich mich recht erinnere.

Und… er ist wieder rot. Äh.. tja… Rot ist wohl die Modefarbe des Winters, deswegen haben sie besonders viel eingekauft. :o)

(Was allerdings das Schneiden betrifft… ich hoffe, daß jeder ein ungefähr gerechtes Stück bekommt. Aber der Stoff… wo ist gerade? Wo ist schief? Drei mal gemessen, vier Ergebnisse… 🙁 Sorry. Und ich will auch nie wieder schlecht über Händler denken, die so einen Stoff schief abschneiden. Ich habe gestern alleine zwei Stunden mit dem halben Ballen davon verbracht. Und den ganzen habe ich noch vor mir…)

Boiled WoolDa es von dem Strickstoff nicht mehr gegeben hatte, war immer noch Geld übrig…. Bei der „gekochten Wolle“ zog mich ja eigentlich das gedämpfte Grün an… aber sieben Meter geteilt durch 52 Teilnehmer… 13 Zentimeter… nicht sehr nützlich, denke ich. (Neben mir schrie mein Gatte entsetzt „Noch eine Farbe?!?!?“)

Tja, der dickste verbliebene Ballen… war wieder rot. Nach dem kompletten abrollen und durchmessen desselbigen (zwei Verkäuferinnen plus mein Schatz waren damit beschäftigt) stellte sich heraus, daß immerhin gut 40 cm für jeden drin waren. Also kam der Ballen auch noch in die Tüte.

Na gut, eher Sack als Tüte…. 😉

(Schwer ist er, der Wollstoff, etwas rauh und körnig mit einer leichten Boucle-Struktur auf der einen Seite. Aber auch gut zu schneiden, weil er sich wenig verzieht.)

RoccaillesJetzt war nur noch „Kleingeld“ übrig. also wühlte ich mich durch Knöpfe, Borten, Bänder…. und blieb letztlich an den kleinen Perlen hängen. In der Wühlkiste fand ich günstig dunkle (sahen im Glas schwarz aus, sind aber eher braun), helle (durchsichtig mit Regenbogeneffekt)und schwarz-weiße. (Davon hatten sie leider nur die drei kleinen Röhrchen.

Hier begann mein Herzblatt lästerliche Bemerkungen über Pinzetten und Perlen zählen zu machen…

Perlen auf der Waage…wenn ihr jetzt aber denkt, ich würde hunderte von kleinen Perlchen mit Lupe und Pinzette zählen…

… denkt ihr falsch.

Dafür gibt es schließlich die alte Analysenwaage aus meines Liebsten Bastelabteilung.

Ist zwar immer noch mühsam, aber doch deutlich schneller.

Wobei ich mich mit den kleinen Alubriefchen etwas wie ein Drogendealer fühle… 😉

Sind aber nur Perlen drin.

(Wie wir das ganze dann nach Hause geschafft haben… das sehen sie im nächsten Beitrag…)

LichtleitfaserÜberraschenderweise war immer noch etwas Geld da. Nicht mehr genug, um eine schöne Borte (mit mehr als 2cm langen Stücken pro Teilnehmer) oder Knöpfe zu kaufen (also keine Knöpfe, die man auch haben will….) und ich guckte die nächsten Tage um mich.

Ein paar Meter Wollfaden für jeden? BHV hat zwar ein breites Phildar-Sortiment aber so recht inspirieren wollte es mich nicht.

Noch mehr Perlen? Ach naja… notfalls…

Da stießen wir bei unseren Streifzügen durchs Marais ganz unerwartet auf eine Metallhandlung.

(Nette Sachen für Spielkinder…)

Mit einem ganzen Stockwerk Plastik. Von Plexiglas in zig Farben und Stärken, über Kunststoffolien, Selbstklebend oder nicht, transparent oder opak, einfarbig oder mit Hologrammeffekt, Schrumpfschläuche ich allen Breiten,…

Kurz: noch nettere Sachen für mich Spielkind.

Und unter anderem… Lichtleitfaser. In ganz fein und weiß auch gar nicht teuer. (Ich habe mir noch welche in Pink mitgenommen… die knallt gut. Mal sehen, was da draus wird.)

Okay, aber was ist Lichtleitfaser?

Ihr habt doch sicher schon mal diese Lampen gesehen, die ganz viele feine „Tentakeln“ haben die an den Enden winzige Leuchtpünktchen haben? Diese Tentakeln sind Lichtleitfaser.

Licht geht hinten rein und kommt vorne als heller Punkt wieder raus. Funktioniert auch um die Ecke.

Und wenn man mehrere feine nebeneinander legt, dann bekommt man so einen „Lichterstrauß“.

Nein, ich habe noch keinen blassen Schimmer, wie ich das ins Outfit einbauen kann.

Aber ich fand es spannend.

Schlimmstenfalls kann man aber auch einfach die Perlen drauf auffädeln… :o)

Jetzt kennt ihr das ganze Paket und seine vollständige Geschichte.

Bis auf die vom Transport… 😉

Stoffdiät: mit Punkten zum Erfolg!

Es gibt ja diese bewundernswerten Hobbyschneiderinnen, die genauso schnell nähen, wie sie Stoffe kaufen. Und es gibt diese beneidenswerten, die unendlich Raum haben, Stoffe in Mengen zu horten, die den Inhaber eines mittelgroßen Stoffgeschäftes erblassen ließen.

Der große Rest von uns hat hingegen ein Problem: Schränke, die wir nur im Notfall öffnen, weil die möglichst fest hineingestopften Stoffe sonst herausfallen, Truhe, die nur zu schließen sind, wenn sich wenigstens zwei Familienmitglieder auf den Deckel setzen, Tüten, die in jedem Winkel versteckt sind und von deren Existenz und Inhalt der liebende Gatte und die meisten anderen Familienmitglieder nicht die leisteste Ahnung haben, Kisten unter dem Bett oder Kartons im Schlafzimmer, im Flur, in Härtefällen gar im Wohnzimmer, die permanent im Weg stehen und zudem unserer Wohnung ständig dieses Flair des „frisch eingezogen“ geben, auch wenn das Haus seit drei Generationen in Besitz der Familie ist.

Unserem Hirn ist klar, daß wir diese Mengen nie werden vernähen können, daß wir uns an den Großteil der Stoffe nicht einmal erinnern, der Taschenrechner zeigt, wieviel unserer Monatsmiete wir (umgerechnet auf die von Stoff besetzten Quadratmeter Wohnraum) für die Lagerung inzwischen ausgeben und wir trauen uns nicht mehr recht, neue Nähpläne zu entwickeln, weil wir doch hunderte von alten Projekten noch nicht ausgeführt haben.

Ganz zu schweigen von der Angst, Ehegatten oder andere Mitbewohner könnten jemals das tatsächliche Ausmaß unseres Stofflagers entdecken. 😉

Kurzum: Es ist Zeit geworden, Abschied zu nehmen. Abschied, von alten Plänen, von alten Idee, von alten Stoffen. Um kräftig durchzulüften und Platz zu machen, für neue Pläne, neue Ideen und… äh … neue Stoffe. Aber nicht mehr so viele, nur noch die richtigen.

Doch Aussortieren fällt schwer, an beinahe jedem Stoff hängt eine Idee, eine Erinnerung, ein Plan, was einmal daraus werden sollte. Verzweifelt und überfordert von der Größe der Aufgabe brechen wir ab, stopfen die Stoffe noch etwas fester in die Tüten und Kartons und hoffen auf ein Wunder, das uns ein Jahr aus schlaf- und pflichtenlosen 36 Stundentagen beschert.

Damit ist jetzt Schluß!

Die Weight-Watchers haben das Abnehmen vereinfacht, indem sie kompliziertes Kalorienzählen durch einfach Punkte ersetzt haben. Und hier kommt die Punkte-Diät für Stoffe, ein einfaches System zu entscheiden, bei welchem Stoff es vielleicht noch Sinn macht, ihn zu behalten und welcher ohne Bedenken einen neuen Besitzer finden kann.

Das Prinzip dahinter ist einfach: die Punkte ermitteln, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Stoff noch Verwendung finden wird. Je weniger Punkte, desto weniger Gründe, den Stoff zu behalten. Und ich muß nicht alle meine Stoffe miteinander vergleichen, sondern ich kann die Berge Stoff für Stoff abarbeiten, in kleinen Portionen, wie die Zeit gerade reicht.

Als Prognosebasis dienen die letzten 24 Monate vor dem Tag der Ausräumaktion. (Bei Vielnäherinnen, die im Durchschnitt mehr als ein Teil in der Woche nähen genügen 12 Monate.)Auf diese letzten 24 Monate beziehen sich die Vorüberlegungen:

– Für welche Person nähe ich am meisten? (Maximal zwei Personen auswählen!)

– Für wen nähe ich noch regelmäßig?

mmer wenn in den Fragen von „derzeit“, „aktuell“, „jetzt“,… die Rede ist, dann bezieht sich das auf die oben genannten letzten 24 Monate.

Nach folgenden Kategorien wird bepunktet:

Farbe

  • Die Farbe steht der hauptsächlich benähten und mindestens einer weiteren derzeit benähten Person: +5
  • Die Farbe steht nur der hauptsächlich benähten Person: +4
  • Die Farbe steht mehreren regelmäßig benähten Person, nicht aber der hauptsächlich benähten Person: +1
  • Die Farbe steht einer regelmäßig benähten Person, nicht aber der hauptsächlich benähten Person: 0
  • Die Farbe steht niemandem, der regelmäßig benäht wird: -5

(Wichtig ist hier Ehrlichkeit zu sich selber. Wer unsicher ist, welche Farben ihm stehen, kann sich von einer guten Freundin beraten lassen. Den Stoff ans Gesicht halten und schauen: Bringt er mein Gesicht zum Strahlen, mildert die Fältchen und lässt die Augen leuchten? Dann ist er gut. Alles andere nicht. Auch eine professionelle Farbberatung kann eine gute Investition sein, für Menschen, die sich in diesem Punkt unsicher sind.)

  • Die Farbe wird von der hauptsächlich benähten Person und mindestens einer weiteren benähten Personen derzeit getragen: +5
  • Die Farbe wird von der hauptsächlich benähten Person getragen: +4
  • Die Farbe wird von mehreren regelmäßig benähten Person getragen, aber nicht von der hauptsächlich benähten Person: +2
  • Die Farbe wird von einer regelmäßig benähten Person getragen, aber nicht von der hauptsächlich benähten Person: +1
  • Keine regelmäßig benähte Person trägt diese Farbe: -5

(Auch hier ist Ehrlichkeit wieder der Schlüssel. Unser Geschmack ändert sich, die Mode auch. Es ist nicht ehrenrührig, die Farbe eines vor zehn oder zwanzig Jahren gekauften Stoffes nicht mehr zu mögen. Wer auch für andere näht muß hier auch beim Zuhören der Wünsche der anderen ehrlich sein. Das zum Grufti mutierte 14jährige Töchterlein wird auf absehbare Zeit kein rosa mehr tragen, selbst wenn es ihr gut stände. Und der 8jährige „coole“ Sohn trägt halt nur dunkelblau, oliv und schwarz, auch wenn vor vier Jahren sein Lieblingspulli hellblau oder rot war. 😉 )

Muster

  • Das Muster gefällt der hauptsächlich benähten Person und mindestens einer weiteren benähten Personen: +5
  • Das Muster gefällt der hauptsächlich benähten Person: +3
  • Das Muster gefällt mehreren regelmäßig benähten Person, aber nicht der hauptsächlich benähten Person: +2
  • Das Muster gefällt einer regelmäßig benähten Person, aber nicht der hauptsächlich benähten Person: +1
  • Keiner regelmäßig benähte Person gefällt das Muster: -5

(Und wieder: Bitte ehrlich sein und zuhören! Wenn dem Sohn die Hoppelhäschen nicht mehr gefallen und die Tochter ihre rosa-Krönchen-Phase beendet hat… dann akzeptiere es. Auch wenn es schwer fällt.)

Material

  • Das Material wird aktuell von der hauptsächlich benähten Person sowie mindestens einer weiteren benähten Person getragen: +5
  • Das Material wird aktuell von der hauptsächlich benähten Person getragen: + 4
  • Das Material wird von mindestens einer regelmäßig benähten Person getragen: +1
  • Niemand trägt aktuell dieses Material: -5

(Unsere Lebensumstände und Ansprüche ändern sich. Wo vor zehn Jahren edle Wolltuche für Business-Kostüme angesagt waren sind es heute vielleicht praktische Baumwollstoffe, die schmutzige Kinderfinger nicht übel nehmen. Der im Bayerischen Wald angehäufte Vorrat an extrawarmen Winterstoffen wird dem neuen Wohnort im Rheinland nicht gerecht oder der günstige Stoff, aus dem die Berufsanfängerin mit wenig Geld „korrekte“ Kleidung gezaubert hat der neuen Position in leitender Funktion nicht mehr. Und nicht zuletzt vermeintliche Schnäppchen aus Anfängertagen, bei denen uns heute bewusst ist, daß sie die Mühe der Verarbeitung nicht wert sind. Kein Grund, sich für die Stoffe zu schämen. Die Käufe mögen damals Sinn gemacht haben, in deinem jetzigen Leben tun sie es nicht mehr. Also dürfen sie Platz machen, für Stoffe die heute ins Leben passen.)

Menge

  • Aus der Menge lässt sich ein sinnvolles Teil für die hauptsächlich benähte Person nähen: +5
  • Aus der Menge lässt sich ein sinnvolles Teil für verschiedene regelmäßig benähte Personen arbeiten: +3
  • Die Menge ergibt ein sinnvolles Teil für mindestens eine regelmäßig benähte Person: 0
  • Die Menge reicht nicht, um ein sinnvolles Teil für eine der regelmäßig benähten Personen herzustellen: -3

(„Sinnvoll“ heißt, in einer Größe, die heute passt und ein Teil, das man aus diesem Stoff auch verwenden würde. Der Stoff, der einen Minirock in Gr. 34 ergibt ist nicht mehr sinnvoll, wenn ich Gr. 40, 46 oder 52 habe, der Rest Anzugstoff würde zwar noch für einen Babystrampler reichen, aber ein Babystrampler aus Anszugstoff macht keinen Sinn. Auch das Materialpaket, das anlässlich der Geburt des ersten Kindes gekauft wurde, macht keinen Sinn mehr, wenn das jüngste inzwischen in die Schule geht. 😉 )

Anlass

  • Der Stoff ist für häufige Anlässe im Leben der hauptsächlich benähten Person geeignet: +5
  • Der Stoff ist für häufige Anlässe im Leben mindestens einer regelmäßig benähten Person oder für einen mindestens einmal im Jahr aufgetretenen Anlass im Leben der hauptsächlich benähten Person geeignet: +3
  • Der Stoff ist für einen in näherer Zukunft absehbaren Anlass geeignet: +1
  • Der Stoff ist für einen in näherer Zukunft geplanten Anlass geeignet: -1
  • Anlässe, zu denen ein Stück aus dem Stoff tragbar wären, sind derzeit nicht geplant oder absehbar: -5

(„Geplante Anlässe“ zählen hier nur, wenn die Entwicklung dorthin schon angefangen hat. Künftige Kinder oder Enkel etwa erst nach Eintreten der Schwangerschaft. 😉 Ein „absehbarer Anlass“ wäre der Ball, für den die Karten schon gekauft sind oder ein jährlich stattfindendes Ereignis, zu dem ich bisher jedes Jahr gegangen bin.)

Lagerdauer

  • Der Stoff wurde in den letzten drei Monaten gekauft: +5 Punkte
  • Der Stoff liegt seit einem Jahr hier: +4 Punkte
  • Der Stoff liegt länger als ein Jahr, aber kürzer als fünf Jahre: +1
  • Der Stoff liegt länger als fünf Jahre, aber kürzer als zehn Jahre: 0
  • Der Stoff ist älter als zehn Jahre: -3
  • Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie lange ich den Stoff schon habe: -5

So, und was jetzt tun mit den Punkten?

Eindeutig sind die Kategorien:

Negative Endpunktzahl: Der Stoff kann eindeutig raus, gar nicht mehr drüber nachdenken…

Mehr als 25 Punkte: Ganz sicher behalten.

Die anderen Stoffe gehen in eine zweite Runde:

15-25 Punkte: Stoffe mit positiver Tendenz. Trotzdem kann man sie erst mal auf Redundanzen durchsehen. Dabei auch immer die „ganz sicher behalten“ Stoffe im Auge haben. Habe ich etwa zehn dunkelblaue Hosenstoffe, genügt es vielleicht fünf oder sieben davon zu behalten. Oder habe ich für einen bestimmten Anlass wie eine Hochzeit, ein Jubelgeburtstag oder einen Ball schon Stoff für drei unterschiedliche Projekte? Dann muß das vierte nicht sein. Oder habe ich einen ganz ähnlichen Stoff bei den besonders schönen Stoffen? Dann brauche ich den nicht ganz so schönen doch nicht mehr zusätzlich.

Was dann noch übrig ist markiert man sich am besten und geht die Punkteliste ein Jahr später noch mal durch, ob sich etwas verändert hat.

0-15 Punkte: Stoffe mit negativer Tendenz. Bei denen spricht deutlich mehr fürs Hergeben als fürs behalten. Wenn du es schaffst: gib sie weg, denn auch sie haben eine nur sehr geringe Wahrscheinlichkeit, jemals unter deiner Nähmaschine zu landen. (Glückwunsch zum Mut!) Gibt alles her, wofür du einen guten Preis bekommst. Den Rest gehe noch mal durch und überlege dir bei jedem einzelnen Stück, warum du ihn behalten mußt. Denke dann an all die schönen Stoffe, die du deswegen nicht mehr kaufen kannst… Und sortiere von diesen mindestens noch die Hälfte aus. Die verbleibenden werden ebenfalls markiert, was davon nach drei Jahren immer noch nicht verarbeitet ist, kann dann gehen. (Mancher Abschied dauert eben etwas länger. 😉 )

Wenn das geschafft ist, dann geht es, wie bei jeder Diät, natürlich auch darum, das Stoffgewicht zu halten, es nicht mehr ausufern zu lassen.

Die oben im Punktesystem erwähnten Kategorien beim Stoffneukauf zu berücksichtigen ist auf alle Fälle eine gute Idee. (Ich bin doch sicher nicht die einzige, die immer mal wieder einen „oh, ist der toll“ Stoff gekauft hat, ohne daran zu denken, daß der Stoff nur leider mir gar nicht steht… 😉 )

Wichtig ist es aber, sich selber sinnvolle und klare Grenzen zu setzen. Konkret heißt das, für die verbliebenen Stoffe einen Platz zu suchen, nicht mehr über die Wohnung, den Keller oder sonst wo verteilt, sondern ein Ort (Schrank, Truhe, auch zwei oder drei Truhen, wie halt Platz ist), wo sie Platz haben und greifbar sind. Außerdem sollte der Lagerort nicht komplett vollgestopft sein, sondern etwas Luft haben, für Stoffe für aktuelle Projekte. Nulldiät funktioniert nicht so gut, wie ein angepasstes System., das gelegentlich eine Praline erlaubt 😉 Ob man sich Platz für drei, fünf, sieben oder zehn Projekte zusätzlich gibt hängt von den eigenen Gewohnheiten ab. Bei mir sind es so fünf bis sieben, für drei bin ich nicht diszipliniert genug und bei mehr als zehn verliert man den Überblick. 😀

Aber damit ist dann auch Schluss. Über diesen Platz wächst der Stoffstapel nicht mehr hinaus. Will ich noch mehr neue Stoffe kaufen, dann muß ich vorher alte verarbeiten oder weggeben. So viel Selbstdisziplin muß sein. Aber es geht. (Bei mir jetzt seit drei Jahren.)

Ach ja, unterstützen kann man die Stoffdiät durch Qualitätsbewusstsein: Keine billigen Stoffe mehr, sondern nur noch teure, das setzt dem Horten dann sehr schnell Grenzen. 😉

(Und wenn ich ein System gefunden habe, wie ich der Schnittmustersammelsucht Herr werden kann… dann schreibe ich auch drüber… :o)